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USA: Neue Details zum Rücktritt von Bischofskonferenz-Generalsekretär

Konservativ-katholisches Portal "The Pillar" drohte Publikation sexuellen Fehlverhaltens an und erntete selbst Kritik an der Art der Informationsbeschaffung nach Datenleak zurückgetreten
22.07.2021, 16:02 Uhr USA/Kirche/Homosexualität/Medien/Ethik/Bischofskonferenz
Washington, 22.07.2021 (KAP/KNA) Nach dem Rücktritt des Generalsekretärs der US-Bischofskonferenz, Jeffrey Burrill, am Mittwoch sind nun weitere Details zu den Umständen bekannt geworden. Der Vorsitzende und Erzbischof von Los Angeles, Jose Horacio Gomez Velasco, wandte sich dazu am Dienstag in einem Memorandum an "alle Bischöfe", in dem er auf Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens seitens des konservativ-katholischen Portals "The Pillar" (Der Pfeiler) eingeht und auf dessen Drohung reagierte, Details über homosexuelle Aktivitäten Burrills zu publizieren. "Was wir erfahren haben, beinhaltet keine Vorwürfe wegen Fehlverhaltens gegenüber Minderjährigen", teilte Gomez seinen Amtskollegen mit.

Der Schritt des Kurzzeit-Generalsekretärs sei "auf eigenen Wunsch" erfolgt, bestätigte Konferenzsprecherin Chieko Noguchi der "Washington Post". Wie es zu den Beschuldigungen kam, ist ein Fall für Medienethiker: Denn die Recherche von "The Pillar" basiert auf der Auswertung von Daten einer Dating-App für Homosexuelle sowie von Mobilfunkdaten. Ohne Beweise vorzulegen, suggeriert das Portal in der nach dem Rücktritt veröffentlichten Recherche einen Zusammenhang zwischen der Nutzung der "Grindr"-App und sexuellem Missbrauch von Minderjährigen.

Dies und die Art der Informationsbeschaffung stieß auf Kritik kirchlicher Repräsentanten wie etwa des Chefredakteurs des Jesuiten-Magazins "America", James Martin, der betonte: "Katholische Journalisten dürfen keine unmoralischen Mittel einsetzen, um Priester auszuspionieren."

Unklar blieb, wie "The Pillar" an die Nutzerdaten gelangte. Es gibt in den USA einen Markt, auf dem solche Daten legal gegen Bezahlung erworben werden können. Personen mit der notwendigen Expertise können diese auswerten, den Nutzer identifizieren und ein Profil mit Aufenthaltsorten und Zeitangaben erstellen. Für Jeffrey Burrill erlaubten die Daten den Rückschluss, so "The Pillar", dass der Priester Schwulen-Bars frequentiert habe.

Ultimatum an die Bischofskonferenz

Das Online-Portal bot der Bischofskonferenz an, die Vorwürfe bei einem Treffen zu erläutern. Nachdem diese darauf nicht eingegangen war, übermittelte "The Pillar" einen Fragenkatalog mit einer Frist zur Beantwortung bis Montagabend. Noch vor Ablauf des Ultimatums erfolgte der Rücktritt mit sofortiger Wirkung. Die Bischofskonferenz äußerte sich auf Anfragen von Reportern nicht dazu, was sie über die Informationssammlung wusste und wie die Führung darüber denkt. Sie betonte allerdings, sie habe mit der konkreten Angelegenheit "nichts zu tun".

Als Interims-Generalsekretär übernimmt ab sofort der Priester Michael Fuller die Aufgaben Burrills, dem er in der Abstimmung bei der Herbstversammlung im November unterlegen war.
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