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Tiroler Theologe: "Radfahren führt in die Tiefe der Seele"

© Klaus Heidegger privat
Vorsitzender der Katholischen Aktion der Diözese Innsbruck, Klaus Heidegger, ist passionierter Radfahrer mit verkehrspolitischen Visionen. Im Kathpress-Interview begründet er, warum das Fahrrad einen viel höheren Stellenwert in der Mobilität haben müsste - Interview von Robert Mitscha-Eibl
Mobilität
21.08.2020, 13:23 Uhr Österreich/Umweltpolitik/Fahrrad/Kirche/Heidegger
Innsbruck, 21.08.2020 (KAP) "Im Schnitt fahre ich jährlich bis zu 10.000 Kilometer mit dem Rad und Abertausende von Höhenmetern", sagt Klaus Heidegger über seine Leidenschaft. Der 61-jährige Theologe und Religionslehrer aus Axams ist fit wie ein Turnschuh und treibt sich auch zu Fuß gerne auf seinen geliebten Tiroler Bergen herum. Dass seine Kondition beachtlich ist, zeigt auch Heideggers breit gestreutes Engagement u.a. als Vorsitzender der Katholischen Aktion der Diözese Innsbruck, in der Friedensbewegung Pax Christi Österreich sowie als Landeskoordinator von "ÖKOLOG Tirol". Im Kathpress-Interview begründet der Religionslehrer an einem Ordensgymnasium in Volders und Vertreter seiner Kolleginnenschaft in Tirol, warum das Fahrrad einen viel höheren Stellenwert in der Mobilität haben müsste.

Kathpress: Österreich gilt als RadfahrerInnenland - zumindest hinsichtlich des Freizeit- und Urlaubsverhaltens. Welche verkehrspolitischen Maßnahmen wären notwendig, um den dennoch vergleichsweise geringen Radfahreranteil im Pendler- und Berufsverkehr zu erhöhen? Und ist auch im Freizeitbereich noch "Luft nach oben"?

Klaus Heidegger: In einem Land, in dem Autofahrende in jeder Hinsicht begünstigt und gefördert werden, sind systemisch Radfahrende zunächst die Benachteiligten. Eine Politik, die Radfahren unterstützen möchte, kann hier wesentlich den Hebel ansetzen.

Kathpress: Was konkret würden Sie empfehlen?

Heidegger: Erstens die Erhöhung der Mineralölsteuer - vor allem die Beendigung des Dieselprivilegs. Mit den Mehreinnahmen können alternative Verkehrskonzepte finanziell unterstützt werden. Zugleich hätten höhere Benzin- und Dieselpreise einen Lenkungseffekt weg vom Auto. Zweitens schärfere Tempolimits für Autos - das würde die Verkehrssicherheit für Radfahrende erhöhen: 30 im Ortsgebiet, 80 auf Freilandstraßen! Wünschenswert wären auch eine Pendlerpauschale für Radfahrende und Ganzjahrestickets auch für die Mitnahme von Fahrrädern in Zügen.

Kathpress: Wie ist das bei Ihnen selbst? In welchem Ausmaß nützen Sie das Rad für Berufswege und Freizeitaktivitäten?

Heidegger: Im Schnitt fahre ich jährlich bis zu 10.000 Kilometer mit dem Rad und Abertausende von Höhenmetern. Ich benütze es für den täglichen Weg zur Arbeit, zu Sitzungen, aber vor allem auch für Freizeitaktivitäten, für Besuche, Urlaub, um im Winter zu Skitouren zu kommen etc.

"Als Lehrperson ist mir Vorbildwirkung wichtig"

Kathpress: Dass Luftfahrt und Automobilverkehr einen ungleich schlechteren ökologischen Fußabdruck zur Folge haben, ist unbestritten. Wie könnte es gelingen, das Fahrrad als attraktive und gesunde Alternative zur ressourcenschädigenden Mobilität stärker ins Bewusstsein zu bringen?

Heidegger: Als Lehrperson ist mir die Vorbildwirkung sehr wichtig. Was wäre, wenn Lehrpersonen selbst ein Vorbild für ihre Schüler und Schülerinnen wären und nicht selbst großteils mit dem Auto zur Schule kämen? Was wäre, wenn Kinder Eltern hätten, die vorzeigten: Es geht auch ohne Autos?

Kathpress: Im laufenden Wiener Wahlkampf - Sie haben ja auch eine Zeitlang in der Bundeshauptstadt gelebt - zeigt sich, dass Experimente wie Pop-up-Radwege mit der oft geringen Veränderungswilligkeit der Einheimischen kollidieren. Ist das nur in Ostösterreich so oder muss auch im Westen jeder neue Radweg mühsam erkämpft werden bzw. steht unter dem Verdacht einer populistischen Grünpolitik?

Heidegger: Kaum ein Land ist mehr vom Verkehr belastet als Tirol. Die Grünen sind hierzulande schon in zweiter Periode in Regierungsfunktion und stellen auch das Regierungsmitglied, das für Verkehr zuständig ist. Radfahrmaßnahmen werden entsprechend auch gefördert und stoßen weder regional noch lokal auf Unverständnis oder Kritik. Im Gegenteil. Der grüne Bürgermeister von Innsbruck - selbst vorbildlicher Radfahrer - bemüht sich permanent um Maßnahmen, die den Radverkehr in Innsbruck verbessern.

Kathpress: In der "Schöpfungszeit"ab 1. September gibt es wieder die Initiative "RADLn in die Kirche". Hat Radfahren auch eine spirituelle Komponente? Und haben Sie Ideen, wie die Kirche das Radeln stärker fördern (und damit womöglich neue Zielgruppen ansprechen) könnte?

Heidegger: Ich bin 2018 mit dem Rad von Absam nach Santiago "gepilgert" - und habe nicht nur dabei gemerkt: Radfahren führt in die Tiefe der Seele (http://www.klaus-heidegger.at/?p=3344). Und was die Kirche betrifft: Jede noch so kleine Initiative ist wichtig - und die Kirchen haben dazu viele Möglichkeiten: Sie beginnen mit ordentlichen Fahrradständern vor den Kirchengebäuden, Fahrradstreifen dorthin, E-Bike-Ladestation vor der Kirche, pfarrliche Fahrradausflüge usw.

Hinweis: Auf seiner Website www.klaus-heidegger.at gibt der Theologe regelmäßig Einblicke in sein Radfahrerleben, gibt aber auch Impulse zu Themen wie Ökologie, Frieden, Bildung und Glaube.

Kathpress-Themenpaket mit mehreren Meldungen zur kirchlichen Schöpfungszeit abrufbar unter: www.kathpress.at/schoepfungszeit
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