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Theologen: Unterschiedliche Praxis kein Grund für Kirchentrennung

Abschlusskommunique der Jahrestagung des katholisch-orthodoxen St. Irenäus-Arbeitskreises ermutigt zu weiteren vertrauensbildenden ökumenischen Initiativen auf allen Ebenen
14.10.2021, 13:23 Uhr Österreich/Kirche/Ökumene/Theologie
Wien/Rom, 14.10.2021 (KAP) Versöhnung und Vertrauen zwischen den Kirchen erfordert die Zusammenarbeit aller Gläubigen, der Kirchenleiter und der Theologen. Das betonen die Teilnehmer der jüngsten Jahrestagung des St. Irenäus-Arbeitskreises im abschließenden Kommunique, das dieser Tage veröffentlicht wurde und aus dem der Pro Oriente-Informationsdienst zitierte. Die katholischen und orthodoxen Theologen halten darin u.a. fest: "Verschiedenheit in der Praxis impliziert nicht Uneinigkeit im Glauben." Die Theologen berieten vergangenen Woche in Rom über kirchliche Schismen in Vergangenheit und Gegenwart und wie diese überwunden werden können. Höhepunkt der Tagung war eine Begegnung mit Papst Franziskus.

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts habe es im Dialog zwischen den chalcedonischen Kirchen (katholisch und orthodox), den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen und der Assyrischen Kirche des Ostens einige ermutigende Entwicklungen gegeben, heißt es im Kommunique. Zu den bemerkenswerten Errungenschaften gehörten die zwischen der Orthodoxen Kirche und den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen vereinbarten Erklärungen, "obwohl sie in einigen orthodoxen Kontexten auf heftigen Widerstand gestoßen sind".

Der Dialog der Katholischen Kirche mit den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen und der Assyrischen Kirche des Ostens sei unter diesem Gesichtspunkt vielleicht sogar aber noch erfolgreicher gewesen: "Diese Kirchen sind zu der Überzeugung gelangt, dass sie heute durch Schismen und nicht durch Häresien getrennt sind." Es bleibe freilich die Frage, "wie diese noch getrennten Kirchen dahin gelangen können, sich gegenseitig als wahre Kirchen anzuerkennen". Zugleich halten die Theologen einschränkend fest: "Es muss jedoch festgestellt werden, dass einige dieser Entwicklungen in der Orthodoxen Kirche wahrscheinlich keine Akzeptanz finden werden."

Der Wandel in den Beziehungen zwischen der Katholischen Kirche, den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen und der Assyrischen Kirche des Ostens sei durch die Wiederherstellung der Kommunikation zwischen Gläubigen und Verantwortlichen aller Partnerkirchen sowie durch die theologische Arbeit, die diese Dynamik begleitet hat, möglich geworden, heißt es im Kommunique weiter.

Die Wiederaufnahme der Kommunikation habe neue Kontakte ermöglicht, darunter die Einladung von Beobachtern zum Zweiten Vatikanischen Konzil, zahlreiche Besuche von Kirchenoberhäuptern und Mönchen, den Austausch von Theologiestudenten, eine neue Haltung gegenüber zwischenkirchlichen Ehen an einigen Orten und vor allem die Abkehr von als feindlich empfundenen Haltungen wie Proselytismus und Uniatismus.

Eingehende theologische und historische Studien hätten diese Annäherung begleitet und die Unterschiedlichkeit der sprachlichen, kulturellen und politischen Faktoren aufgezeigt, die das gegenseitige Verständnis in der Vergangenheit beeinträchtigt haben. Das habe das Erlernen der Sprache des anderen ermöglicht "und Solidarität, gegenseitiges Vertrauen und Freundschaft entstehen lassen".

Osterfeststreit nicht kirchentrennend

Zum Thema "Einheit und Schisma" beschäftigten sich die Theologen auf ihrer Tagung unter anderem mit dem Osterfeststreit im frühen Christentum. Dieser sei ein Beispiel dafür, "wie Einheit in den Spannungen liturgischer Verschiedenheit (gerade noch) gewahrt wurde", wie es im Kommunique heißt. In der frühen Kirche gab es zwei Haupttraditionen: Ostern wurde entweder am 14. Nisan (dem jüdischen Passahfest) gefeiert, wie in weiten Teilen Kleinasiens, oder an einem bestimmten Sonntag, wie in Rom und weiten Teilen des Ostens.

Trotz anhaltender Spannungen in dieser Frage, die in der Exkommunikation der in Rom ansässigen kleinasiatischen Christen durch Papst Viktor gipfelten, sei die eucharistische Gemeinschaft letzten Endes beibehalten worden. Eine besonders wichtige Rolle habe dabei der hl. Irenäus von Lyon gespielt, der erfolgreich bei Papst Viktor intervenierte, um die Exkommunikation aufzuheben und so ein Schisma abzuwenden. "Verschiedenheit in der Praxis impliziert nicht Uneinigkeit im Glauben", halten dazu die Theologen fest.

Heilung des "russischen" Schismas

Ein gutes Beispiel für einen Wiedervereinigungsprozess zwischen zwei Kirchen, die sich hauptsächlich aus politischen Gründen voneinander getrennt hatten, sei die Heilung des Schismas zwischen dem Moskauer Patriarchat und der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, das achtzig Jahre lang (1927-2007) andauerte. Dieser Prozess beinhaltete die Heilung der Erinnerungen durch eine gemeinsame Lektüre der Geschichte und eine beiderseitige Ablehnung jener Urteile und Handlungen der Vergangenheit, die zur Spaltung geführt hatten; weiters die Anerkennung eines gewissen Maßes an Autonomie im Rahmen der kanonischen Gemeinschaft sowie die Schaffung eines kirchlichen Rahmens und einer gemeinsamen Methode des Dialogs, um alle noch offenen Fragen auf geschwisterliche Weise zu lösen.

Dem Irenäus-Arbeitskreis gehören 13 orthodoxe und 13 katholische Theologen an. Dazu kommen bei den Tagungen auch einige Beobachter bzw. Gäste. Den Vorsitz des Arbeitskreises haben gemeinsam der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, und der rumänisch-orthodoxe Erzbischof und Metropolit für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa, Serafim (Joanta), inne. Als Co-Sekretäre fungieren Johannes Oeldemann, Direktor im Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn, und der orthodoxe libanesisch-deutsche Theologe Prof. Assaad Elias Kattan.

Aus Österreich gehören dem Arbeitskreis der Wiener Ostkirchenexperte Prof. Rudolf Prokschi, der Grazer Ökumene-Experte Prof. Basilius Jacobus Bert Groen und der Dekan der Grazer Theologischen Fakultät, Prof. Pablo Argarate, an.
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