Aschermittwoch: Kirchen in Österreich setzen auf zeitgenössische Kunst
10.02.202610:33
(zuletzt bearbeitet am 10.02.2026 um 15:23 Uhr)
Österreich/Kunst/Glaube/Fastenzeit/Aschermittwoch
Kunstprojekte begleiten Fastenzeit 2026: Kirchen in Wien, Linz, Klagenfurt, Graz und Salzburg setzen künstlerische Akzente - Von Arnulf Rainer im Stephansdom bis zu Klanginstallationen in Linz, Graz und Salzburg
Wien/Linz/Salzburg/Graz, 10.02.2026 (KAP) Mit dem Aschermittwoch beginnt am 18. Februar für Christinnen und Christen die Fastenzeit. Sie dient der Besinnung, Umkehr und Solidarität als Vorbereitung auf die Feier des Leidens Jesu Christi in der Karwoche und auf das Osterfest, das heuer am 5. April begangen wird. In vielen Kirchen wird die Fastenzeit auch 2026 durch Fastentücher und zeitgenössische Kunstinstallationen begleitet, die als "Fasten für die Augen" zur Reflexion über Vergänglichkeit, Schuld, Versöhnung und Hoffnung einladen.
77 Kreuzarbeiten des Malers Arnulf Rainer (1929-2025) werden ab dem Beginn der Fastenzeit im Wiener Stephansdom zu sehen sein. Vier Monate lang zeigen das Domkapitel zu St. Stephan und die Sammlung Werner Trenker sieben Werke in Kreuzform auf Holz sowie 70 Kaltnadelradierungen in Form eines Kreuzes, die der im vergangenen Dezember gestorbene Künstler in den Jahren 1956 bis 2014 geschaffen hat. Erzbischof Josef Grünwidl, Bundeskanzler Christian Stocker und Dompfarrer Toni Faber eröffnen die Schau "Das Kreuz - als Zeichen, das bleibt" am 17. Februar, dem Vorabend des Aschermittwochs. Künstlerseelsorger Gustav Schörghofer SJ und Werner Trenker, aus dessen Sammlung die im Stephansdom gezeigten Werke stammen, werden zur Ausstellung sprechen.
In der Ursulinenkirche Linz steht die Fastenzeit unter dem Titel "Memento Mori - Kunst in der Fastenzeit". Am Aschermittwoch (18. Februar) wird nach der Aschermittwochliturgie mit Predigt des Direktors der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe), Markus Schlagnitweit, um 19 Uhr die Ausstellung eröffnet. Sie umfasst eine Soundinstallation des Wiener Künstlers Heribert Friedl sowie skulpturale Arbeiten von Magdalena Berger und Maria Nalbantova, Masterstudierenden der Kunstuniversität Linz. Die Werke thematisieren Tod und Vergänglichkeit im Spannungsfeld von Stillstand und Bewegung. Die Ausstellung ist bis Karfreitag, 3. April, zu sehen; ein Kunstgespräch findet am 25. März um 18 Uhr statt.
Im Klagenfurter Dom wird die heurige Ausgabe von "Kunst im Dom" im Rahmen der Aschermittwochsliturgie mit Aschenkreuzspendung am 18. Februar um 19 Uhr mit Bischof Josef Marketz eröffnet. Präsentiert wird eine Installation zum Thema "Transformation" des Oberkärntner Bildhauers Hans-Peter Profunser. Die Arbeit zeigt einen Zug geschundener und verletzter Körper, der einerseits eine Verbindung zum Kreuzweg Jesu herstellt und andererseits auf die Verletzlichkeit des Menschen verweist. Intention des Künstlers sei es, dass die Betrachtenden auch Bezüge zu den Verwerfungen der Gegenwart - Krieg, Vertreibung und Umweltzerstörung um des Profits willen - herstellen, teilte Dompfarrer Peter Allmaier mit. Am 22. Februar um 17 Uhr ist ein Künstlergespräch mit Profunser und Allmaier geplant.
In Graz lädt die Pfarre St. Andrä am Aschermittwoch um 19 Uhr zum Kunst-Aschermittwoch. Anlass ist die Fertigstellung der Restaurierungsarbeiten an der historischen Orgel. Auf dem neu erklingenden Instrument gestaltet der Komponist und Organist Klaus Lang eine improvisierte Uraufführung, die in einen Dialog mit der Fastenzeit-Installation der Künstlerin Elisabeth Gschiel tritt.
In Wien wird in der Konzilsgedächtniskirche Lainz-Speising am 21. Februar ein "akustisches Fastentuch" eröffnet: Chormusik und meditative Texte bilden eine klangliche Installation zur Vorbereitung auf Ostern
Zelt der Menschlichkeit in Linz
Die Katholische Jugend Oberösterreich setzt auf dem Linzer Domplatz von 18. Februar bis 4. April mit der Fastenaktion "Shekinah - Bauen wir ein Zelt" einen gesellschaftspolitischen Akzent. In einem begehbaren Zelt mit fix installierten Porträts entsteht ein Raum für Begegnung, Vielfalt und Solidarität. Der biblische Begriff "Shekinah" - die Gegenwart Gottes unter den Menschen - wird dabei als Einladung verstanden, die Welt als "Zelt der Menschlichkeit" zu begreifen.
Einen Aschermittwochsgottesdienst mit Künstlerinnen und Künstlern gibt es am 18. Februar (19 Uhr) in der Pfarrkirche Wels-St. Franziskus. Die Künstlerin und ehemalige Religionslehrerin Evelyn Kreinecker setzt sich in ihren Bildern mit den Grundfragen, Hoffnungen und Sehnsüchten von Menschen auseinander, geprägt vor allem durch Gespräche mit Kindern und Jugendlichen. Die Ausstellung im Kirchenraum ist bis Pfingstmontag, 25. Mai, zu sehen.
In der Kollegienkirche Salzburg wird am 18. Februar (12.30 Uhr) die Kunstinstallation zur Fastenzeit von Evelyn Grill mit dem Titel "Was sich zeigt, wenn es sich verhüllt" eröffnet; zu diesem Anlass spricht die neue Universitätsprofessorin für Dogmatik der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg, Franca Spies. Die Installation kann während der Fastenzeit täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr besichtigt werden.
Außerdem findet im Sacellum der Kollegienkirche im Rahmen der Aschermittwochfeier am 18. Februar (19 Uhr) die Performance "An welchen meiner Vorfahren soll ich mich wenden? Noli me tangere, Teil VI" statt. Das Projekt von Franz Frauenlob beschäftigt sich mit Fragen der Identität, wie der Katholische Akademikerinnen- und Akademikerverband Salzburg als Veranstalter mitteilt. Zugleich ermöglicht die Feier die Realisierung des letzten Teils des "Noli me tangere"-Zyklus (2012-2025).