Priester: Grönländer wollen über Zukunft selbst entscheiden
08.01.202610:36
Grönland/Kirche/Diplomatie/Krise/Bevölkerung
Angespannte Stimmung und Unsicherheit durch starken Druck der USA selbst in kirchlichen Gemeinden - Ordensmann weist auf Menschenwürde, Rechte der Inuit und Dialog
Nuuk, 08.01.2026 (KAP) Mit Sorge beobachten viele Grönländer die Pläne der US-Regierung, die strategisch wichtige Arktisinsel unter amerikanische Kontrolle zu bringen. US-Präsident Donald Trump hatte das Vorhaben zuletzt ausdrücklich als sicherheitspolitische Priorität bezeichnet und dabei auch militärische Optionen nicht ausgeschlossen. Der Priester Tomaz Majcen, der einzige katholische Pfarrer der Insel, berichtet gegenüber OSV News (Mittwoch Ortszeit) von einer angespannten Stimmung im Alltag. "Die Menschen sprechen darüber in den Geschäften, am Arbeitsplatz und sogar nach der Messe", sagte Majcen.
Der aus Slowenien stammende Franziskaner betreut seit 2023 gemeinsam mit zwei Mitbrüdern die rund 500 Katholiken Grönlands. Für die Bevölkerung gehe es dabei weniger um Geopolitik als um Identität und Selbstbestimmung, betonte er. "Die meisten Grönländer haben ein starkes Bewusstsein dafür, wer sie sind, und bestehen auf ihrem Recht, selbst über ihre Zukunft zu entscheiden", erklärte Majcen. Dass eine große Mehrheit kein Teil der Vereinigten Staaten werden wolle, "spricht für sich". Viele Menschen seien besorgt, zugleich aber in ihrer Haltung eindeutig: "Das ist unser Land, unsere Kultur, unser Zuhause."
Die Unsicherheit belaste die Menschen spürbar. "Politische Unklarheit trifft die Herzen und weckt Ängste - besonders um die Identität sowie die Zukunft von Kindern und Familien", sagte Majcen. Daraus ergebe sich eine besondere seelsorgliche Aufgabe. "Unsere pastorale Arbeit besteht heute darin, mehr zuzuhören, mehr zu trösten und den Menschen zu helfen, ihre Ängste zu benennen." Die Kirche müsse ein "Ort des Friedens und der Hoffnung" sein und "für Menschenwürde, die Rechte der Inuit und für Dialog statt Drohungen" eintreten.
Kleine Einwanderer-Kirche
Die katholische Kirche stellt in Grönland eine kleine Minderheit von deutlich unter einem Prozent der Bevölkerung dar. Sie besteht überwiegend aus Einwanderern, vor allem von den Philippinen, aus Vietnam sowie aus weiteren asiatischen und europäischen Ländern. Zentrum des katholischen Lebens ist die Hauptstadt Nuuk mit der 1958 gegründeten Pfarre "Christus, der König", der einzigen katholischen Gemeinde der Insel. Sie gehört kirchenrechtlich zur Diözese Kopenhagen. Die Gottesdienste werden vor allem in englischer und dänischer Sprache gefeiert und sind stark von internationaler Gemeinschaft geprägt.
Historisch reicht das Christentum in Grönland bis ins Mittelalter zurück, als im 12. Jahrhundert die katholische Diözese Gardar bestand. Diese erlosch infolge klimatischer Veränderungen und massiver Bevölkerungsrückgänge. Katholisches Leben entstand erst wieder ab den 1950er Jahren, unter anderem durch den Aufbau eines US-amerikanischen Militärstützpunktes, auf dem bis heute eine kleine katholische Gemeinschaft besteht. Auch in abgelegenen Siedlungen entlang der Fjorde werden Gläubige betreut, häufig mit Gottesdiensten in privaten Häusern - eine Praxis, die an die frühen Anfänge des Christentums erinnert.
Mehrheitlich gehören die rund 56.000 Einwohner Grönlands der evangelisch-lutherischen Kirche an, die als Teil der Dänischen Volkskirche organisiert ist. Deren eigenständige Diözese besteht seit 1993 und wird seit 2020 von Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk geleitet. Alle anderen christlichen Konfessionen spielen auf der Insel nur eine marginale Rolle.