Theologe Maraldi: "Herausforderung der KI nicht technologischer, sondern anthropologischer Natur"
Bozen, 29.01.2026 (KAP) Beim Dies Academicus der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) Brixen stand am Donnerstag das Thema Künstliche Intelligenz (KI) im Fokus. Der jährliche Festtag der Hochschule brachte Lehrende, Studierende und Gäste aus Kirche und Gesellschaft zusammen. Der Festvortrag wurde vom Theologen Valentino Maraldi gehalten, der an der Katholischen Fakultät in Bologna sowie am ISSR in Bozen lehrt. Maraldi verwies auf die tiefgreifenden Veränderungen, die digitale Technologien im menschlichen Selbst- und Weltverständnis bewirken. Unter Berufung auf Papst Leo XIV. sagte er: "Die Herausforderung der KI ist nicht technologischer, sondern anthropologischer Natur."
Die Theologie könne KI als "Zeichen der Zeit" verstehen und eine Vision entwickeln, um KI von einer potenziellen Bedrohung in eine Chance zu verwandeln, führte der Universitätsseelsorger aus. Und weiter: "So können wir wiederentdecken, was uns wirklich menschlich macht: die Fähigkeit, unbegrenzt Fragen zu stellen, zu lieben und verantwortungsbewusst in der Welt zu leben."
Im Anschluss stellte der Moraltheologe Christoph Amor den neuen Band des "Brixner Theologischen Jahrbuchs" mit dem Titel "Wahrheit und Lüge. Theologie in Zeiten von Fake News und Desinformation" vor. Wahrheit werde im digitalen Zeitalter zunehmend verhandelbar, zusätzlich würden die Grenzen zwischen Fakten, Meinung und gezielter Irreführung verschwimmen, so der Theologe. "Die gängige Annahme, dass eine Aussage wahr ist, wenn sie mit der Realität übereinstimmt, gerät gegenwärtig unter Druck", so Amor. Die Theologie sei daher gefordert, Orientierung zu bieten, "und zwar nicht als Hüterin dogmatischer Gewissheiten, sondern als Suchende nach dem, was trägt und verbindet".
An der PTH Brixen studieren derzeit 70 ordentliche Hörerinnen und Hörer in den Studiengängen Fachtheologie und Religionspädagogik. Im Wintersemester waren zusätzlich 150 Gasthörerinnen und Gasthörer gemeldet, unter anderem im Bachelorstudium Philosophie, im Universitätslehrgang "Angewandte Ethik" sowie im neuen Zertifikatslehrgang "Ars Sacra". Die deutschsprachigen "Brixner Theologischen Kurse" zählen 140 Teilnehmende, die italienischsprachige Sektion in Bozen 95.
Zum Abschluss des Festakts verlieh Dekan Martin M. Lintner die Abschlussdiplome an die Absolventinnen des vergangenen Studienjahres.