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Patriarch Irinej in Belgrader St. Sava-Kathedrale beigesetzt

Bei Göttlichen Liturgie konzelebrierte u.a. der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Hilarion - Kondolenzschreiben mehrerer Patriarchen sowie von Putin und Macron
22.11.2020, 14:07 Uhr Serbien/Orthodoxe/Tod/Irinej
Belgrad/Wien, 22.11.2020 (KAP) Der Leib des verstorbenen serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej wurde am Sonntag in der Krypta der noch nicht offiziell eröffneten und geweihten St. Sava-Kathedrale auf dem Vracar in Belgrad beigesetzt. Zuvor war in der Kathedrale die Göttliche Liturgie zelebriert worden. Hauptzelebrant war das interimistische Oberhaupt des Patriarchats, Metropolit Hrizostom (Jevic) von Sarajevo, Konzelebranten waren u.a. der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), und der Kanzler der ukrainisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Antonij (Pakanitsch) von Borispol sowie zahlreiche serbisch-orthodoxe Bischöfe aus allen jugoslawischen Nachfolgestaaten.

Die Predigt hielt Bischof Irinej (Bulovic) von Novi Sad, der bei der Patriarchenwahl 2010 einer der beiden Alternativkandidaten gewesen war. Bei der Göttlichen Liturgie und der Beisetzung waren auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, darunter der römisch-katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hocevar, anwesend. An der Zeremonie nahmen zudem die Spitzenpersönlichkeiten des serbischen politischen Lebens teil.

Nach der Totenmesse würdigten in Ansprachen auch der serbische Präsident Aleksandar Vucic und Milorad Dodik vom Staatspräsidium Bosniens und Herzegowinas den Verstorbenenen. Auch die Präsidenten Frankreichs und Russlands, Emmanuel Macron und Wladimir Putin, hatten Vucic zum Tod des Patriarchen kondoliert.

Bis zur Wahl eines neues Patriarchen führt der in der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, Sarajevo, residierende Metropolit Hrizostom (68) die serbisch-orthodoxe Kirche kommissarisch. Die Bischöfe bestimmten ihn zum Interimsoberhaupt.

Patriarch Irinej war Freitagfrüh im Alter von 90 Jahren in einem Militärkrankenhaus in Belgrad den Folgen einer Corona-Infektion erlegen. Am Samstag war seine sterbliche Hülle zunächst in der Belgrader Michaelskathedrale aufgebahrt worden - wegen der Pandemie jedoch nur geschlossen, das Gesicht war jedoch durch eine Glasscheibe sichtbar. An einer "Panichida" (Gedenkfeier für die Seelenruhe, Anm.), die von Metropolit Hrizostom geleitet wurde, nahmen innerhalb und außerhalb der Kathedrale mit vielen Bischöfen zahlreiche Orthodoxe aus allen Teilen des Landes teil. Später wurde der Leib des Verstorbenen in die St. Sava-Kathedrale überführt.

Weltorthodoxie kondolierte

Die tiefe Betroffenheit in der orthodoxen Welt über den Tod des serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej äußerte sich am Samstag und Sonntag in zahlreichen Kondolenzschreiben, über die die Wiener Stiftung "Pro Oriente" am Sonntag berichtete. Der interimistische Generalsekretär des Weltkirchenrats, der rumänisch-orthodoxe Theologe Prof. Ioan Sauca, schrieb, das geistige Erbe des verstorbenen Patriarchen werde für immer lebendig bleiben. Im Mittelpunkt seiner spirituellen Führungskompetenz sei die Förderung einer "Kultur des Friedens" gestanden, so Sauca.

Ein besonders herzliches Kondolenzschreiben kam aus Damaskus. Der antiochenisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X. erinnerte an seine eigene Serbien-Reise im Herbst 2018, die Patriarch Irinej im Frühling 2019 mit einer Visite in Syrien und im Libanon erwiderte. Auch der Patriarch von Alexandrien, Theodor II., mit dem Patriarch Irinej in den letzten Monaten wegen dessen Anerkennung der neuen "Orthodoxen Kirche der Ukraine" im Konflikt war, fand anerkennende Worte für seinen verstorbenen Amtsbruder: "Patriarch Irinej war eine große spirituelle Gestalt und eine bemerkenswerte charismatische kirchliche Führungspersönlichkeit."

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. stellte in seinem Kondolenzschreiben fest, Gott habe der Kirche des Heiligen Sava mit Irinej "einen weisen Patriarchen" geschenkt, der sein ganzes Leben dem Werk der spirituellen Erneuerung gewidmet habe. Patriarch Irinej habe viel dafür getan, die Einheit der Weltorthodoxie aufrecht zu erhalten und die "Ordnung der heiligen Kirche Christi" zu bewahren.

Von Seiten des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. lag am Sonntag noch kein Kondolenz-Wortlaut vor. Der Patriarch hatte aber bei der Liturgie zum Fest des "Eingangs der Gottesmutter in den Tempel zu Jerusalem", die in der Marienkirche im Istanbuler Stadtteil Pera gefeiert wurde, des verstorbenen serbischen Patriarchen gedacht.
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