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Vatikanexperte zu Kirchenreform: Mehrheit der Bischöfe hat Angst

Marco Politi
© Kathpress / Gutenbrunner
Italienischer Journalist und Autor Politi: "Es ist nicht wahr, dass der Papst Alleinherrscher ist und alles entscheiden kann, so wie er will"
30.09.2021, 09:54 Uhr Vatikan/Papst/Kirche/Reformen
Linz/Rom, 30.09.2021 (KAP) Für die von Papst Franziskus angestoßenen Reformen wird die Katholische Kirche auch über das aktuelle Pontifikat hinaus Zeit brauchen. Davon ist der italienische Journalist und Autor Marco Politi überzeugt. Die Mehrheit der Bischöfe habe Angst oder wolle nichts an der Lehre ändern, sagte der Vatikankenner im Interview der Linzer "KirchenZeitung" (Donnerstag). Franziskus habe in der Kirche Baustellen geöffnet, müsse aber auch das aktuelle Kräfteverhältnis innerhalb der Kirche zur Kenntnis und in Kauf nehmen, analysierte Politi: "Es ist nicht wahr, dass der Papst Alleinherrscher ist und alles entscheiden kann, so wie er will."

In der Weltkirche bestehe nach wie vor eine "sehr starke konservative Strömung". Franziskus aber habe in seinen bisherigen Amtsjahren u.a. die "Dämonisierung der Homosexualität" aus früheren Pontifikaten "vom Tisch gewischt" und in der Amazonien-Synode eine freie Debatte der Bischöfe über verheiratete Priester möglich gemacht. "Das ist ein großer Sprung nach vorne, wenn man an die Vergangenheit denkt", so der Vatikanbeobachter.

In der Kirche tobt nach Ansicht Politis seit Jahren ein "Bürgerkrieg". "Angefangen hat er bei der Familiensynode 2015, wo die traditionalistischen und konservativen Kräfte stark gegen den Papst mobilisiert haben. Es gibt Hass in der Kirche. Die Aggressivität wird jedes Jahr schlimmer", sagte der Journalist und Autor, der zuletzt im Herder-Verlag ein neues Buch unter dem Titel "Im Auge des Sturms - Franziskus, die Pest und die Heilung der Welt" veröffentlicht hat.

Deutliche Fortschritte sieht Politi derweil sowohl beim vom Papst vorangetriebenen Bemühen um mehr Transparenz in den Vatikanfinanzen als auch beim Kampf gegen Missbrauch in der Kirche. "Manchmal habe ich den Eindruck, dass man im deutschsprachigen Raum vergisst, wie viel gerade schon in den deutschsprachigen Ländern getan worden ist", so der Vatikanexperte. Auch in Nordeuropa habe sich eine gute Struktur gebildet, um Missbrauchsfälle aufzuarbeiten. "Das gelingt - sagen wir - zu 80 Prozent gut und zu 20 Prozent weniger. Aber die Struktur ist da. (...) Denken Sie daran, wie viele Bischöfe von ihrem Amt enthoben wurden. Das sind nicht Worte, das sind Taten", betonte Politi.
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