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Wien: Theologen erhielten "Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk"

Verleihung am 20. Oktober 2020 in Wien - v.l. erste Reihe: Georg Braulik, Emmerich Tálos, Alfred Kirchmayr, Günter Virt. (es fehlt: Johann Reikerstorfer)
© Universität Wien / Simon Nentwich
Pastoraltheologe Zulehner hielt Laudatio bei Verleihung Goldener Doktordiplome an Theologen Braulik, Kirchmayr, Reikerstorfer, Virt sowie an Politikwissenschaftler Talos
Würdigung
21.10.2020, 15:44 Uhr Österreich/Universität/Auszeichnung/Theologie
Wien, 21.10.2020 (KAP) Fünf verdiente Theologen der Universität Wien sind mit Goldenen Doktordiplomen ausgezeichnet worden. Die "Ehren-Oscars für ihr Lebenswerk" - wie sie der als Laudator engagierte Pastoraltheologe Prof. Paul M. Zulehner bei der Verleihung nannte - gingen an die emeritierten Professoren Georg Braulik (Alttestamentliche Bibelwissenschaften), Johann Reikerstorfer (Fundamentaltheologie), Günter Virt (Moraltheologie), den Politikwissenschaftler Emmerich Talos sowie den Psychologen und Therapeuten Alfred Kirchmayr. Überreicht wurden sie am Dienstagabend im kleinen Kreis an der Universität Wien von Dekan Prof. Johann Pock. Ursprünglich hätte die Ehrung bereits im März stattfinden sollen, sie wurde jedoch Corona-bedingt auf Herbst verschoben.

Nach Grußworten von Dekan Pock sowie von Universitäts-Vizerektorin Christa Schnabl, die im Namen der Universität und der Fakultät gratulierten, würdigte Laudator Paul Zulehner die fünf Wissenschaftler für ihren Dienst gleichermaßen an Wissenschaft und Kirche. Schließlich stünden sie nicht für eine "kalte Theologie", die vor den Herausforderungen der Gesellschaft "die Augen verschließt", sondern für eine "zeitsensible" und von "soziokultureller Empathie" geprägte Wissenschaft. "Den Freuden und Leiden der Menschen haben alle fünf nicht nur in ihrer theologischen Arbeit nachgespürt. Vielmehr hat sie alle ein subtiler theologischer Eros bewegt, mit Hilfe der Wissenschaft vom Menschen und der Natur ihre Solidarität, zumal für die leidenden Menschen konkret und wirkmächtig werden zu lassen", so Zulehner.

In einer abschließenden persönlichen Note fügte Zulehner an, dass er eben jene Erfahrungen von "großer Liebe und tiefem Leid" im Laufe der Jahre als "wichtigste Erkenntnisorte" und als "unerlässliche Quelle für wahre und zeitgerechte Theologie" ausgemacht habe. "In beiden Erfahrungen erahnen wir bis an die Wurzeln unserer Existenz, wie sehr uns das Geheimnis Gottes trägt und zu seinen Ebenbildern formt." Entsprechend sollten diese Erfahrungen auch in der Lehre einen Platz bekommen, denn "nur dergestalt Gottvolle, also in Liebe und Leid Erfahrene, können glaubhaft von Gott erzählen und ihn theologisch bedenken", so der emeritierte Wiener Pastoraltheologe.

Biografisches zu den Geehrten

Prof. Georg Braulik, geboren am 20. Juni 1941, lehrte nach seiner Habilitation 1975 an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät zunächst als außerordentlicher und ab 1989 - trotz des Widerstandes des damaligen Wiener Erzbischofs Hans Hermann Groer - bis 2004 als ordentlicher Professor für Alttestamentliche Bibelwissenschaft. Er ist u.a. Träger zweier Ehrendoktorate der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Jesuiten Sankt Georgen (2006) und der Benediktiner-Universität Sant' Anselmo Rom (2013). 2014 erhielt er den Wilhelm-Hartel-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Prof. Alfred Kirchmayr, geboren 1942 im niederösterreichischen Weistrach, studierte katholische Theologie sowie Psychologie und Soziologie. Nach seiner Promotion an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät lehrte er u.a. von 1982 bis 2004 Psychologie und Sozialphilosophie an der Bundesakademie für Sozialarbeit in St. Pölten sowie von 1999 bis 2008 Psychologie und wissenschaftliches Arbeiten an der Fachhochschule St. Pölten. Seit 2009 ist er Akademieprofessor an der Siegmund-Freud-Privat-Universität in Wien. Seit 1976 praktiziert Kirchmayr als Psychotherapeut und ist auch als Lehrtherapeut tätig.

Prof. Johann Reikerstorfer, geboren am 12. Juni 1945 in Ybbs an der Donau, promovierte nach seinen theologischen Studien 1974 und habilitierte sich 1977 in Wien im Fach Fundamentaltheologie. 1979 bis 2012 war er ordentlicher Professor an der Fakultät. Für seine Verdienste wurde ihm 2012 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Prof. Günter Virt, geboren am 25. Februar 1940 in Wien, war nach seiner Habilitation in Tübingen (1981) Professor für Moraltheologie in Paderborn und Salzburg, bevor er 1986 an die Wiener Katholisch-Theologische Fakultät berufen wurde, wo er bis 2006 die Professur innehatte. Er war Mitbegründer des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin (1993) und arbeitete wesentlich in der Politikberatung: 2001-2009 in der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt und 2001-2014 in der "European Group on Ethics in Science and New Technologies" der Europäischen Kommission. Für seine Verdienste wurde ihm 2010 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen.

Prof. Emmerich Tálos, geboren am 29. Juni 1944 in Sankt Margarethen im Burgenland, wechselte nach seiner Promotion in Katholischer Theologie in die Politikwissenschaft und habilitierte sich in diesem Fach (1980). 1983 wurde er Professor am Institut für Staats- und Politikwissenschaft in Wien, 1995 bis 1999 war er dort Institutsvorstand. Ab 2000 war er auch an der Donau-Universität Krems und an der WU Wien tätig. 2009 folgte seine Emeritierung. Für seine Verdienste wurde ihm 2014 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen. 2015 erhielt er den Wilhelm-Hartel-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. (Infos: https://ktf.univie.ac.at)
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