Stellungnahme anlässlich des neuen Quereinsteiger-Modells für Priester: "Dass Berufungen von Frauen nicht einmal geprüft werden, ist ein schmerzlicher Missstand, den sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich in der Kirche tätige Frauen und Männer bitter beklagen"
Linz, 29.01.2026 (KAP) Die Frauenkommission der Diözese Linz hat das neue Quereinsteiger-Modell für Priester - ein neues berufsbegleitendes Ausbildungsmodell der katholischen Kirche in Österreich für sogenannte "Spätberufene" - zum Anlass für erneute Kritik genommen. Das Modell richtet sich an Männer zwischen 45 und 60 Jahren, die so neben ihrem Zivilberuf auf das Priesteramt vorbereitet werden können. Die Frauenkommission begrüßte am Donnerstag in einer Stellungnahme zwar grundsätzlich die Suche nach neuen Wegen, kritisierte jedoch, dass Frauen nach wie vor vom Priesteramt ausgeschlossen sind: "Berufungen gibt es auch bei Frauen und diese werden nach wie vor nicht ernst genommen und nicht gefördert", hieß es wörtlich.
Die Kommission verwies darauf, dass viele theologisch ausgebildete Frauen in Österreich - "kurz nach dem aus Frauensicht enttäuschenden Ergebnis der päpstlichen Kommission, das Diakonat der Frauen betreffend" - das geplante Quereinsteiger-Modell für Priester als weitere Zurückweisung erscheint. "Dass Berufungen von Frauen nicht einmal geprüft werden, ist ein schmerzlicher Missstand, den sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich in der Kirche tätige Frauen und Männer bitter beklagen", heißt es in der Stellungnahme.
Laut der Frauenkommission der Diözese Linz müsse die Kirche auch die Potenziale von Frauen nutzen, um dem Priestermangel wirksam zu begegnen. Gleichzeitig verwies die Kommission auf das Neue Testament, das die gleiche Würde und Wertigkeit aller Menschen betont. "Die Frauenkommission der Diözese Linz ist jederzeit gerne bereit mitzudenken, wenn es darum geht, neue Wege und Möglichkeiten zu beschreiten, damit Männer und Frauen ihre Berufung im Dienst der Kirche verwirklichen können", heißt es wörtlich.
Hintergründe und Kritik
Die Priesterausbildung soll die moderne Lebensrealität mit wichtigen Elementen der klassischen Seminarausbildung verbinden, erklärte der Regens der Priesterseminare der Diözesen Wien, St. Pölten und Eisenstadt, Richard Tatzreiter, am 13. Jänner gegenüber Kathpress. Er reagierte damit auf Kritik von christlichen Basisgemeinden, wonach der neue "zweite Weg" durch individualisierte Ausbildungsformen eine "Kirche für Einzelgänger" fördern könnte. Dies sei weder Ziel noch Fall, betonte Tatzreiter. Auch ein "Vorbeischleusen" der Kandidaten an den regulären Seminaren sei nicht vorgesehen. Die von den Basisgemeinden geforderten Momente der gemeinschaftlichen Sozialisation würden im neuen Konzept berücksichtigt. Insgesamt zielen die Leitlinien darauf, den Graben zwischen einem individuell gestalteten Lebens- und Ausbildungsweg und den wichtigen Erfahrungen in den Seminaren zu überbrücken.
Die erste Bischöfliche Vikarin Österreichs, Barbara Velik-Frank, bezeichnete in "Die Furche" (Ausgabe 3/2026) die neue Form der Priesterausbildung als Zeichen des sich wandelnden kirchlichen Selbstverständnisses. Strukturelle Antworten dürften jedoch nicht allein aus dem Priestermangel entwickelt werden. Ziel müsse die Stärkung und Entscheidung für Laien in Leitungspositionen sein, unabhängig davon, ob der aktuelle Priestermangel durch Priester aus der Weltkirche ausgeglichen werden könne. Teil des Wandels sei dabei auch die Rolle von Frauen in Leitungsfunktionen.
Frauenkommission Diözese Linz
Die Frauenkommission der Diözese Linz wurde 1997 im Auftrag des damaligen Diözesanbischof Maximilian Aichern gegründet. Sie vertritt die Interessen von Frauen, die ehren- oder hauptamtlich in der Kirche tätig sind, und von Frauen, die sich der Kirche zugehörig fühlen. Die Kommission berät die Diözesanleitung, bringt ihre Kompetenzen in Meinungs- und Entscheidungsprozesse ein und sensibilisiert für Frauenfragen, heißt es vonseiten der Kommission. Aktuell zählt sie 26 Mitglieder, die verschiedene kirchliche Berufsgruppen und Organisationen repräsentieren.