Abschluss des synodalen Weges: Mainzer Bischof zieht gemischtes Fazit
29.01.202613:06
Deutschland/Kirche/Religion/Missbrauch
Bischof Kohlgraf bedauert Spaltung der Bischöfe und fordert Rückkehr zu gemeinsamem Unterwegssein - Mehr Bewusstsein für Missbrauch als eines der erreichten Ziele
Mainz/Köln, 29.01.2026 (KAP/KNA) Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat eine gemischte Bilanz des Synodalen Weges der Kirche in Deutschland gezogen, dessen sechste und letzte dreitägige Synodalversammlung am Donnerstag in Stuttgart gestartet ist. "Die Einheit der Bischöfe ist nicht gestärkt worden, wenn ich es freundlich sagen soll", sagte er im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" am Donnerstag.
Mit Blick auf die Bischöfe aus Köln, Passau und Regensburg, die sich aus den Vorbereitungen der künftigen Synodalkonferenz zurückgezogen haben, betonte Kohlgraf deren Bedeutung: "Die Stimme der drei ist im Konzert der deutschen Kirche eine wichtige." Zugleich sagte er: "Ich würde es bedauern, wenn sie in der künftigen Synodalkonferenz fehlte." Synodalität bedeute, "nicht nur die eigene Meinung zu bestätigen". Entscheidend sei nun die Frage: "Wie schaffen wir es, in Fragen von Synodalität wieder gemeinsam auf dem Weg zu sein?"
Kohlgraf fügte hinzu: "Ein Bischof ist gut beraten, wenn er nicht dauerhaft Bischof gegen die Gläubigen ist." Es helfe zu sagen, "ich höre nicht nur auf die Stimmen der Gläubigen, sondern binde mich an diese Stimmen, sofern das nicht völlig gegen mein Gewissen geht". Das führe automatisch zu Mitbestimmung der Gläubigen.
Breite als Ziel
Die neue Synodalkonferenz müsse nach Kohlgrafs Worten "die Weite theologischer Positionen abbilden", um den Katholizismus in seiner Breite zu repräsentieren. Er räumte ein, dass Stimmen aus diesem Spektrum im bisherigen Synodalen Weg weniger wahrnehmbar gewesen seien, auch weil Synodale die Versammlung verlassen und mehrere Bischöfe die Mitarbeit an einem Folgegremium verweigert hätten. Sollte der Vatikan die entworfenen Statuten bestätigen, gäbe es laut Kohlgraf "keinen Grund mehr, dort nicht mitzuwirken."
"Als positives Ergebnis des Synodalen Weges nenne ich die Segensfeiern 'für Menschen, die sich lieben'", sagte Kohlgraf. Diese seien "gewissermaßen ein Kompromiss" zwischen den vatikanischen Vorgaben in "Fiducia supplicans" und dem entsprechenden Handlungstext des Synodalen Weges. "Es geht uns auch nicht um die Etablierung eines festen Rituals, sondern um die Grundhaltung", sagte Kohlgraf. In vielen Diözesen, auch in Mainz, sei diese Praxis bereits pastoraler Alltag.
Positiv bewertete Kohlgraf zudem, "dass das Bewusstsein für die Ursachen und Gefahren des Missbrauchs gestärkt wurde" und dass Bischöfe und Laien "zu einem besseren, konstruktiveren Stil des Miteinanders gefunden haben", der künftig in der Synodalkonferenz weiter gepflegt werden solle.
Reformprozess teils umstritten
Der Synodale Weg wurde 2019 unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals von der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ins Leben gerufen. Die Bischöfe und Laienvertreter beraten in dem Reformprozess über die Zukunft der katholischen Kirche. In der Debatte ging es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche. Auch ein liberaleres Arbeitsrecht der Kirche in Deutschland gehört zu den Ergebnissen.
Von Donnerstag bis Samstag zieht nun die sechste und letzte Synodalversammlung in Stuttgart Bilanz. Im Fokus steht eine Evaluation des teils umstrittenen Vorhabens, das seinerzeit unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals ins Leben gerufen wurde. Der Vatikan zeigte im Verlauf des Prozesses immer wieder Grenzen auf. Zwei prominente Kritiker, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, nehmen nicht an der Abschlusssitzung teil.
In den vergangenen beiden Jahren bereitete ein Interimsgremium, der Synodale Ausschuss, die Einsetzung einer bundesweiten Synodalkonferenz vor. In dieser sollen die gemeinsamen Beratungen und Beschlussfassungen von Bischöfen und Laien verstetigt werden. Die Synodalkonferenz könnte sich - vorbehaltlich der Zustimmung aus Rom - im November konstituieren.