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Wiener Pfarrer in Budapest: Weltkongress macht Kirche präsent

Bernhard Kollmann leitet seit 2017 die deutschsprachige katholische St.-Elisabeth-Gemeinde in der ungarischen Hauptstadt - Gottesdienstbesuch wie vor der Pandemie
25.08.2021, 11:01 Uhr Ungarn/Österreich/Kirche/Papst/Religion
Budapest, 25.08.2021 (KAP) Der ab 5. September bevorstehende Eucharistische Weltkongress (IEC/NEK) in Budapest sorgt dafür, dass Kirche und Religion in der ungarischen Gesellschaft stärker als sonst präsent sind. Darauf hat der Pfarrer der deutschsprachigen katholischen St.-Elisabeth-Gemeinde in Budapest, der österreichische Priester Bernhard Kollmann, hingewiesen. In Ungarn machten nicht Katholiken, sondern Menschen, die sich bei Volkszählungen zu keiner Religion bekennen, den größten Anteil an der Bevölkerung aus, sagte Kollmann im Interview der Nachrichtenagentur Kathpress. Diesbezüglich sei die Gesellschaft also ähnlich wie in anderen Ländern Europas.

Durch die Verschiebung wegen der Corona-Pandemie war die Vorbereitungszeit auf das kirchliche Ereignis ein Jahr länger als ursprünglich geplant, erinnerte Kollmann. Die Veranstalter hätten versucht, das Thema durch verschiedene geistliche und kulturelle Veranstaltungen immer wieder präsent zu halten. In den Pfarren sei ein Missionskreuz durch die verschiedenen Gemeinden Ungarns gewandert. Ein wichtiger Impuls war auch das gemeinsame IEC-Vorbereitungsgebet, das in den meisten Pfarren am Ende jeder Messe gebetet wird.

Mit vielen Pilgerguppen aus Österreich und auch einer großen Zahl an Teilnehmern aus anderen Staaten rechnet Kollmann beim Weltkongress freilich nicht. Infolge der Pandemie und der Reisebeschränkungen würden wohl deutlich weniger Gäste aus dem Ausland nach Budapest kommen. "Das erfüllt, glaube ich, die Veranstalter auch mit einer gewissen Wehmut", sagte Kollmann. Auch die St.-Elisabeth-Gemeinde stehe Kongresspilgern aber offen.

Als offizieller Delegierter der Österreichischen Bischofskonferenz kommt der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics nach Budapest. Er feiert am 8. September eine Messe in deutscher und lateinischer Sprache in der Pfarrkirche Szent Imre (Villanyi ut 25) und ist auch bei der abschließenden Messe mit Papst Franziskus am 12. September dabei. Für die beiden Schlusstage reisen zudem die Weihbischöfe Hansjörg Hofer (Salzburg) und Anton Leichtfried (St. Pölten) in die ungarische Hauptstadt.

Gottesdienstbesuch wie vor der Pandemie

Pfarrer Kollmann ist seit 2017 als Auslandsseelsorger der deutschsprachigen St.-Elisabeth-Gemeinde tätig. Das Verhältnis der katholischen Kirche im Land zur Regierung hält er für "normal". Wie in Österreich wertschätze auch die ungarische Regierung die kulturellen und sonstigen gesellschaftlichen Dienstleistungen der Kirche und drücke dies etwa auch durch eine entsprechende Steuergesetzgebung aus.

Die vergangenen Pandemie-Monate stellten auch die Kirche in Ungarn vor viele Herausforderungen. Von der Zahl der Gottesdienstbesucher her, sei die Situation jetzt wieder fast wie vor Beginn der Coronazeit, berichtete Kollmann im Gespräch mit Kathpress. Auch in seiner Auslandsgemeinde seien manche Leute weggeblieben, ältere Menschen auch aus Vorsicht. "Es sind aber nach dem Lockdowns auch immer wieder neue Gläubige dazugekommen", so der Priester, der vor seiner Zeit in Budapest Pfarrer in Wien-Neuottakring war.

Bunte Auslandsgemeinde

Die katholische St.-Elisabeth-Gemeinde entstand in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, als der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung Budapests beträchtlich war. "Das war im 19. Jahrhundert eine zweisprachige Stadt. Da wurde Deutsch und Ungarisch parallel gesprochen", erinnert Kollmann. Mit der späteren politischen Entwicklung und der Magyarisierung sei das Deutsche immer weiter zurückgedrängt worden. Auf die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg folgte auch in der Elisabeth-Gemeinde eine jahrzehntelange Pause, denn zur Zeit des Kommunismus war die Tätigkeit der Gemeinde verboten. Erst ab dem Ende der 1980er Jahre erfolgte unter dem ungarndeutschen Prälaten Franz Walper die Neubelebung.

Zur Sonntagsmesse in der Kirche Szt. Ferenc Sebei ("Zu den Wundmalen des hl. Franziskus"), die ziemlich genau gegenüber des weltbekannten Budapester Parlamebntsgebäudes am anderen Donauufer in Buda liegt, versammelt sich heute eine bunte Gemeinde. Unter den Gläubigen der Auslandsgemeinde sind etwa Familien mit Kindern, in denen ein Partner aus Österreich oder Deutschland stammt, Ungarndeutsche oder Studenten, die in Budapest an der deutschsprachigen Andrassy-Universität studieren. Manche Gemeindemitglieder sind zur Sonntagsmesse auch wöchentlich eine Stunde mit dem Auto von Györ oder Kecskemet aus unterwegs. Vereinzelt kämen etwa auch Spanier, die bei deutschen Firmen in Budapest arbeiten, oder auch Afrikaner, die Deutsch praktizieren wollen und deshalb in die Messe kommen, schildert Kollmann. Klassischerweise sind oft auch Städtetouristen unter den Messfeierenden. "Aber das fällt wegen der Pandemie seit eineinhalb Jahren weg, die sind nicht da", so der Pfarrer. (Info/Website der Auslandsgemeinde: www.elisabeth.hu; Website des Eucharistischen Weltkongresses: https://www.iec2020.hu/de)
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