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Bischof Scheuer ruft zur Hilfe für Kinder im Libanon auf

© Stefan Maier
Diözese Linz, Initiative Christlicher Orient, Land Oberösterreich und weitere Partner finanzierten Wiederaufbau von Internat und Schule "St. Charles" in Beirut - Scheuer: "Den libanesischen Kindern Zukunftsperspektiven vermitteln"
19.03.2021, 11:02 Uhr Österreich/Libanon/Kirche/Soziales/Bildung/Kinder/Scheuer/ICO
Linz/Beirut, 19.03.2021 (KAP) Die Welt darf den Libanon nicht im Stich lassen. Das hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer in einem Gastkommentar in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Information Christlicher Orient" eingemahnt. Besonders seit der verheerenden Explosionskatastrophe in Beirut im vergangenen August habe sich die Lage in dem von Armut, Korruption und Misswirtschaft geplagten Land nochmals dramatisch verschärft. Darunter würden besonders die Kinder leiden, denen geholfen werden muss, so der Bischof. Er hob in diesem Zusammenhang das Wiederaufbauprojekt "St. Charles" hervor, dass das in Linz ansässige Hilfswerk "Initiative Christlicher Orient" (ICO) gemeinsam mit u.a. der Diözese Linz zuletzt umgesetzt hat.

Beim Wiederaufbau des Hauses "St. Charles" der Barmherzigen Schwestern im Beiruter Stadtteil Achrafieh handelte es sich um das größte Einzel-Hilfsprojekt in der Geschichte der ICO. Insgesamt konnten dafür mehr als 200.000 Euro aufgebracht werden. Die Ordenseinrichtung war bei der Explosion am 4. August 2020 schwerst beschädigt worden und war unbewohnbar bzw. unbenutzbar. "St. Charles" besteht aus einem Kinderheim mit angeschlossener Schule. Im Internat leben gewöhnlich 40 Mädchen, weitere 80 Kinder werden im Halbinternat betreut. Die Schule der Ordensschwestern wird von ca. 650 Kindern aus den ärmsten Familien der Stadt besucht; darunter sind auch zahlreiche Flüchtlingskinder und Migranten.

An der ICO-Wiederaufbauaktion, die Ende 2020 erfolgreich abgeschlossen werden konnte, hatten sich neben vielen kleinen und größeren Einzelspendern auch die Oberösterreichische Landesregierung, die Diözese Linz, die Missionsstelle der Diözese, das Salzburger Stift St. Peter, die Gumpendorfer Schwestern in Wien und die Paderborner Barmherzigen Schwestern (Deutschland) beteiligt.

Bischof Scheuer sprach von einem "Leuchtturmprojekt", das auch "den großen Stellenwert, den wir der Bildung beimessen, zum Ausdruck bringt und unser christliches Menschenbild verdeutlicht". Bei Bildung gehe es nicht nur um den Erwerb von Wissen, sondern Bildung sei darüber hinaus eine Form der Selbstentfaltung und Weltorientierung. Scheuer: "Will man dem Libanon eine gute Zukunft ermöglichen, dann muss man den libanesischen Kindern Zukunftsperspektiven vermitteln."

Warnung vor dramatischer Armutsrate

In die gleiche Kerbe wie der Linzer Bischof schlug auch der österreichische Botschafter im Libanon Rene Paul Amry. Obwohl der Zedernstaat noch als Land mit mittlerem Einkommen gilt, gehe die Einkommensschere hier besonders weit auseinander, schrieb Amry im ICO-Magazin. Die Armut habe sich 2020 auf 55 Prozent der Bevölkerung verdoppelt, die extreme Armut habe sich sogar verdreifachte. Bei Wegfall der Importsubventionen könnte die Armut 2021 sogar noch auf unvorstellbare 75 Prozent ansteigen. Amry: "Das Land ist heute an einem Punkt angekommen, von dem es nur unter größten Anstrengungen all seiner Entscheidungsträger ein Zurück gibt."

Neben der Wirtschaftskrise erschütterten im Vorjahr auch Covid und die traumatische Explosion im Beiruter Hafen das Land. Es sei deshalb umso wichtiger, "die leidgeprüfte Bevölkerung mit ihren unmittelbaren Bedürfnissen nicht im Stich zu lassen".

Der Libanon beherberge mit seinen achtzehn Bekenntnissen auf engstem Raum die größte religiöse Vielfalt im Nahen Osten. Trotz unvermeidbaren, meist nicht religiös bedingten, Konflikten zwischen den Konfessionsgruppen böte das Land diesen aufgrund der religiösen Neutralität seiner Verfassung einen für die Region einzigartigen Entfaltungsspielraum. Dieses Umfeld, sowie die darauf fußende, tolerante, von Mäßigung geprägte Haltung der Libanesinnen und Libanesen wären ohne ein konstantes Bemühen für ein besseres "Miteinander" undenkbar.

Für das gegenseitige Verständnis ist sei das Bildungssystem von zentraler Bedeutung, so der österreichische Botschafter im ICO-Magazin. Er hat sich auch persönlich ein Bild von den Verwüstungen und Wiederaufbauarbeiten in St. Charles gemacht. Auch in anderen Bildungseinrichtungen im Libanon, die von der ICO unterstützt werden, ist der Botschafter immer wieder zu Gast.

(Infos: www.christlicher-orient.at)
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