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Papst trifft im Irak schiitischen Großajatollah al-Sistani

Papst Franziskus und Großayatollah Sayyid Ali Al-Husayni Al-Sistani
© Vatican Media
Begegnung zwischen Papst und 90-jährigem Islam-Gelehrten in für schiitische Muslime heiliger Stadt Nadschaf - Franziskus dankt Sistani für "seine Stimme zur Verteidigung der Schwächsten und Verfolgten"
Dialog
06.03.2021, 09:17 Uhr Irak/Diplomatie/Religion/Papst/Christentum/Kirche/Islam
Bagdad, 06.03.2021 (KAP) Papst Franziskus und der schiitische Großajatollah Ali al-Sistani sind im Irak zu einer privaten Begegnung zusammengekommen. Bei dem 45-minütigen Gespräch am Samstagmorgen in der für Schiiten heiligen Stadt Nadschaf betonte der Papst laut Vatikanangaben die Bedeutung des interreligiösen Dialogs für den gesamten Nahen Osten. Zudem dankte Franziskus dem 90-Jährigen al-Sistani für dessen stabilisierende Rolle in den vergangenen Jahren.

Viele Beobachter werten das Treffen des Papstes mit dem angesehenen Großajatollah als wichtigen Brückenschlag zwischen katholischer Kirche und schiitischem Islam. Wie sehr das Treffen in der Residenz al-Sistanis von gegenseitigem Respekt getragen wurde, zeigte allein der Ablauf. Wie arabische Medien berichteten, zog der Papst vor dem Betreten der Räumlichkeiten seine Schuhe aus. Der schiitische Geistliche, der Besucher gewöhnlich im Sitzen empfängt, begrüßte den Papst im Stehen.

Das geistliche Oberhaupt der Schiiten im Irak, der sich sonst kaum in der Öffentlichkeit zeigt, hob seinerseits die Notwendigkeit der friedlichen Koexistenz der Religionen hervor. Die Christen im Irak müssten in Sicherheit und mit allen bürgerlichen Rechten im Land leben können, sagte er nach Angaben seines Büros zu Franziskus. Al-Sistani sprach demnach auch das Schicksal der Palästinenser unter israelischer Besatzung an. Die religiösen Führer seien gefordert, insbesondere an die Großmächte zu appellieren, allen Völkern der Region ein Leben in Freiheit und Würde zu ermöglichen.

Angesichts von Gewalt und Schwierigkeiten habe der muslimische Geistliche "seine Stimme zur Verteidigung der Schwächsten und Verfolgten erhoben", sagte Vatikansprecher Matteo Bruni. Darum sei Ali al-Sistani ein wichtiger Faktor für die Einheit des irakischen Volkes.

Bei der Verabschiedung des Großajatollahs wiederholte der Papst sein Gebet zu Gott, dem Schöpfer von allem, für eine Zukunft des Friedens und der Geschwisterlichkeit für das geliebte Land Irak, für den Nahen Osten und für die ganze Welt.

Vor dem Besuch war bis zuletzt unklar geblieben, ob ein gemeinsames Schreiben der beiden Religionsführer zu erwarten ist. Dies würde an das "Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen" anknüpfen, das der Papst 2019 mit dem sunnitischen Großimam Ahmad al-Tayyeb in Abu Dhabi vorgestellt hatte.

In Nadschaf, das nur 30 Kilometer von den Ruinen des antiken Babylon entfernt ist, ist der Vetter und zugleich Schwiegersohn des islamischen Propheten Mohammed begraben; es ist der Imam Ali, der am Ausgangspunkt des schiitischen Islam steht. Sein von einer Goldkuppel überwölbtes Grab ist eine der Heiligen Stätten des Islam und Wallfahrtsort für Schiiten aus aller Welt.

Der Islamgelehrte, der die bekannte Hochschule von Nadschaf leitet, ist eine der respektiertesten Stimmen im schiitischen Islam; er äußert sich moderat und spricht sich für ein friedliches Zusammenleben von Angehörigen der verschiedenen Religionen im Islam aus. Auch im Iran hat Sistani viele Anhänger - nicht nur wegen seiner moralisch-theologischen Autorität, sondern auch wegen karitativen Engagements.
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