Laut Präsidialamt in Prag soll es bei Gesprächen mit Papst Leo und Kardinalstaatssekretär Parolin um die bilateralen Beziehungen zwischen Prag und Rom, Religionsfreiheit sowie internationale und humanitäre Fragen gehen - Grundlagenvertrag von Tschechien und Vatikan weiter in Schwebe
Prag/Vatikanstadt, 16.01.2026 (KAP) Tschechiens Präsident Petr Pavel kommt am Montag (19. Jänner) zu einem offiziellen Besuch in den Vatikan. Auf dem Programm stehen Gespräche mit Papst Leo XIV. und dem päpstlichen Chefdiplomaten Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, teilte das Präsidialamt in Prag mit. Offiziell soll es bei dem Treffen um die bilateralen Beziehungen zwischen Prag und Rom, Religionsfreiheit sowie internationale und humanitäre Fragen gehen.
Pavel besucht derzeit die Ukraine und traf dabei am Freitag auch mit Präsident Wolodymyr Selenskyj zusammen. Es ist davon auszugehen, dass die diplomatischen Bemühungen um einen Frieden in der Ukraine ein Thema der Gespräche im Vatikan sein werden. Tschechische Medien gehen zudem davon aus, dass auch der Stand zum im Vorjahr ausverhandelte, aber bisher nicht in Kraft getretene Grundlagenvertrag, der die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Tschechischen Republik sowie die Stellung der Katholischen Kirche in ihr regeln soll, angesprochen wird.
Präsident Pavel hatte im vergangenen Frühjahr die Unterzeichnung des Ratifizierungsdokuments verweigert, nachdem sich Kritiker des Grundlagenvertrags (Konkordat) an das Verfassungsgericht gewendet hatten, wo die zwischenstaatliche Vereinbarung seither geprüft wird. Zuvor hatte das Parlament den vom damaligen tschechischen Ministerpräsidenten Petr Fiala und dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Parolin im Oktober 2024 unterzeichneten Grundlagenvertrag gebilligt. Nach der Parlamentswahl vom Oktober 2025 ist in Prag mittlerweile eine neue Drei-Parteien-Regierung unter Führung von Ministerpräsident Andrej Babis im Amt.
Der Grundlagenvertrag regelt u.a. Garantien zu Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, das Recht der katholischen Kirche auf Selbstverwaltung, die rechtliche Absicherung der Seelsorge in Krankenhäusern, Gefängnissen, Armee und Polizei, den Schutz des Beichtgeheimnisses sowie die Möglichkeit, kirchliche Schulen und karitative Einrichtungen zu gründen. Pavel äußerte in der Vergangenheit mehrfach öffentlich Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Vereinbarung. Er artikulierte die Sorge, dass die Vereinbarung die katholische Kirche gegenüber anderen Religionsgemeinschaften privilegieren und damit den säkularen Charakter des Staates untergraben könnte.
Kurz vor dem Vatikan-Besuch Pavels haben Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Tschechien den Präsidenten in einem offenen Brief aufgefordert, ihre Anliegen bei seinem Treffen mit Papst Leo XIV. anzusprechen. Sie kritisieren, dass durch die Verankerung des Beichtgeheimnisses im geplanten Grundlagenvertrag kirchliche Interessen über den Schutz von Missbrauchsbetroffenen gestellt und die Aufarbeitung bzw. eine staatliche Strafverfolgung von Missbrauchsfällen erschwert würde.
Die Tschechische Bischofskonferenz hatte dies bereits im vergangenen Jahr mehrfach zurückgewiesen. Das Beichtgeheimnis biete "keine Gelegenheit zu einer institutionellen Vertuschung von Verbrechen, wie dies einige behaupten", hieß es in einer Erklärung im Mai 2025.