Kardinalstaatssekretär zu ICE-Einsätzen mit Todesfolge: Gewalt nie Lösung für gesellschaftliche Probleme
Rom, 29.01.2026 (KAP) Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat die aktuelle Situation in Minneapolis im Zusammenhang mit Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE als "inakzeptabel" bezeichnet. Gewalt könne niemals ein Mittel zur Lösung gesellschaftlicher Probleme sein, betonte Parolin am Mittwoch in Rom am Rande einer Veranstaltung der Universität LUMSA zu Ethik und Wirtschaft. Die Haltung des Heiligen Stuhls sei klar darauf ausgerichtet, jede Form von Gewalt zu vermeiden.
Parolin erklärte, Schwierigkeiten, Widersprüche und Konflikte müssten "auf andere Weise" gelöst werden. Er schloss sich damit ausdrücklich den Stellungnahmen der katholischen Bischöfe in den Vereinigten Staaten an, die angesichts der angespannten Lage in Minnesota zur Mäßigung und zum Respekt vor dem menschlichen Leben aufgerufen hatten. Hintergrund sind Razzien der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE, die seit Dezember 2025 im Rahmen der "Operation Metro Surge" durchgeführt werden und bei denen es zu mehreren Zwischenfällen mit Todesfolge kam.
Vatikan prüft Trump-Vorschlag
Zu Fragen über eine mögliche Beteiligung des Vatikans an einem von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagenen Friedensrat für den Wiederaufbau des Gazastreifens äußerte sich Parolin zurückhaltend. Die Heilige Stuhl prüfe die Einladung noch, erklärte er, und verwies auf "kritische Punkte", die vor einer Entscheidung sorgfältig bedacht werden müssten. Eine endgültige Antwort liege derzeit noch nicht vor.
Angesprochen auf Berichte, wonach ICE-Einheiten im Zusammenhang mit den bevorstehenden Olympischen Winterspielen in Italien im Einsatz sein könnten, wollte Parolin keine Stellung beziehen. Er habe davon gelesen, wolle sich jedoch nicht an öffentlichen Kontroversen beteiligen. Positiv äußerte sich der Kardinalstaatssekretär hingegen zu diplomatischen Gesprächen über die Zukunft Grönlands nach seiner jüngsten Reise nach Dänemark und zeigte sich zuversichtlich, dass sich eine einvernehmliche Lösung abzeichne.
Opfer "für Freundlichkeit bekannt"
Bereits zuvor hatten sich nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis führende Vertreter der katholischen Kirche in den USA zu Wort gemeldet. Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Erzbischof Paul Coakley, rief zur Wahrung des Friedens, zu Besonnenheit und zur Achtung des menschlichen Lebens auf und betonte die Verantwortung staatlicher Behörden für das Gemeinwohl. Auch der Erzbischof von St. Paul und Minneapolis, Bernard Hebda, appellierte, Hass und Vorurteile zu überwinden.
Der katholische Priester Harry Tasto, der über Jahre mit dem jüngst von ICE-Einheiten getöteten Krankenpfleger Alex Pretti zusammengearbeitet hatte, widersprach laut dem Portal aciprensa.com (Mittwoch) öffentlichen Darstellungen, die Pretti als gewalttätig beschrieben. Pretti sei "für seine Freundlichkeit und seine Sanftmut im Umgang mit den Patientinnen und Patienten bekannt gewesen", sagte Tasto bei einem Gottesdienst in Minneapolis. Zugleich rief er dazu auf, Verleumdungen zurückzuweisen: "Bitte schenken Sie der Diffamierung durch nationale Führungspersönlichkeiten keine Aufmerksamkeit."