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Europa, Migration und Kirche: EU-Bischofskommission beim Papst

Franziskus empfing COMECE-Spitze um Kardinal Hollerich im Vatikan - Luxemburger Erzbischof: Franziskus nach wie vor ein großer Förderer der Europäischen Union
11.06.2021, 14:51 Uhr Vatikan/Europäische Union/Kirche/Papst/Europa
Vatikanstadt, 11.06.2021 (KAP) Die Spitze der EU-Bischofskommission COMECE ist am Freitag von Papst Franziskus empfangen worden. In dem Gespräch sei es vor allem um Fragen der Pandemie und Migration gegangen, berichtete anschließend der COMECE-Vorsitzende, Kardinal Jean-Claude Hollerich. Franziskus sei nach wie vor ein großer Förderer der Europäischen Union, auch weil er in ihr eine Friedensmacht und Stütze des Multilateralismus sehe.

Gerade der Papst aus Argentinien zeigt laut Hollerich, wie notwendig ein einiges Europa ist - nicht nur für die Europäer. "Mit einer neuen Sichtweise zeigt er uns, wie wichtig tatsächlich die Union ist", so der COMECE-Vorsitzende. In dem Zusammenhang sei es Aufgabe der Bischöfe, Stimme zu sein für die Armen, Entrechteten und an den Rand Gedrängten.

Die Leitung der COMECE hält sich seit Dienstagabend in Rom zu jährlichen Gesprächen im Vatikan auf. Zur Delegation gehörten neben Hollerich die Vizepräsidenten Jan Vokal aus Hradec Kralove (Tschechien), Franz-Josef Overbeck aus Essen (Deutschland) und Mariano Crociata aus Latina (Italien) sowie die Sekretäre Barrios Prieto und Alessandro Calcagno. Begleitet wurde die Gruppe durch den neu ernannten Päpstlichen Nuntius bei der EU, Aldo Giordano.

Bei ihren Gesprächen an der Kurie sei es unter anderem um eine mögliche Seligsprechung Robert Schumans (1886-1963) gegangen, sagte Hollerich. Er wäre sehr froh, wenn der frühere französische Außenminister als "wichtigste Gründerfigur der europäischen Einigung und Integration" seliggesprochen würde.

Mit Blick etwa auf den Synodalen Weg in Deutschland oder unterschiedliche Ansichten zur seelsorglichen Begleitung homosexueller Personen forderte Hollerich mehr Dialog zwischen Kirchenvertretern in den Ländern des Kontinents. Das helfe auch, Missverständnisse und Grabenkämpfe aufzulösen.

Den vom Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx in dessen Rücktrittsgesuch erwähnten "toten Punkt" der Kirche sieht Bischof Overbeck allenfalls in einigen kirchlichen Strukturen "auch bei uns". Der Glaube aber gehe weiter, "mit den Jungen, mit den Alten auf neue Weise". "In der Hinsicht sind wir an keinem toten Punkt", so der Essener Bischof, "allenfalls an einem Wendepunkt, um neue Wege zu gehen".

Auf die Frage nach einem Europa in zehn Jahren, wenn mehr Muslime als Christen in Europa lebten, antwortete Hollerich, eine solche Aussicht, wenn sie denn einträte, mache ihm keine Angst. Aufgabe der Christen in Europa sei es, eine lebendige Kirche zu sein. In Luxemburg habe man "beste Beziehungen" zum Islam, der zudem europäischer werde.

Bleibende Sorge um Flüchtlinge

Beim Thema Europa und Migration bleiben Papst und Bischöfe bei ihrer Haltung, der christliche Glaube gebiete es, Flüchtlingen und Menschen in Not zu helfen, so Bischof Overbeck. Vordringlichste Aufgabe sei es, mit dafür zu sorgen, dass Menschen ihre Heimat gar nicht erst verlassen müssten. "Aber was wollen sie den Menschen aus Mali oder Libyen sagen?", so Overbeck. Man könne sie ja nicht dem Mittelmeer als Europas größtem Friedhof überlassen.

Die Herausforderung durch die Migrationsbewegungen werde Europa noch über Jahrzehnte beschäftigen. Die Kirche werde ihre Linie nicht ändern, bekräftigte der COMECE-Vize. Schon gar nicht werde der Papst dies tun, "der im Übrigen die Situation sehr gut kennt". Wenn andere ums Überleben kämpfen, könne man als Christ in Europa nicht einfach weiter das Leben genießen wie bisher.
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