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Kritik und Zustimmung nach Entscheidung des Papstes zu Marx

Zentralkomitee der deutschen Katholiken "froh, dass uns Marx uns als starke Stimme erhalten bleibt" - Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch" kritisch: Papst nimmt Rücktrittsangebot des Münchner Erzbischofs die Wucht
10.06.2021, 15:52 Uhr Deutschland/Vatikan/Kirche/Papst/Missbrauch/Marx/Reaktionen
Bonn, 10.06.2021 (KAP/KNA) Die Entscheidung von Papst Franziskus, das Rücktrittsgesuch des deutschen Kardinals Reinhard Marx als Erzbischof von München nicht anzunehmen, stößt auf Kritik, aber auch auf Zustimmung. So sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg: "Ich bin - nicht zuletzt mit dem Blick auf den Synodalen Weg - froh, dass Kardinal Marx uns als starke Stimme erhalten bleibt." Die Entscheidung aus Rom zeige, "dass die angebliche Unzufriedenheit über den Synodalen Weg in Deutschland der vielschichtigen Realität nicht entspricht", meinte Sternberg gegenüber "Rheinischen Post".

Zudem hätten die Reaktionen auf Marx' Angebot gezeigt, "dass er ein sehr hohes Ansehen genießt und man den Ernst, wie er mit der extrem schwierigen Lage der katholischen Kirche in Deutschland umgeht, sehr gewürdigt hat", so der Präsident des höchsten deutschen katholischen Laiengremiums.

Das Schreiben des Papstes an Marx sei "außergewöhnlich persönlich und klar", sagte der Kirchenrechtler Thomas Schüller der Nachrichtenagentur dpa. Die Botschaft sei: "Wir können vor der strukturellen Sünde und Schuld des sexuellen Missbrauchs nicht fliehen - sondern müssen ihr gemeinsam ins Auge schauen." Marx bleibe ein wichtiger Begleiter des Papstes, werde aber im Amt als Sünder mit seinen Fehlern als Bischof von Trier und Erzbischof von München-Freising im Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch konfrontiert werden, so Schüller. "Das mag schmerzlich sein, aber der Papst erspart Marx nicht diesen Gang."

Kritik von Betroffeneninitiative

Hingegen kritisierte der Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, die Papst-Entscheidung. Franziskus nehme damit dem Rücktrittsangebot des Münchner Erzbischofs die Wucht, sagte Katsch in Berlin.

Marx zielte laut Katsch mit seiner Erklärung auf die Verantwortung aller Bischöfe für ein System aus Missbrauch und Vertuschung in der Kirche. "Der Papst moderiert diese erschütternde Einsicht jetzt einfach weg und entlastet damit auch sein eigenes Amt. Besonders erschreckend ist aber, wie der Papst in seiner Erklärung versucht, die Verantwortung für Machtmissbrauch und Missbrauchsvertuschung durch Bischöfe weltweit zu relativieren, indem er darauf verweist, dass früher eben 'andere Zeiten' gewesen seien", kritisierte der Sprecher der Betroffeneninitiative.

Von dem radikalen Neuanfang, den das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx andeutete, sei jetzt wenig geblieben. "Der Papst sollte endlich anfangen, den Betroffenen wirklich zuzuhören", so Katsch.

Bätzing erleichtert

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, reagierte mit Erleichterung darauf, dass Marx im Amt bleibt. Der Limburger Bischof freue sich auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Erzbischof von München und Freising, teilte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.

Auch in Marx' Erzdiözese München und Freising wurde die Ablehnung des Rücktrittsgesuchs gewürdigt. Domdekan Lorenz Wolf sagte: "Ich bin froh und dankbar, dass der Papst schnell entschieden hat und Kardinal Marx seine Aufgaben weiter erfüllen kann."

Die Vorsitzende des Katholikenrats der Region München, Hiltrud Schönheit, sagte der KNA, sie freue sich, dass die Hängepartie für die Erzdiözese schnell beendet sei. "Für München ist es wunderbar." Sie frage sich jedoch nach der Lektüre des Papst-Briefes, ob dieser verstanden habe, was Marx habe sagen wollen. Als Punkte nannte sie die Aussage des Kardinals, wonach Teile des Episkopats nicht die strukturellen und systemischen Voraussetzungen für Missbrauch akzeptieren wollten.

Auch das "Sensationelle" im Gesuch des Kardinals, in dem er auch von eigenen Fehlern gesprochen habe, finde wenig Widerhall. Ferner sei von der Perspektive der Betroffenen, die Marx umgetrieben habe, "nicht so richtig was zu sehen" in dem Schreiben von Franziskus.
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