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Salzburger Hochschulwochen: "Theologischer Preis" an P. Klaus Mertes

Klaus Mertes, Jesuitenpater und ehemaliger Leiter des Canisius-Kollegs, spricht während einer Pressekonferenz in Berlin am 26. Januar 2015 über den aktuellen Stand der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in Deutschland.
© KNA-Bild / Markus Nowak
Preis würdigt Einsatz von Mertes zur Aufklärung sexuellen und geistlichen Missbrauchs und seine theologische Reflexion der Ursachen - Verleihung am 4. August in Salzburg im Rahmen der "Salzburger Hochschulwochen"
Auszeichnung
27.05.2021, 12:41 Uhr Österreich/Universität/Bildung/Auszeichnung/Kirche/Leute/Missbrauch/Salzburger.Hochschulwochen/Theologischer.Preis/Mertes
Salzburg, 27.05.2021 (KAP) Der "Theologische Preis" der Salzburger Hochschulwochen wird heuer an den deutschen Ordensmann P. Klaus Mertes verliehen. Das teilte der Obmann der Hochschulwochen, Prof. Martin Dürnberger, am Mittwoch in einer Aussendung mit. Der renommierte Preis würdigt das theologische Lebenswerk Mertes, der dadurch bekannt wurde, dass er 2010 als damaliger Schulleiter des Berliner Canisius-Kollegs einen Missbrauchsskandal öffentlich gemacht hatte. Dies löste in Folge eine große Debatte über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche aus und führte zur Aufdeckung weiterer Fälle auch in nicht-kirchlichen Einrichtungen. Die Verleihung findet am 4. August in Salzburg statt.

Es sei unbestritten, heißt es in der Jury-Begründung, dass das Wirken von P. Mertes "nicht nur im Blick auf das Thema Missbrauch und das Leiden der Betroffenen, aber besonders im Bezug darauf - theologisches Nachdenken in besonderer Weise geprägt hat und weiter prägen wird". Wer sich theologisch mit der Kirche in der Welt von heute beschäftige, komme nicht am Problem des Missbrauchs vorbei - "und das verdankt sich wesentlich seinen Beiträgen, seinem Engagement und Wirken".

Dabei gehe es um das Durchbrechen von Vertuschungslogiken und Schweigespiralen, "also um die Aufklärung sexuellen, geistlichen u.a. Missbrauchs selbst", aber ebenso um eine "beharrliche Reflexion auf die systemischen Ursachen und deren Bearbeitung", argumentierte die Jury weiter. "Der klare Ton, den Mertes dabei anschlägt, seine luziden Analysen, die punktgenauen Formulierungen: All das trägt das ignatianische Profil einer Unterscheidung der Geister, die in einem hochsensiblen Feld eingespielt wird und die diskursive Standards in der Theologie und darüber hinaus setzt."

Der Jury gehören der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg, Prof. Alois Halbmayr, der emeritierte Rektor der Universität Salzburg, Prof. Heinrich Schmidinger, der Erzabt von St. Peter, Korbinian Birnbacher, die Vizerektorin für Forschung an der Universität Innsbruck, Prof. Ulrike Tanzer, sowie der Obmann der Salzburger Hochschulwochen, Prof. Martin Dürnberger, an. Gestiftet wurde der mit 5.000 Euro dotierte Preis in diesem Jahr von der Benediktinerabtei St. Stephan (Augsburg) und Abt Theodor Hausmann.

Biografische Notizen

Klaus Mertes wurde am 18. August 1954 als Sohn einer Diplomatenfamilie in Bonn geboren. Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums Aloisius-Kolleg in Bonn-Bad Godesberg studierte er Slawistik und Klassische Philologie. Mit 23 Jahren trat er in Münster in den Jesuitenorden ein und schloss Studien der Theologie und Philosophie an. 1986 wurde er zum Priester geweiht. Von 2000 bis 2011 war er Rektor des Berliner Canisius-Kollegs. Von 2011 bis 2020 war Mertes Direktor des Kolleg St. Blasien im Schwarzwald. Seither befindet er sich in einer Sabbatzeit. Im Anschluss will er in die Seelsorge gehen.

Mertes machte 2010 als damaliger Leiter des Canisius-Kollegs der Jesuiten Fälle von sexuellem Missbrauch bekannt. Dies löste eine Vielzahl weiterer Veröffentlichungen von Missbrauchsfällen in katholischen, aber auch anderen Einrichtungen aus. Im April wurde Mertes gemeinsam mit dem Sprecher der Betroffenenorganisation "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um die Bekämpfung von Missbrauch an Kindern ausgezeichnet.

Die Verleihung des Preises, die traditionell einen Höhepunkt im Programm der Salzburger Hochschulwochen darstellt, soll Anfang August im kleinen Kreis in Salzburg stattfinden. Die Verleihung bildet zugleich den Auftakt zur heurigen Hochschulwoche, die coronabedingt auch in diesem Jahr in überwiegend digitaler Form stattfinden wird. Geplant sind wie im Vorjahr Podcasts, Videos, Live-Streams und ein abschließender Gottesdienst im Salzburger Dom mit Erzbischof Franz Lackner. Das Thema der diesjährigen Hochschulwochen lautet "Was hält uns (noch) zusammen? Über Verbindlichkeit und Fragmentierung". (Infos und Anmeldung: www.salzburger-hochschulwochen.at)
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