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Aufgenommen in der Wiener Franziskanerkirche am 24. Februar 2023 beim Friedensgebet (ein Jahr Ukraine-Krieg)
Glaube
Bild Copyright: © Kathpress / Henning Klingen

Theologen: Religiosität ohne kirchliche Anbindung "versickert"

15.01.2024 13:33
Österreich/Kirche/Universität/Bildung/Religion/Theologie/Tück/Körtner
Wiener Theologen Tück und Körtner schalten sich erneut in Debatte um Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung ein und plädieren "für eine theologischere Theologie"
Wien/Freiburg, 15.01.2024 (KAP) In der Debatte um die Interpretation der letzten deutschen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU 6) haben sich nun erneut die beiden Wiener Theologen Jan-Heiner Tück (kath.) und Ulrich Körtner (evang.) zu Wort gemeldet. In einem Essay auf communio.de bekräftigten die Theologen ihre bereits im November geäußerte These, dass es angesichts der anhaltenden Säkularisierung eine "theologischere Theologie" brauche, die "von Kirche her auf Kirche hin" denkt. Die KMU habe deutlich gezeigt, dass Religiosität nicht, wie vielfach angenommen, einfach außerhalb der Kirchen weiter existiere, sondern dass sie letztlich ohne kirchliche Anbindung im Zeitraum von zwei bis drei Generationen "versickert".

Die Forderung nach einer Theologie, die auf Kirche hin denke, sei dabei keineswegs als ein "Rückzug ins Ghetto" zu verstehen, da mit Kirche keine konfessionelle Engführung auf eine "der" Kirchen gemeint sei; auch bleibe der Anspruch des wissenschaftlichen Austauschs mit anderen universitären Disziplinen und die Fähigkeit zu zeitdiagnostischen Analysen und gesellschaftlichen Einsprüchen davon unberührt, so Tück und Körtner: "Eine Theologie, die von Kirche her auf Kirche hin denkt, um unsere Formel noch einmal aufzunehmen, ist nicht zu verwechseln mit einem ekklesiozentrischen Narzissmus, der Gottesfrage, Christologie und Anthropologie abblendet. Im Gegenteil: mit der Kirche bezieht sich eine solche Theologie auf die Institution, die das Gottesgedächtnis wachhält, die an die rettende und versöhnende Kraft des Todes und der Auferstehung Christi erinnert und das Wirken des Geistes in der Geschichte bezeugt."

Ohne eine solche Orientierung drohe sich "der Gottesgedanke ins Nebulöse zu verflüchtigen". Man könne auch sagen: "Es besteht die Gefahr, dass Gott in einem Verständnis innerweltlicher Transzendenz aufgeht, das Gott nur noch im Anderen, im Mitmenschen zu finden meint", so die Theologen, die damit ihren ersten gemeinsamen Text aus dem vergangenen November verteidigten, in dem sie die KMU zum Anlass für ein Plädoyer für eine "theologischere Theologie" nahmen. Auf "feinschwarz.net" hatten daraufhin die beiden deutschen Pastoraltheologen Rainer Bucher und Michael Schüßler eine scharfe Kritik an Körtner und Tück formuliert und ihnen einen "klassischen katholischen Reflex" und einen Einzug ins konfessionelle Ghetto vorgeworfen.
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