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Erzbischof Georg Gänswein wird 65

Erzbischof Georg Gänswein, hier bei der Enthüllung einer Statue von Benedikt XVI. am 1. Oktober 2015 in Stift Heiligenkreuz
© Kathpress / Henning Klingen
Seit der Papst ihn aus der Präfektur des Päpstlichen Hauses verbannte, ist es ruhiger um Georg Gänswein geworden - Er ist weiter Privatsekretär des emeritierten Benedikt XVI. und hofft auf eine Perspektive - Porträt von Roland Juchem
Geburtstag
23.07.2021, 08:30 Uhr Vatikan/Kirche/Leute/Gänswein/65
Vatikanstadt, 23.07.2021 (KAP) Am 30. Juli feiert Georg Gänswein in kleinem Kreis in Rom seinen 65. Geburtstag. Für Bischöfe wie ihn eigentlich kein besonderer Tag; normalerweise gehen sie mit 75 in Ruhestand. Gleichwohl fühlt Gänswein sich ähnlich wie manche Rentner, wenn sie zum 65. in ein Loch fallen. Dabei wünsche man sich als Mittsechziger durchaus noch neue Perspektiven, sagt er im Gespräch.

"Heiliger Vater, geben Sie mir einen Rat: Was soll ich tun?", hatte Gänswein Mitte Januar 2020 den Papst gefragt. Damals gab es weltweite Aufregung um ein Buch von Kardinal Robert Sarah zum Priesteramt, für das Benedikt XVI. einen Beitrag geschrieben hatte. Vielfach rezipiert wurde es aber wie eine Absage des Ex-Papstes an mögliche Überlegungen seines Nachfolgers zu "viri probati". Was vor allem an Aufmachung und Präsentation durch den französischen Verlag lag, aber auch Gänsweins Rolle wurde diskutiert.

Die Antwort des Papstes auf seine Frage, was er tun solle, traf Gänswein wie ein Schlag: Er solle ab sofort zu Hause bleiben, brauche nicht mehr in die Präfektur zurückkommen. "Ich möchte, dass Sie mehr Zeit für Benedikt haben." Trotz mehrfacher Nachfragen blieb Franziskus dabei: Gänswein ist weiter formal Präfekt des Päpstlichen Hauses, soll sich aber ausschließlich um den "Papa emeritus" kümmern.

Ein erneutes Gespräch im Herbst änderte nichts. Gänswein fühlt sich bestraft für etwas, was andere eingebrockt haben. Franziskus verneint eine Strafabsicht; er habe ihn nach all den Wirren von der Front nehmen wollen. "Es waren schwere Monate", bekennt der Deutsche. In dem Punkt "ist und bleibt Franziskus für mich ein Rätsel".

"Die Sache mit dem Sarah-Buch war vielleicht ungeschickt, aber ich habe nichts falsch gemacht", sagt Gänswein rückblickend. War sein Hörsturz im Herbst 2017 wohl durch Überarbeitung und Stress verursacht, so ist ihm die informelle Suspendierung an die Nieren gegangen - im wahrsten Sinne des Wortes. Im vergangenen Herbst musste er ins Krankenhaus.

Inzwischen sind die Nieren wieder okay, ans Hörgerät hat er sich gewöhnt. Sonst macht Georg Gänswein den vitalen Eindruck, den man über Jahrzehnte von "Don Giorgio" gewohnt war, wenngleich er nachdenklicher und verhaltener auftritt: "Ich versuche, nicht mehr mit meiner Situation zu hadern, und tue, was mein Auftrag ist", resümiert er.

Biografische Notizen

26 Jahre lang ist der Badener inzwischen in Rom. Der junge Mann aus dem Schwarzwald, der Priester wurde, um als Pfarrer einer Landgemeinde zu wirken, ist heute Privatsekretär und Bezugsperson für einen emeritierten Papst. Dazwischen liegen Stationen als Diakon in Mosbach am Neckar, zwei Jahre als Kaplan im mittelbadischen Oberkirch sowie sechs Jahre Kirchenrechtsstudium in München.

Nach der Promotion wurde Gänswein 1993 Privatsekretär seines Erzbischofs Oskar Saier. Weil ein Jahr später der Nuntius in Deutschland drängte, das große Erzbistum Freiburg habe noch nie einen Priester an die Römische Kurie geschickt, wurde Gänswein der erste.

Als Mitarbeiter an der Gottesdienstkongregation bearbeitete er 1995 Laisierungsanträge von Priestern, die heiraten wollten, außerdem Akten über nicht vollzogene Ehen, die annulliert werden sollten. Es sei furchtbar gewesen, erinnert er sich: "so viele gescheiterte Lebensläufe". Nach einem guten Jahr holte ihn Kardinal Ratzinger in die Lehrabteilung der Glaubenskongregation. "Da war ich inhaltlich gefordert", sagt Gänswein.

2003 hoffte Ratzinger, Johannes Paul II. werde ihn endlich in Ruhestand gehen lassen. Weil Ratzingers damaliger Privatsekretär Josef Clemens in den Laienrat wechselte, machte der Kardinal Gänswein zu dessen Nachfolger. Es sollte ein "Provisorium" sein, sagte Ratzinger bei einer betriebsinternen Feier. "Aber bekanntlich dauern Provisorien am längsten", kommentiert Gänswein heute schmunzelnd.

Der weitere Verlauf ist bekannt: Mit der Wahl Ratzingers zum Papst im April 2005 wechselte Gänswein in den Apostolischen Palast. Im Dezember 2012, knapp drei Monate vor seinem Rücktritt, ernannte Benedikt XVI. ihn zum Präfekten des Päpstlichen Hauses. Als solcher war Gänswein für die offiziellen Termine des Papstes verantwortlich: Begegnungen mit Staatsmännern, Kardinälen und sonstigen Gästen. Benedikts Rücktritt war für Gänswein ein Schock; er habe ihm damals abraten wollen, gestand er mehrfach.

Der Erzbischof ist ein Mann, der häufig offen ausspricht, was er denkt: So meldet er sich regelmäßig zu kirchenpolitischen Themen und zur Lage der katholischen Kirche, auch in Deutschland, zu Wort. Dabei liegt er mitunter quer zum dortigen kirchlichen Mainstream. Seine Haltung zu Franziskus ist loyal; in kleinem Kreis äußert er in manchem teilweise Kritik, andererseits Anerkennung.

Seitdem der Papst den Präfekten ins vatikanische Kloster "Mater ecclesiae" verbannte, ist es auch in der Öffentlichkeit ruhiger um Gänswein geworden. Sein Tagesablauf orientiert sich weitgehend an dem des 94-jährigen Benedikt. Hin und wieder ist Gänswein unterwegs - zu Vorträgen, Priesterweihen etwa. Im August aber macht er erst einmal Urlaub. Und feiert im heimatlichen Schwarzwald mit Familie und Freunden den 65. Geburtstag nach.
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