Grünwidl feierte erste Messe als Erzbischof mit Armutsbetroffenen
25.01.202614:28
Österreich/Kirche/Grünwidl/Erzbischof/Soziales
Sonntagsgottesdienst und gemeinsames Mittagessen im Wiener Priesterseminar - Caritas dankt für "starkes Zeichen" - Erste wichtige Personalentscheidung des neuen Wiener Erzbischofs steht bevor
Wien, 25.01.2026 (KAP) Mit rund 100 armutsbetroffenen, kranken und an den Rand gedrängten Menschen hat der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl seine erste Sonntagsmesse nach der Bischofsweihe gefeiert. Die Erzdiözese Wien veröffentlichte am Sonntag Bilder von dem Gottesdienst, zu dem Grünwidl gemeinsam mit der Pfarrcaritas ins Wiener Priesterseminar eingeladen hatte. Anschließend gab es ein gemeinsames Mittagessen.
Eingeladen waren unter anderem Menschen, die die Wärmestuben in den Pfarren besuchen, Frauen, die von der St.-Elisabeth-Stiftung betreut werden, Gäste des Vinziwerks und Personen, die die "LeO"-Essensausgabestellen nutzen, teilte die Erzdiözese Wien mit. Ihm sei es besonders wichtig, "dass die Armen im Blick bleiben und dass ich auf die schaue, die am Rand unserer Gesellschaft sind", so Erzbischof Grünwidl: "Hilfsbedürftige haben in der Bibel einen ganz hohen Stellenwert, weil uns in diesen Menschen Gott selber begegnet."
Die Armutsbetroffenen überraschten Grünwidl mit einem selbst komponierten Segenslied und schenkten ihm ein Franziskuskreuz. Den Tischdienst beim anschließenden Mittagessen übernahmen die Seminaristen des Priesterseminars. Ort und Zeit von Feier und Begegnung waren von der Erzdiözese Wien im Vorfeld nicht bekannt gegeben worden, um den besonderen persönlichen Charakter zu wahren.
Caritas dankt für "starkes Zeichen"
Der Gottesdienst sei ein "ein starkes und tief berührendes Zeichen" des neugeweihten Erzbischofs, erklärten die beiden Direktoren der Caritas der Erzdiözese Wien, Alexander Bodmann und Klaus Schwertner. "Es zeigt sehr klar, wofür Josef Grünwidl steht: für eine Kirche, die - wie er selbst sagt - verfügbar ist, nicht perfekt, und die ihren Platz zuallererst an der Seite der Menschen in Not kennt."
Diese Haltung entspreche zutiefst ihrem Verständnis von Kirche und Caritas als gelebtem Glauben im Alltag, so Bodmann und Schwertner: "Wir erleben Josef Grünwidl als Erzbischof so wie wir ihn auch als Priester kennen - als jemanden, der zuhört, Nähe zulässt und die Sorgen der Menschen ernst nimmt. Umso mehr freuen wir uns auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem Erzbischof, der die Option für die Armen nicht nur benennt, sondern glaubwürdig lebt."
33. Bischof von Wien
Rund 3.000 Menschen hatten am Samstag im voll besetzten Wiener Stephansdom die Weihe und Amtseinführung von Josef Grünwidl zum 33. Erzbischof von Wien mitgefeiert. Bei dem Festgottesdienst legte Kardinal Christoph Schönborn seinem Nachfolger die Hände auf und weihte ihn zum Bischof. Rund 3.000 Menschen konnten im Dom den knapp dreistündigen Gottesdienst mitfeiern. Unter ihnen waren zusammen mit Familienangehörigen und Wegbegleitern Grünwidls auch mehrere Hundert Kleriker und viele haupt- und ehrenamtlich in der Erzdiözese Wien Engagierte.
Die Bischofsweihe wurde unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit live im Fernsehen übertragen. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker und zahlreiche weitere hochrangige Vertreter, unter ihnen Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, nahmen teil.
Erste wichtige Personalentscheidung
Für die kommende Woche wird eine erste wichtige Personalentscheidung des neuen Wiener Erzbischofs erwartet. Grünwidl wird seinen eigenen Nachfolger als Bischofsvikar für das Vikariat Süd der Erzdiözese Wien ernennen. Es umfasst als eines von drei sogenannten Territorialvikariaten die zur Erzdiözese gehörenden Pfarrgemeinden im niederösterreichischen Industrieviertel, also im Gebiet südlich der Donau von Hainburg über Wiener Neustadt bis in die Bucklige Welt.
Auch erste Antrittsbesuche, etwa bei Bundeskanzler Christian Stocker, der evangelischen Bischöfin Cornelia Richter, der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) stehen in den nächsten Tagen auf dem Programm.
Bereits am kommenden Freitag wird Erzbischof Grünwidl im Stephansdom mit zahlreichen Ordensleuten aus der Erzdiözese Wien die traditionelle Vesper zum "Tag des geweihten Lebens" feiern. Da an der Bischofsweihe im Stephansdom nur eine begrenzte Zahl an Menschen persönlich teilnehmen konnten, hat die Erzdiözese für Mitte Februar im Südvikariat (Industrieviertel) und im Nordvikariat (Weinviertel) zwei weitere große Einstandsgottesdienste angekündigt, zu denen die Gläubigen eingeladen sind, um dem neuen Erzbischof zu begegnen: Am Freitag, 13. Februar, findet um 17 Uhr eine Festmesse im Dom in Wiener Neustadt statt; am Samstag, 14. Februar, um 14.30 Uhr feiert Josef Grünwidl einen Festgottesdienst in seiner Weinviertler Heimatgemeinde Wullersdorf.
(Themenschwerpunkt mit allen Kathpress-Meldungen zu Bischofsweihe und Amtsantritt von Josef Grünwidl als Erzbischof von Wien unter: www.kathpress.at/erzbischof-gruenwidl)
Wortlaut der ersten Ansprache von Josef Grünwidl nach seiner Weihe zum Erzbischof von Wien und seiner Amtseinführung am Ende des Festgottesdienstes im Stephansdom
Nach der Weihe mittels Handauflegung durch Kardinal Schönborn und 28 weitere Bischöfe hat Grünwidl um 15.38 Uhr die Leitung der Erzdiözese Wien übernommen - Schönborn wünscht seinem Nachfolger in Predigt "hörendes, weises und verständiges Herz" - Grünwidl: Kirche soll Melodie des Evangeliums zum Klingen bringen
Mitra, Ring, Brustkreuz und Hirtenstab verweisen auf Auftrag, Verantwortung und geistliches Amtsverständnis des neuen Erzbischofs und sind wie sein Wahlspruch eng mit seiner persönlichen wie kirchlichen Biografie verbunden