Papst Leo XIV. setzt auf eine differenzierte Sicht - Hintergrundbericht von Ludwig Ring-Eifel
Rom, 26.01.2026 (KAP) Wenn am 29. Jänner der deutsche "Synodale Weg" zum letzten Mal in ganz großer Runde zusammenkommt, ist die Spannung groß. Nicht nur deutsche Kirchenkreise interessieren sich dafür, was und wie in Stuttgart beraten wird. Auch im Vatikan wird die dreitägige Versammlung mit großer Aufmerksamkeit beobachtet.
Das gilt zunächst für den Apostolischen Nuntius in Deutschland, Nikola Eterovic. Der Botschafter des Papstes wird erneut dabei sein, um Debatten und Abstimmungen zu verfolgen und dann nach Rom zu berichten. Konservative Portale und Kommentatoren machen schon seit Tagen Stimmung gegen das Projekt und werfen dabei auch das SCH-Wort wieder in den Raum: "Schisma in Berlin - Leos Schachpartie", orakelte jüngst etwa die konservative Zeitung "Il giornale".
Eine Warnung von Benedikt XVI.
Das Blatt grub denn auch noch eine angebliche Warnung des verstorbenen Ex-Papstes Benedikt XVI. an seinen Nachfolger als Erzbischof in München, Kardinal Reinhard Marx, aus: Schon der deutsche Papst habe kurz vor seinem Ableben gewarnt, dass der Synodale Weg kein gutes Ende nehmen werde.
Jeder konservative Kritiker des Synodalen Wegs, den der jetzige Papst in Audienz empfängt, wird in einschlägigen Kreisen als Bestätigung dieser Warnungen gedeutet: "Wenn er mit diesen Leuten redet, ist doch klar, dass Leo XIV. die Reforminitiative aus Deutschland argwöhnisch betrachtet" - so die Argumentation.
Dass er neben Vertretern der konservativen Minderheit auch Vertreter des reformbereiten Mehrheitsflügels empfängt, wird dort gerne verschwiegen. Ebenso ist es mit Medienvertretern aus Deutschland: Eine Privataudienz für das Leitungsteam der konservativen "Tagespost" macht Schlagzeilen; doch wenn wenige Tage später liberal eingestellte Journalisten von "Kirche und Leben" aus Münster empfangen werden, ist das den interessierten Kreisen in Rom keine Notiz wert.
Klare Ansage von Leo XIV.
Aus dem Vatikan selbst verlautet derzeit wenig zu dem Thema. Eine der klarsten Ansagen kam allerdings vom Papst persönlich. Bei der fliegenden Pressekonferenz nach seiner ersten Auslandsreise am 2. Dezember erklärte er: "Es gibt große Ähnlichkeiten, aber auch einige deutliche Unterschiede zwischen der Art und Weise, wie der Synodale Weg in Deutschland vorangetrieben wurde, und wie er in der Weltkirche am besten fortgesetzt werden könnte."
Zugleich schränkte er ein: "Die Tatsache, dass die Synodalität an einem Ort auf eine bestimmte Weise gelebt wird und an einem anderen Ort anders, bedeutet nicht, dass es zu einem Bruch oder einer Spaltung kommen muss." Dennoch fürchte er, "dass viele Katholiken in Deutschland glauben, dass bestimmte Aspekte des bisher in Deutschland durchgeführten Synodalen Weges nicht ihre Hoffnungen für die Kirche oder ihre Art, die Kirche zu leben, widerspiegeln".
In diesen Worten findet sich ganz offensichtlich ein Echo jener Sorgen, die ihm konservativere Gesprächspartner in den vergangenen Monaten mitgeteilt haben. In Deutschland sei "weiterer Dialog und Zuhören" notwendig, so der Papst, "damit die Stimme der Mächtigen nicht die Stimme derer übertönt, die vielleicht sogar sehr zahlreich sind, aber keinen Ort haben, an dem sie sprechen und gehört werden können."
Das war zwar durchaus kritisch in Richtung Deutschland, aber doch weniger schroff als der Satz von Papst Franziskus vom Juni 2022, wonach es in Deutschland keine zweite protestantische Kirche brauche. Leo XIV. erinnerte auch an Gespräche zwischen deutschen Bischöfen und Vertretern der römischen Kurie über den Synodalen Weg, an denen er selbst noch als Kardinal beteiligt war. Sie sollten "sicherstellen, dass der deutsche Synodale Weg nicht gewissermaßen von dem abweicht, was als Weg der Weltkirche angesehen werden muss". Er gehe davon aus, dass die Gespräche fortgesetzt werden.
"Anpassungen auf beiden Seiten"
Und dann sagte er einen Satz, der aufhorchen ließ: "Ich glaube, dass es auf beiden Seiten in Deutschland einige Anpassungen geben wird." Zu den vom Papst "auf beiden Seiten" erhofften Anpassungen gehört vermutlich bereits das neue Gesprächsformat des gegenseitigen Zuhörens und Nachdenkens über das Gesagte, das in Stuttgart an die Stelle der manchmal hitzigen Wortgefechte und Kampfabstimmungen treten soll, die es bei früheren Synodalversammlungen gab.
Auch soll in Stuttgart im Rahmen einer Evaluation des bisherigen Prozesses versucht werden, Wunden und Verletzungen offen anzusprechen (und wenn möglich zu heilen), die es in früheren Runden des Synodalen Wegs bei Mehrheiten und Minderheiten gab. Noch völlig offen ist, ob die neue, stärker auf Konsens zielende Gesprächskultur auch dazu führen wird, dass die konservative Minderheit unter den Bischöfen sich umstimmen lässt. Bislang war diese Gruppe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nicht gewillt, sich an der künftigen Synodalkonferenz zu beteiligen.
In diesem neuen Gremium sollen nach dem Ende der großen Versammlung Bischöfe, Priester und Nichtgeweihte künftig gemeinsam beraten und entscheiden. Dass die Versammlung in Stuttgart mit breiter Mehrheit für das neue Gremium stimmen wird, ist so gut wie sicher. Was der Vatikan dazu sagen wird und ob der Papst und seine Berater noch weitere "Anpassungen" einfordern werden, ist jedoch ungewiss. Doch deuten die bisherigen Äußerungen von Leo XIV. eher in die Richtung eines kompromissbereiten "Ja, aber..." als auf ein schroffes Nein.
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