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Papst nimmt Rücktrittsangebot von Kardinal Marx nicht an

Der Erzbischof von Muenchen und Freising, Kardinal Reinhard Marx
© Erzbischoefliches Ordinariat Muenchen 2020, Lennart Preiss
Vatikan veröffentlicht dreiseitigen Brief von Franziskus an den Erzbischof von München und Freising
Kirche
10.06.2021, 12:53 Uhr Vatikan/Deutschland/Papst/Kirche/Missbrauch/Marx
Vatikanstadt, 10.06.2021 (KAP) Papst Franziskus hat deutschen Kardinal Reinhard Marx aufgefordert, weiter im Amt zu bleiben. "Das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising", schreibt der Papst in einem Brief an Marx, den der Vatikan am Donnerstag veröffentlichte. Außerdem fordert Franziskus die Kirche mit Nachdruck auf, die Realität der Missbrauchskrise "anzunehmen". Am vergangenen Freitag hatte Marx bekannt gegeben, er habe dem Papst seinen Rücktritt angeboten.

In dem dreiseitigen Brief mit Datum vom 10. Juni dankt der Papst dem Münchner Erzbischof zunächst für seinen "christlichen Mut". Im Großen und Ganzen teilt Franziskus Marx' Einschätzung der kirchlichen Lage. "Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor Kurzem umgegangen ist", schreibt der Papst.

"Angesichts dieses Verbrechens können wir nicht gleichgültig bleiben. Das anzunehmen bedeutet, sich der Krise auszusetzen", betont Franziskus. "Wir müssen für die Geschichte Verantwortung übernehmen, sowohl als einzelner als auch in Gemeinschaft", so der Papst weiter. Eine "Vogel-Strauß-Politik" helfe nicht weiter. Allerdings muss die Krise nach Aussage des Papstes "von unserem österlichen Glauben her angenommen werden. Soziologismen und Psychologismen helfen da nicht." Auswege aus der Krise könnten nur gemeinsam gefunden werden.

Daher, so das Kirchenoberhaupt weiter, müsse jeder Bischof "sich fragen: Was muss ich angesichts dieser Katastrophe tun?". Nötig sei eine Reform, die bei jedem selbst beginnen müsse, und "die - in diesem Fall - nicht in Worten besteht, sondern in Verhaltensweisen, die den Mut haben, sich dieser Krise auszusetzen, die Realität anzunehmen, wohin auch immer das führen wird".

Bei einem Treffen am 21. Mai im Vatikan hatte Marx dem Papst sein Rücktrittsangebot vorgetragen. Franziskus bat den Kardinal, vorerst im Amt zu bleiben, er werde zu gegebener Zeit entscheiden. Beide hatten vereinbart, dass Marx seine Entscheidung am 4. Juni öffentlich mitteilen werde. Die Nachricht sorgte weltweit für Aufsehen. Inner- wie außerkirchlich gab es Fragen, Ratlosigkeit, Beifall und Kritik.

Als Begründung für sein Rücktrittsangebot schrieb Marx in einem Brief: "Im Kern geht es für mich darum, Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten." Die Untersuchungen und Gutachten der zurückliegenden zehn Jahre zeigten für ihn durchgängig, dass es "viel persönliches Versagen und administrative Fehler" gegeben habe, aber "eben auch institutionelles oder systemisches Versagen". Auch Marx wird Fehlverhalten im Umgang mit möglichen Missbrauchsfällen vorgeworfen.
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