Zehntausende Teilnehmer beim "Marsch für das Leben" in Washington - Von Tobias Käufer und Alexander Pitz
Washington, 24.01.2026 (KAP/KNA) Jubel, Politprominenz und Rosenkränze: Der 53. "Marsch für das Leben" in der US-Hauptstadt Washington hat am Freitag trotz des Winterwetters Zehntausende Abtreibungsgegner mobilisiert. Viele Teilnehmer machten mit Transparenten wie "Heirate und bekomme Kinder - Du wirst es nicht bereuen" auf ihr Anliegen aufmerksam. Andere betonten ihre christliche Motivation und beteten gemeinsam den Rosenkranz.
Prominentester Redner war wie im Vorjahr US-Vizepräsident JD Vance, der einen humorvollen Einstieg in seine Rede wählte. Er habe in der Vergangenheit stets gesagt, er wünsche sich für die USA mehr Familien und mehr Babys. "Ihr habt einen Vizepräsidenten, der genau das praktiziert, was er predigt", sagte der 41-Jährige. Seine Frau Usha erwartet das vierte Kind. "Leben ist ein Geschenk", rief der bekennende Katholik unter dem Jubel der Menge. Seine Rede hielt er - wie die übrigen Gäste - unter starken Sicherheitsvorkehrungen hinter Panzerglas.
Der "Elefant im Raum"
Vance vollzog dabei einen verbalen Schulterschluss mit der Pro-Life-Bewegung. Diese habe mit Donald Trump "einen Verbündeten im Weißen Haus". Die Zweifel etlicher Aktivisten, die der Trump-Regierung Untätigkeit angesichts der zunehmenden Verbreitung der Abtreibungspille Mifepriston vorwerfen, versuchte Vance zu zerstreuen. Er sehe den "Elefanten im Raum". Es seien "offene Gespräche" darüber notwendig, wie der Kampf um das menschliche Leben am besten zu führen sei.
Der Politiker, den viele als möglichen Nachfolger im Präsidentenamt sehen, hob die politischen Schnittmengen zwischen Regierung und Abtreibungsgegnern hervor: "Wir werden damit beginnen, allen internationalen Nichtregierungsorganisationen, die im Ausland Abtreibungen vornehmen oder fördern, den Zugang zu US-Geldern zu verweigern." Ein Satz, der bei den Zuhörern freilich gut ankam. Doch damit nicht genug. Diese Politik werde ausgeweitet, um die "radikale Gender-Ideologie" und DEI-Programme zu bekämpfen. Das Kürzel steht für Diversity, Equality und Inclusion (Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion). Trump hält derlei Förderprogramme schon lange für ideologisch motiviert und "verschwenderisch".
Videobotschaft von Trump
Der US-Präsident meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort. Darin lobte er sich selbst für die "beispiellosen Fortschritte", die dank seiner Mitwirkung in Sachen Lebensschutz erzielt worden seien. Durch die konservative Richtermehrheit am Supreme Court, die er während seiner ersten Amtszeit schuf, sei der "der größte Sieg in der Geschichte" der Lebensschutz-Bewegung errungen worden.
Tatsächlich hatte das Oberste Gericht 2022 ein Grundsatzurteil von 1973 gekippt und entschieden, dass aus der US-Verfassung kein landesweit gültiges Recht auf Abtreibung abgeleitet werden könne. Mehrere republikanisch regierte Bundesstaaten nutzten dies, um den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen stark einzuschränken.
Mit Blick auf die zahlreichen christlichen Aktivisten beim "March for Life" kündigte Trump in seiner Botschaft an, sich verstärkt für Religionsfreiheit einzusetzen. Mit reichlich Pathos versprach er: "Wir bringen Gott zurück."
Unterstützung für die Demonstration kam auch aus dem Vatikan. Papst Leo XIV. hatte sich bereits am Donnerstag mit einer Grußbotschaft lobend an die Teilnehmer des Marsches in Washington gewandt. Mit ihrem eindrucksvollen öffentlichen Zeugnis bekräftigten sie, dass der Schutz des Rechts auf Leben die unverzichtbare Grundlage aller anderen Menschenrechte bilde. Und weiter schrieb der erste US-Amerikaner im Papstamt: "Eine Gesellschaft ist nur dann gesund und entwickelt sich wahrhaftig weiter, wenn sie die Heiligkeit des menschlichen Lebens wahrt und sich aktiv für deren Förderung einsetzt."