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Vor Papstbesuch: Christen im Irak gedenken ihrer Märtyrer

Kirchenvertreter fordern Wiederaufnahme der Ermittlungen zur Ermordung des chaldäischen Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho, vor 13 Jahren - Seligsprechungsverfahren für zahlreiche ermordete Christen im Gange
02.03.2021, 13:17 Uhr Irak/Papst/Terrorismus/Papstreise/Märtyrer
Bagdad/Erbil, 02.03.2021 (KAP) Kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus im Irak (5. bis. 8. März) haben irakische Kirchenvertreter auf einige ihrer zahlreichen Märtyrer der vergangenen Jahre aufmerksam gemacht. Fast genau vor 13 Jahren wurde der chaldäische Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho, entführt und ermordet. Vor 14 Jahren wurde der junge chaldäisch-katholischen Priesters Ragheed Aziz Ganni, der ebenfalls in Mossul wirkte, auf offener Straße erschossen. Aber auch die Ordensfrau Cecilia Moshi Hanna, die 2002 in Bagdad ermordet wurde, und die 48 Märtyrer des Terroranschlags in der Bagdader Marienkathedrale von 2010 rücken wieder ins öffentliche Gedächtnis.

Das irakische Informationsportal ankawa.com hat dazu aufgerufen, die Untersuchungen zur Aufklärung des Mordes an Erzbischof Rahho wieder aufzunehmen. Vieles sei noch ungeklärt. Die Verantwortlichen für die Entführung und Ermordung des Bischofs müssten ausfindig gemacht und zur Rechenschaft gezogen werden.

Das Auto, in dem der Erzbischof fuhr, war am 29. Februar 2008 von einer Gruppe unbekannter bewaffneter Männer angegriffen worden. Rahho hatte gerade die Heilig-Geist-Kirche von Mossul verlassen, wo er einen Gottesdienst gefeiert hatte. Der Fahrer des Wagens und zwei der Mitarbeiter Rahhos, die mit ihm im Fahrzeug saßen, wurden sofort getötet, während der Erzbischof entführt wurde. Nach Tagen intensiver Verhandlungen über die Freilassung des Erzbischofs wurde seine Leiche am 12. März in der Nähe eines verlassenen Friedhofs im Bezirk Karama aufgefunden. Die Ursachen seines Todes wurden nie endgültig geklärt.

In der Zeit nach 2003, dem militärischen Eingreifen der USA und dem Sturz des Regimes unter Saddam Hussein, war die Stadt Mossul Schauplatz einer Eskalation von Gewalt und Verbrechen gegen die christliche Minderheit.

International bekannt wurde dabei 2007 das Schicksal des jungen Priesters Ragheed Aziz Ganni. In den Wochen vor seiner Ermordung hatte Ganni Drohbriefe erhalten, in denen der 35-jährige Priester aufgefordert wurde, die Kirche zu schließen und keine Messen mehr zu feiern. Doch Ganni machte unbeirrt weiter. Am 3. Juni 2007 war der Geistliche nach dem Sonntagsgottesdienst in Mossul mit dem Auto unterwegs. Plötzlich stoppten bewaffnete Männern das Fahrzeug. Der junge Priester und die drei ihn begleitenden Diakone wurden auf der Stelle erschossen.

Für Ganni und die drei Diakone Basman Yousef Daud, Wahid Hanna Isho und Gassan Isam Bidawid ist inzwischen ein Seligsprechungsprozess im Gange. Das Grab von Ganni in der chaldäisch-katholischen Kirche Mar Addai in der Kleinstadt Karamles in der Ninive-Ebene wurde zum Wallfahrtsort für die Christen im Irak.

Von der IS-Terrormiliz wurden die Kirche und das Grab während ihrer rund zweijährigen Herrschaft schwer beschädigt. Der Gedenkstein wurde in Stücke gehauen. Die Kirchenmauern wurden mit IS-Slogans beschmiert, wie: "So Gott will, werden wir bald in Rom einmarschieren".

Die chaldäische Kirche strebt zudem ein weitere Seligsprechungsverfahren für Erzbischof Rahho und die Ordensschwester Cecilia Moshi Hanna an. Die Ordensfrau wurde im August 2002 in Bagdad ermordet, als drei Attentäter in das Herz-Jesu-Kloster eindrangen und die 71-jährige Nonne erstachen.

Die Märtyrer von Bagdad

Bereits im Oktober 2019 endete in der irakischen Ortskirche das regionale Seligsprechungsverfahren für die Märtyrer des Terroranschlags 2010 auf die syrisch-katholische Marienkathedrale in Bagdad. Hier liegt der Ball nun in Rom.

Bei dem Anschlag am 31. Oktober 2010 wurden insgesamt 48 Christen - darunter auch kleine Kinder - getötet und 80 weitere verletzt. Ein Terror-Kommando war während des Gottesdienstes in die Kirche eingedrungen. Die fünf Terroristen nahmen alle Anwesenden als Geiseln und forderten die Freilassung verhafteter Dschihadisten. Irakische Sicherheitskräfte und US-Soldaten versuchten die Geiseln zu befreien, doch die Terroristen zündeten Sprengsätze, nachdem die Menschen zuvor gezwungen worden waren, sich auf den Boden zu legen.

Die ersten, die getötet wurden, waren die beiden jungen Priester Abdallah Thaer und Boutros Wassim Kas. Sie wurden erschossen, als sie versuchten, das Massaker zu stoppen. Abdallah Thaer, der die Liturgie feierte, war vom Altar heruntergekommen, um mit den Terroristen zu verhandeln, er wurde umgehend von einem von ihnen getötet. Das gleiche Schicksal widerfuhr Boutros Wassim, der aus dem Beichtstuhl gekommen war, um zu versuchen, die Terroristen aufzuhalten.

Papst Franziskus wird am Freitag, 5. März, dem ersten Tag seiner Irakreise die Marienkathedrale in Bagad besuchen und der Märtyrer gedenken.

Kathpress-Themenpaket mit zahlreichen Meldungen und Hintergrundberichten zum Besuch von Papst Franziskus im Irak abrufbar unter: www.kathpress.at/papstimirak
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