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Lackner: Gläubige sollen sich an Synoden-Prozess beteiligen

Pressekonferenz zum Ende der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz am 13. November 2020 in Wien mit Erzbischof Franz Lackner
© Kathpress / Henning Klingen
Vorsitzender der Bischofskonferenz: "Es geht dem Papst nicht um das Produzieren von Papier, sondern darum, das Bewusstsein zu stärken, dass alle Getauften in der Kirche einen gemeinsamen Weg miteinander gehen" - Grazer Bischof Krautwaschl hofft auf breite Beteiligung
Kirche
07.09.2021, 14:00 Uhr Österreich/Vatikan/Kirche/Papst/Lackner/Weltsynode
Salzburg/Wien/Graz/Bonn, 07.09.2021 (KAP) Unterstützung und Motivation für den im Oktober startenden weltweiten Konsultationsprozess der Katholischen Kirche kommt vom Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz: "Ich darf mich der Einladung des Papstes anschließen und alle Gläubigen in Österreich ermutigen, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Jede und jeder ist wichtig und soll mit seinen Erfahrungen gehört werden." Das erklärte der Salzburger Erzbischof am Dienstag gegenüber Kathpress, kurz nachdem das Vorbereitungsdokument für die kommende Weltbischofssynode im Vatikan präsentiert worden war. Lackner ist innerhalb der Bischofskonferenz für den synodalen Prozess in Österreich verantwortlich und wird auch an der abschließenden Welt-Bischofssynode im Oktober 2023 im Vatikan teilnehmen.

Ausdrücklich werde im jetzt vorliegenden Vorbereitungsdokument darum gebeten, möglichst viele Menschen zu befragen und dabei gerade auch jene besonders in den Blick zu nehmen, die oft vergessen werden oder am Rand stehen, führte der Episkopats-Vorsitzende aus und hielt fest: "Die Dokumente lassen keinen Zweifel daran: Es geht dem Papst nicht um das Produzieren von Papier, sondern darum, das Bewusstsein zu stärken, dass alle Getauften in der Kirche einen gemeinsamen Weg miteinander gehen. Dies erlebbar zu machen und das synodale Prinzip in der Kirche langfristig zu stärken, ist das Ziel dieses Prozesses."

"Redet offen, hört in Demut zu!": Dieses Wort des Papstes soll laut Lackner maßgeblich für den nun anstehenden Prozess sein. Im Letzten gehe es bei dem synodalen Prozess um ein Frei-Werden für das Eigentliche, ein Sich-führen-Lassen durch die Stimme des Heiligen Geistes und um die Bereitschaft, selbstkritisch den Willen Gottes zu erkennen. "Worauf es ankommt, ist einen Weg der Unterscheidung zu gehen; angetrieben vom Heiligen Geist. Alle Ebenen kirchlichen Lebens, jede und jeder sind aufgerufen, sich aufrichtig und ehrlich dieser Aufgabe stellen", erklärte der Erzbischof. "So kann etwas entstehen, was über den formalen Abschluss der Synode im Jahr 2023 hinausreicht: die Kultur einer synodalen Kirche, die im gemeinsamen Vorangehen im Glauben die Fußspur Jesu erkennen lässt, den Acker des Glaubens so bestellt, dass die kommenden Generationen etwas ernten können."

Mit Blick auf Start des weltweiten Konsultationsprozesses ab 17. Oktober auf diözesaner Ebene betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz: "Synodalität beginnt auf der Ebene der Diözesen, der Teilkirche, aber sie endet nicht an ihren Grenzen. Wir allein genügen nicht." Deshalb brauche es immer wieder und zuerst auch das Hören auf die Anderen: auf die Teilkirchen in anderen kulturellen Kontexten, die römischen Stellen und auf den Papst. "Sich auf diesen gemeinsamen Weg zu machen, schließt die Bereitschaft ein, das eigene Erkannte nicht sogleich absolut setzen zu wollen, sondern demütig über die eigenen Grenzen hinaus zu teilen", gab Lackner zu bedenken.

Krautwaschl hofft auf breite Beteiligung

Eine möglichst breite Beteiligung an der zweijährigen Weltsynode der Katholischen Kirche wünscht sich auch der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl. "Im Sinne von Papst Franziskus hoffe ich, dass möglichst viele Menschen sich dem Weg anschließen, den wir zusammen gehen wollen: Auf Gott und Sein Wort hören, sich beteiligen um zu unterscheiden und dadurch den Weg der Kirche in unserer Welt mitgestalten", erklärte Krautwaschl, der auch zuständiger Referatsbischof der Bischofskonferenz für das Laienapostolat ist, am Dienstag.

Eine "wahrlich synodale Kirche" stärke die Gemeinschaft und sei "ein wichtiger Beitrag für die gemeinsame Entwicklung einer besseren, gerechteren Welt", betonte der Bischof. Mit der Veröffentlichung des Vorbereitungsdokumentes zur synodalen Kirche werde deutlich, dass alle an diesem Prozess teilnehmen sollen, so Krautwaschl: "Niemand ist ausgeschlossen."

Deutscher Bischof Bätzing: "Meilenstein"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, bezeichnete das Vorbereitungsdokument zur Weltbischofssynode am Dienstag als "Meilenstein auf dem Synodalen Weg, weltweit und für die Kirche in Deutschland". Papst Franziskus setze damit weiter "konsequent um, was er unter Synodalität versteht", erklärte er in Bonn. Er sei dankbar, dass das Dokument "nun auch offiziell im Blick auf den weltweiten kirchlichen Prozess ausdrücklich vom 'Synodalen Weg' spricht" und die bereits begonnenen Prozesse in mehreren Ländern wertschätze.

Bätzing nannte es "bemerkenswert, im Text Selbstkritisches im Blick auf Veränderungen und hierarchisch motivierte Verdrängungen der Synodalität innerhalb der Kirchengeschichte zu finden". Ausdrücklich werde darin für einen "Neustart" aus den Impulsen der Kirchenerfahrung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) als "pilgerndes Gottesvolk" plädiert. Das Dokument lege überzeugend dar, dass Stil, Formen und Strukturen von "Synodalität" sowohl der Bibel als auch "kirchlich geübter Tradition" entsprächen.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende verwies auch auf das Ende des Textes, worin es heißt, dass es in der Konsultationsphase nicht darum gehe, Dokumente zu produzieren, sondern Träume aufkeimen zu lassen. Ähnliches habe ihm Papst Franziskus 2020 auch im Gespräch über den Synodalen Weg in Deutschland gesagt. Ihn selbst, so Bätzing, ermutige das Dokument, "diesen Weg mitzugehen und gleichzeitig die Erfahrungen des Synodalen Weges bei uns in die weltkirchlichen Beratungen einzubringen". Beide Wege, der weltkirchliche wie der in Deutschland, ergänzten einander.

Weitere Meldungen zum Thema Synodalität und zur Bischofssynode im Kathpress-Themenschwerpunkt unter: www.kathpress.at/synodalitaet
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