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Pizzaballa: Frieden im Heiligen Land nur durch Zivilgesellschaft

Erzbischof Pierbattista Pizzaballa
© Mazur/cbcew.org.uk
Lateinischer Patriarch von Jerusalem in Beitrag in Magazin "Information Christlicher Orient": Keine Erwartungen an Politik, "jetzt ist der Moment für Initiativen von unten"
Dialog
27.01.2021, 10:55 Uhr Österreich/Israel/Palästina/Kirche/Politik/Konflikte/Gesellschaft/Religionsdialog/Religion/Diplomatie/Pizzaballa
Linz/Jerusalem, 27.01.2021 (KAP) Positive Veränderungen, Frieden und Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern im Heiligen Land wird es nach Ansicht des Lateinischen Patriarchen Erzbischof Pierbattista Pizzaballa nur durch Initiativen der Zivilgesellschaft geben. Von der Politik erwartet sich Pizzaballa hingegen wenig. Es bräuchte "starke und überzeugende Politiker", die es derzeit aber nicht gebe, so der Patriarch in einem Grußwort in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Information Christlicher Orient".

"Jetzt ist der Moment für Initiativen von unten. Und wir sehen auch solche Initiativen, die etwa in Schulen oder Pfarren oder in anderen zivilgesellschaftlichen Institutionen entstehen", schreibt der Patriarch wörtlich. Entscheidens seien persönliche Begegnungen, so Pizzaballa weiter: "Muslime, Juden und Christen kommen zusammen, es geht nicht um Politik, es gibt keine endlosen ermüdenden Debatten, sondern es geht darum, gemeinsam etwas Konkretes zu machen."

Pizzaballa weist auf mehrere solcher Initiativen hin; etwa das Projekt "Hand in Hand", eine Organisation gemischter Schulen von Israelis und Palästinensern, oder "Kinder ohne Grenzen", wo es darum geht, dass die jüngsten Mitglieder der beiden Völker zusammen Fußball spielen. Eine andere Initiative sei "Commander's for Israel's Security", die mehr als 200 pensionierte israelische Offiziere bis hinauf zu Generälen versammelt, die mit ihren palästinensischen Kollegen bei Sicherheitsprojekten zusammenarbeiten.

Weitere Beispiele seien jüdische und arabische Lehrergruppen, die zusammenarbeiten, um Schulbücher über Geschichte oder Geografie neu zu schreiben. Zudem gebe es in Hebron muslimische Frauen, die sich für Gewaltlosigkeit engagieren.

Er sei sich dessen bewusst, so der Patriarch, dass es kurz- oder mittelfristig keinen Frieden im Heiligen Land geben werde, "weil zu viel Unrecht noch nicht gesühnt worden ist und zu viele Wunden noch nicht verheilt sind". Nichtsdestotrotz würden diese Initiativen neue positive Beziehungen schaffen und neue Prozesse von Grund auf anstoßen. "Und das gibt uns sehr, sehr viel Hoffnung."

Seit Anfang Dezember 2020 steht Erzbischof Pierbattista Pizzaballa als neuer Patriarch von Jerusalem der römisch-katholischen Kirche in Israel, Palästina, Jordanien und Zypern vor. Die christliche Minderheit habe mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen, die politische Situation sei da nur eines von mehreren Problemen. Trotzdem zeigt sich der Patriarch überzeugt: "Die Christen werden bleiben."

Zugleich ruft Pizzaballa die Christen weltweit dazu auf, sobald es wieder möglich sein wird, Pilgereisen ins Heilige Land zu unternehmen. "Christliche Pilgerfahrten bieten Arbeit und Einkommen für viele Christen vor Ort. Viele Familien können aufgrund dieser Arbeit in Würde leben. Die Aufnahme von Millionen von Pilgern gibt uns zudem die Erfahrung der Universalkirche, und die Möglichkeit, diese Universalkirche in Jerusalem zu umarmen", so der Patriarch wörtlich.

"Information Christlicher Orient" ist das Magazin der "Initiative Christlicher Orient". Das in Linz beheimatete Hilfswerk unterstützt zahlreiche Hilfsprojekte der Caritas Jerusalem, die zum Lateinischen Patriarchat gehört. (Infos: www.christlicher-orient.at)
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