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Slowakische Pressestimmen zum zweiten Tag des Papstbesuchs

Früherer Dissident und Ex-Parlamentspräsident Miklosko: Papst zeigt, "wie man Tradition begreift und sich gleichzeitig öffnet" - Auch Eltern von ermordetem Enthüllungsjournalisten Kuciak bei Papst-Treffen
14.09.2021, 11:51 Uhr Slowakei/Papst/Kirche/Medien
Bratislava, 14.09.2021 (KAP/KNA) Die Rede des Papstes vor Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Religion in der Slowakei nimmt am Dienstag in den Zeitungen des Landes sehr breiten Raum ein. Allerdings gibt es bislang kaum prominente Kommentare zu den Aussagen von Franziskus. Zu den wenigen gehört Frantisek Miklosko, zu kommunistischen Zeiten einer der wichtigsten kirchlichen Dissidenten des Landes und später Parlamentspräsident in Bratislava. Sein Wort hat noch immer Gewicht.

Miklosko schreibt lobend in der konservativen Zeitung "Postoj" (Onlineausgabe): "Ich wage zu behaupten, dass wir Slowaken noch nie eine Rede gehört haben, die jener des Heiligen Vaters im Präsidentengarten ähnelte." Der Papst habe "uns gezeigt, wie man Tradition begreift und sich gleichzeitig öffnet". Miklosko zitierte Franziskus mit den Worten: "Sie haben die Verfolgung überlebt, Sie haben die Prüfung bestanden. Jetzt wartet die Prüfung der Freiheit."

Zu den Zeitungen, die die Rede in den gesellschaftlichen Kontext der heutigen Slowakei stellen, gehört die liberale "Sme". Dort heißt es: "In einer Zeit zunehmender Polarisierung der Gesellschaft gibt es nicht wenige, die dem Ruf von Franziskus nach Humanismus und Toleranz lieber die Ohren verschließen." Der Hinweis des Papstes auf Demut, die in der heutigen Gesellschaft weitgehend fehle, könnte dennoch "zumindest bei einem Teil der Bevölkerung auf Resonanz stoßen".

Die Zeitungen registrieren zudem, dass sich der Papst am Montag auch Zeit für ein kurzes Treffen mit den Hinterbliebenen des ermordeten jungen Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und dessen Verlobter Martina Kusnirova nahm. Die juristische Aufarbeitung des Falls ist noch immer nicht rechtskräftig beendet. Der Chefredakteur der Zeitung "Dennik N", Matus Kostolny, erinnert in diesem Zusammenhang an die Worte des Papstes, die Gesetze müssten auf alle gleichermaßen angewandt werden; Gerechtigkeit dürfe "niemals käuflich sein".

Die Eltern von Jan Kuciak und die Mutter von Martina Kusnirova hätten im Präsidentengarten hinter ihm gesessen, so Kostolny, der fragt: "Wie erleben sie ein Treffen mit dem Papst? Wie fühlen sie sich, wenn die Polizei die Verbrechen, über die auch Jan Kuciak schrieb, nicht endgültig aufklärt und sich stattdessen gegenseitig bekämpft? Wie nehmen sie es wahr, dass Gerechtigkeit bei uns noch käuflich ist?"
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