Für die katholische Kirche unterzeichnete der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi, das Dokument - Verpflichtung u.a. zur Zusammenarbeit für das Gemeinwohl, Schutz der Würde jedes Menschen und Förderung des Friedens
Rom, 29.01.2026 (KAP) Erstmals haben die Kirchen in Italien einen ökumenischen Pakt geschlossen. Die sechs Artikel umfassende Selbstverpflichtung wurde am vergangenen Wochenende, während der Gebetswoche zur Förderung der Einheit der Christen, in Bari unterzeichnet, wie der KNA-Hintergrunddienst in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Im Einzelnen bekräftigen die 18 Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften Jesus Christus als Ursprung ihrer Einheit. Daher wollen sie jede Spaltung und jedes Missverständnis meiden und "bitten um die göttliche Gnade der Vergebung und der gegenseitigen Versöhnung".
Weiter verpflichten sie sich zum gegenseitigen Respekt und zur Vermeidung "jeder Form von Konkurrenz, Missionierung oder Unterdrückung". Ihren Dialog wollen sie auch bei divergierenden Positionen verfolgen, selbst wenn innerer oder äußerer Druck Spaltungen und Meinungsverschiedenheiten schüre und sie zu entzweien drohe. Jede Gemeinschaft solle ihre eigene konfessionelle Identität in Wahrheit und Liebe bewahren und die andere als Glaubensschwester willkommen heißen.
Ebenso verpflichten sich die Kirchen zur Zusammenarbeit für das Gemeinwohl, den Schutz der Würde jedes Menschen, die Förderung von Frieden und Dialog zwischen Völkern, Kulturen und Religionen, Bewahrung der Schöpfung und Unterstützung für Arme, Migranten, Ausgegrenzte und Leidende. Ausdrücklich versprechen sie Einsatz im "Kampf gegen Antisemitismus, Islamophobie und alle anderen Formen religiöser Diskriminierung".
Darüber hinaus wollen Italiens Christen die Einheit des Glaubens durch gemeinsames Gebet, gemeinsames Hören auf das Wort Gottes und Solidarität in den Städten und Gemeinden sichtbar machen. In einer säkularisierten und postsäkularen Gesellschaft wollen sie das Evangelium bestmöglich verkünden und sich für eine öffentliche Präsenz der Kirche einsetzen, "die den Säkularismus respektiert und den Dialog mit der Gesellschaft sucht".
Auch setzen sie sich für Religionsfreiheit ein und kündigen einen "kritischen und konstruktiven Dialog über das Verhältnis von Religion, Säkularismus und Politik im italienischen Kontext führen, in Anerkennung des Beitrags, den Religionen zum materiellen und spirituellen Fortschritt der Gesellschaft leisten können" an.
Schließlich verpflichten sich die unterzeichnenden Kirchen zu einem ständigen und geschwisterlichen Dialog durch regelmäßige Treffen zu Gebet, Besinnung und konkreter Zusammenarbeit. Alle zugehörigen Gemeinden sollen dazu jährlich ein Arbeitsprogramm erstellen.
"Wir vertrauen diesen Pakt der Barmherzigkeit Gottes an, dass er ihn segne, beschütze und fruchtbar mache", heißt es im Schlussappell. "Wir beten zum Heiligen Geist, dass er unsere Herzen erneuere und uns zu jener vollen Gemeinschaft führe, die nur er bewirken kann: "dass sie alle eins seien", schließen sie mit einem Zitat aus dem Johannes-Evangelium.
Unterzeichnet wurde der Pakt vom Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi, sowie Vertretern und Vertreterinnen der griechisch-orthodoxen, rumänisch-orthodoxen, bulgarisch-orthodoxen und der serbisch-orthodoxen Kirche, der evangelisch-lutherischen Kirche, den Waldensern, der Evangelisch-Baptistischen Christlichen Union Italiens, dem Verband Evangelischer Kirchen in Italien und der Evangelischen Kirche der Versöhnung.
Ebenfalls vertreten sind die Armenisch-Apostolische Kirche von Italien, die Verwaltung der Gemeinden des Moskauer Patriarchats, die Anglikanische Kirche, die Heilsarmee, die Koptische Kirche, die Schottische Kirche, die Evangelisch-Methodistischen Kirchen sowie die Freikirchengemeinschaft Italiens.