Die Ansprache des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig nach der Bischofsweihe und Amtseinführung von Erzbischof Josef Grünwidl im Wortlaut
Wien, 24.01.2026 (KAP) "Und er stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da geschah ein großes Beben im Meer, sodass das Boot von den Wellen bedeckt wurde. Er aber schlief. Und sie traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf, wir verderben! Da sagt er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?, und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; und es ward eine große Stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind?" Die soeben zitierte Bibelstelle "Die Stillung des Sturms", stammt von dem Evangelisten Matthäus, Kapitel 8, Vers 23 bis 27. Ähnliches findet sich bei Markus und Lukas.
Die Frage ist: Was können wir daraus lernen ...? Dass wir auch angesichts großer Verwerfungen nicht "furchtsam" sein sollen, sondern die Herausforderungen unserer Zeit - nach dem Vorbild Jesu - souverän meistern müssen. Das heißt: mit Mut zur Entscheidung, Entschlossenheit und Führungskompetenz!
Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hat sein hohes kirchliches Amt mit dieser Souveränität ausgeübt. Sein Name steht für die (sanfte) Modernisierung der katholischen Kirche und den ökumenischen Dialog sowie das religionsübergreifende Zusammenwirken. Darüber hinaus bezog der Wiener Erzbischof sowohl zu brisanten gesellschaftspolitischen als auch innerkirchlichen Fragen regelmäßig Stellung: nie vordergründig rebellisch, aber doch immer deutlich und folgenreich.
Zudem war dem Kardinal das gute Miteinander zwischen Stephansdom und Rathaus - Erzdiözese und Stadt Wien - stets ein Herzensanliegen. Nicht zufällig sind wir beide Schirmherren des Vereins "Unser Stephansdom". Und für diese hervorragende Zusammenarbeit möchte ich mich bei Christoph Schönborn ausdrücklich bedanken und ich weiß, dass der Kardinal Schönborn, der Ehrenbürger der Stadt Wien, aber auch der Mensch Christoph, unserer Stadt weiterhin verbunden sein wird. (Applaus)
Heute wurde der neue Wiener Erzbischof Josef Gründwidl feierlich in sein Amt eingeführt. Und ich bin mir sicher, dass er das große Erbe seines Vorgängers mit echtem "Leadership" fortführen und weiterentwickeln wird. Erfahrung sammeln und Kompetenz erwerben konnte er u. a. in den 1990er Jahren in der Erzdiözese: anfangs als Sekretär des damals neuen Erzbischofs Christoph Schönborn - ich darf sagen, das waren keine leichten Zeiten in der Geschichte der katholischen Kirche in Österreich -, dann als geschäftsführender Vorsitzender des Wiener Priesterrats und schließlich als apostolischer Administrator in der Diözese.
Darüber hinaus habe ich Josef Grünwidl im Rahmen unserer bisherigen - sehr guten, darf ich sagen, - Zusammenarbeit als klugen, besonnenen und weltoffenen Seelsorger kennengelernt: Gottesmann und Menschenfreund in einer Person. Zu Silvester sprach der designierte Erzbischof von seiner "großen Vision des Miteinanders". Und so darf ich als Bürgermeister der "Stadt des Miteinanders" - in dem auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften sehr gut vollkommen harmonisch verläuft - Josef Grünwidl ganz herzlich als neuen Erzbischof von Wien willkommen heißen!
Gemeinsam werden wir den einen oder anderen "Sturm" - nach dem Vorbild der Bibelstelle - mit kühlem Kopf zu "stillen" wissen. Darauf freue ich mich und gratuliere ganz herzlich und freue mich auf gute Zusammenarbeit!