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Striet: "Ohne Philosophie verkommt Theologie zu einer Sonderwelt"

Freiburger Theologe referierte bei hochrangiger Habermas-Tagung in Wien - Habermas lohnend für die Theologie, weil er eine Form von Freiheit verteidigt, "die heute im kirchlichen Kontext ja teils umstritten ist"
Wissenschaft
24.09.2021, 12:07 Uhr Österreich/Philosophie/Religion/Habermas/Tagung
Wien, 24.09.2021 (KAP) Den hohen Stellenwert der Philosophie für die katholische Theologie hat der Freiburger Theologe Prof. Magnus Striet unterstrichen: "Wenn die Theologie ihren Gegenstand nach außen vertreten und argumentieren will, so muss sie sich intensiver auf das Geschäft der Philosophie einlassen. Ansonsten droht die Theologie zu einer Sonderwelt zu verkommen", sagte Striet am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress.

Striet äußerte sich am Rand einer am Freitag in Wien zu Ende gehenden internationalen Habermas-Tagung, die sich mit dem letzten Werk von Jürgen Habermas, "Auch eine Geschichte der Philosophie", befasst. An Habermas könne die Theologie nicht nur "sprachliche und denkerische Präzision" lernen, sondern sie finde in ihm auch einen Verbündeten im Blick auf drängende Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Als Denker der Moderne und der Aufklärung habe Habermas stets den Gedanken der Freiheit hochgehalten, ohne dabei gesellschaftliche Fragen wie jene des Zusammenhalts oder moralische Fragen auszusparen. Beides müsse auch in der Theologie auf offene Ohren stoßen, "allein schon deshalb, weil Autonomie bis heute immer wieder umstritten ist im kirchlichen Kontext", so Striet. "Und an dieser Stelle über das Zusammenspiel von einer säkularen Vernunft und einer Vernunft, die sich aus religiösen Überlieferungen speist, nachzudenken, ist absolut lohnend."

Die Wiener Tagung, die am 22. September begonnen hat, versammelte Expertinnen und Experten aus Theologie und Philosophie, um über Detailfragen des Habermaschen Großwerkes zu diskutieren. Den Auftakt der Tagung, die gemeinsam vom Institut für Interkulturelle Religionsphilosophie und dem Forschungszentrum "Religion and Transformation in Contemporary Society" (RaT) an der Universität Wien veranstaltet wird, machte ein Vortrag des evangelischen Münchner Theologen em.Prof. Friedrich Wilhelm Graf.

Am Freitag eröffnete ein Beitrag des evangelischen Theologen Prof. Christoph Markschies über das antike Christentum im Werk Habermas' den Tag. Es folgen Betrachtungen des Berliner evangelischen Theologen Prof. Notger Slenczka, des evangelischen Theologen und Ordensmanns em.Prof. Joachim Ringleben, der irischen Philosophin Prof. Maureen Junker-Kenny und des Frankfurter Religionsphilosophen und Habermas-Experten Prof. Thomas Schmidt. Den Abschluss bilden jeweils Vorträge des Wiener Philosophen em.Prof. Ludwig Nagl und der spanischen Philosophin Prof. Adela Cortina.

(Jürgen Habermas: "Auch eine Geschichte der Philosophie. Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen; Band 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen", Suhrkamp Verlag, 1.752 Seiten)

(Infos: https://habermas.univie.ac.at)
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