Ungarischer Erzbischof warnt vor "trügerischer Logik des Krieges"
07.01.202613:21
Ungarn/Kirche/Glaube/Gesellschaft/Frieden
Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in Ungarn, Erzbischof Kocsis, forderte Gläubige bei traditioneller Donau-Wasserweihe in Budapest zum entschlossenen Festhalten an Gott und dem Gebet für den Frieden auf
Budapest, 07.01.2026 (KAP) Christen sollen in den Bedrohungen der Gegenwart nicht zur Förderung der "trügerischen Logik des Krieges" beitragen, sondern für Frieden beten. Dazu hat das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in Ungarn, Erzbischof Fülöp Kocsis, aufgerufen. Zwar müsse man sich der Realität eines möglichen Krieges stellen und sich darauf vorbereiten. Die Antwort seien aber nicht Waffen, sondern Gottesfurcht und das entschlossene Festhalten am Gebet. Nur so könne der Mensch auch in den unmöglichsten Situationen Mensch bleiben und als Christ handeln und denken, so Kocsis. Die Vorstellung, man müsse sich bewaffnen, um Frieden zu sichern, oder von Verteidigung sprechen, um Aufrüstung zu legitimieren, gehöre zur trügerischen Logik und Psychologie des Krieges.
Kocsis äußerte sich im Rahmen der traditionellen Wasserweihe der Donau in Budapest am 6. Jänner. An der Segnung am Donauufer gegenüber dem ungarischen Parlament nahmen zahlreiche Pilgerinnen und Pilger teil. Der Brauch der Fluss- und Wasserweihe am Fest der Erscheinung des Herrn geht auf die byzantinisch-östliche Christenheit zurück und wird bis heute in katholischen Ostkirchen und orthodoxen Kirchen praktiziert.
Während der sozialistischen Zeit in Ungarn (1948-1989) waren öffentliche religiöse Feiern verboten, weshalb die Wasserweihe meist auf den Kirchenraum beschränkt war. Nach der Wende begannen die griechisch-katholischen Pfarrgemeinden bewusst die vollständige byzantinische Feier wiederzubeleben; seit den 2000er Jahren haben öffentliche Segnungen von Flüssen und Bächen zunehmend wieder festen Platz im kirchlichen Leben.