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Was ist christlich-sozial? Debatte um Rhonheimer-Position geht weiter

Schweizer Philosoph und Priester wehrt sich in Offenem Brief gegen Vorwürfe, er verfolge eine neoliberale Position, die mit der katholischen Soziallehre unvereinbar sei
15.01.2021, 12:50 Uhr Österreich/Wirtschaft/Ethik/Moral/Philosophie/Rhonheimer/Gabriel
Wien, 15.01.2021 (KAP) Was ist christlich-soziale Politik? Und lässt sich aus den Prinzipien der katholischen Soziallehre eine eindeutige sozialpolitische Haltung destillieren? Über diese Frage wurde zuletzt bei einer Expertenrunde Ende Dezember ausgehend vom Band "Christlich-soziale Signaturen. Grundlagen einer politischen Debatte" diskutiert. Kritisiert wurde dabei u.a. die Position des Schweizer Moralphilosophen und Priesters Martin Rhonheimer. Die Wiener Sozialethikerin Ingeborg Gabriel warf ihm dabei etwa vor, Sozialpolitik für kontraproduktiv und Recht bzw. Gerechtigkeit für unsinnige Kategorien zu halten und eine mit der katholischen Soziallehre unvereinbare Position einzunehmen. In einem Offenen Brief wehrt sich Rhonheimer nun gegen die Vorwürfe und wirft Gabriel seinerseits Unkenntnis und einen Verstoß gegen den "Kanon einer christlichen Gesprächskultur" vor.

Er fühle sich in der Darstellung seiner Position durch Gabriel sowie durch den ebenfalls an der Expertenrunde beteiligten Salzburger Philosophen Emmanuel J. Bauer missverstanden, monierte Rhonheimer, der dadurch zugleich eine "Schädigung meines akademischen und innerkirchlichen Rufes" fürchte. Er halte nämlich Sozialpolitik keinesfalls für "kontraproduktiv", sondern plädiere letztlich für deren "solide und ökonomisch nüchterne wirtschaftspolitische Fundierung". Kontraproduktiv sei Sozialpolitik nur dann, wenn sie die falschen Anreize schaffe und Menschen in dauerhafte Abhängigkeit von staatlichen Leistungen halte, so der Präsident des "Austrian Institute of Economics and Social Philosophy".

Auch vertrete er keineswegs die Position, der Markt würde keine Regeln benötigen - tatsächlich brauche der Markt einen klaren Ordnungsrahmen. Für schädlich und letztlich "unsozial" erachte er jedoch in der Tat Eingriffe, die einen fairen Wettbewerb verzerren würden. Gerechtigkeit sei eine wichtige Kategorie jeder freien Marktwirtschaft, diese drohe jedoch zu einer Art "normativen Willkür" zu werden, wo sie als "soziale Gerechtigkeit im Sinne von Verteilungsgrechtigkeit" verstanden werde. In diesem Gerechtigkeits-Verständnis sehe er sich überdies im Einvernehmen mit der Tradition der katholischen Soziallehre bis hin zu Papst Franziskus selbst, so Rhonheimer, da eben dies dem Subsidiaritätsprinzip entspreche.

Rhonheimer bezieht sich in seinem über die Website des "Austrian Institute of Economics and Social Philosophy" jetzt abrufbaren Offenen Brief auf eine Expertenrunde vom 27. Dezember 2020, an der fünf Autoren des von der Politischen Akademie der ÖVP herausgegebenen Buches "Christlich-soziale Signaturen. Grundlagen einer politischen Debatte" teilgenommen hatten - darunter der "Kurier"-Journalist und Moderator der Runde, Rudolf Mitlöhner, der Wiener Moraltheologe und Medizinehtiker Matthias Beck, die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel, der Salzburger Philosoph Emmanuel J. Bauer sowie die Präsidentin der Politischen Akademie und Herausgeberin des Buches, Bettina Rausch. Rhonheimer hatte zu dem Band einen Beitrag beigesteuert, selber aber nicht an der Diskussion teilgenommen.

(Wortlaut des Offenen Briefes: https://austrian-institute.org/de/blog/offener-brief-von-martin-rhonheimer-an-ingeborg-gabriel-unkenntnis-und-fehlinterpretationen)
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