Nigeria: Verwirrung nach Bericht über Entführung Dutzender Christen
20.01.202613:07
Nigeria/Kriminalität/Kirche
Regionale Polizei dementiert Berichte über Angriff Schwerbewaffneter auf mehrere Kirchen in einer Waldgemeinde im zentralnigerianischen Bundesstaat Kaduna
Abuja, 20.01.2026 (KAP) Nach Berichten über die angebliche Entführung Dutzender Gottesdienstbesucher im zentralnigerianischen Bundesstaat Kaduna ist die Lage vor Ort unklar. Unter Berufung auf örtliche Kirchenvertreter und Politiker hatten mehrere internationale Medien am Montagabend einen Angriff Schwerbewaffneter auf mehrere Kirchen in Kurmin Wali, einer Waldgemeinde im Bezirk Afogo, gemeldet. Am Sonntag seien dabei rund 160 Gläubige entführt worden, während sie gerade Gottesdienste feierten. Die regionale Polizei dementierte zuletzt aber, dass ein solcher Überfall stattgefunden habe.
Ein hochrangiger Vertreter des christlichen Dachverbandes Christian Association of Nigeria (CAN), aber auch lokale Beamte in Kurmin Wali hatten gegenüber Medien von der Massenentführung berichtet. Auch die Regional-Polizei bestätigte unter anderem der Nachrichtenagentur Reuters zunächst den Angriff, gleichzeitig erklärte ein Sprecher, dass das Gebiet abgelegen und schwer zugänglich sei, was es schwierig mache, rasch verlässliche Informationen zu erhalten.
Der Polizeikommissar des Bundesstaates Kaduna, Alhaji Muhammad Rabiu, hingegen nannte die Berichte laut BBC-Angaben vom Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit lokalen Regierungsvertretern später eine "von Unruhestiftern verbreitete Lüge". Der Vorsitzende des lokalen Verwaltungsbezirks Kajuru, Dauda Madaki, erklärte laut BBC, Sicherheitskräfte seien nach Berichten über einen Angriff nach Kurmin Wali entsandt worden, hätten aber keine Beweise für den Angriff gefunden. Auch der Dorfvorsteher sei befragt worden. Weitere Informationen lagen zunächst nicht vor.
Zuletzt hatte es in Nigeria wiederholt Massenentführungen gegeben, mit sowohl Christen als auch Muslimen als Opfer. Täter sind in der Regel kriminelle Banden im Norden und in der Mitte des Landes, die Lösegeld erpressen wollen.
Im November waren mehr als 300 Schüler und Lehrer aus einer katholischen Schule verschleppt worden; sie wurden später in zwei Gruppen freigelassen. Nigerias Verteidigungsminister trat im Dezember auf dem Höhepunkt der Entführungskrise zurück, laut Angaben des Präsidialamtes aus gesundheitlichen Gründen. Die USA flogen zu Weihnachten Luftangriffe auf zwei Lager einer islamistischen militanten Gruppe im Nordwesten Nigerias. US-Präsident Donald Trump warnte, es werde weitere Angriffe geben, sollten weiterhin Christen getötet werden.
In Nigeria gibt es mehr als 250 ethnische Gruppen. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist im Norden überwiegend muslimisch geprägt, im Süden weitgehend christlich; in Zentralnigeria, dem Middle Belt, ist die Bevölkerung gemischt. Laut Regierungsangaben werden Angehörige aller Glaubensrichtungen Opfer von Angriffen.
Im Middle Belt gibt es einen Konflikt zwischen christlichen Farmern und muslimischen Viehhirten. Christliche Meinungsführer argumentieren, die Viehhirten wollten den Islam in Richtung Süden ausbreiten. Andere Beobachter stellen es als Ressourcenkonflikt dar: Flächen würden sowohl von überwiegend muslimischen Viehbesitzern und ihren Hirten wie auch von den zumeist christlichen Bauern, die Felder bestellen, beansprucht. Nigerias Bevölkerung wächst weiter stark, wodurch Land zum kostbaren Gut wird.