Kardinal Mulla: Sicherheit und humanitäre Lage hat sich infolge anhaltender Gefechte radikal verschlechtert - Rund zehn Millionen Südsudanesen derzeit auf Hilfe angewiesen
Juba, 30.01.2026 (KAP) Angesichts zunehmender Kämpfe und politischer Spannungen im Südsudan haben die katholischen Bischöfe des zuletzt gegründeten Staates der Welt vor einer Rückkehr zum Bürgerkrieg und vor völkermörderischer Gewalt gewarnt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Sudan und Südsudan, Kardinal Stephen Ameyu Martin Mulla, sprach von einer raschen Verschlechterung der Sicherheits- und humanitären Lage.
Der Kardinal verwies in einem diese Woche veröffentlichten Schreiben auf erneute Gefechte zwischen Regierungstruppen, der oppositionellen Befreiungsarmee (SPLA-IO) und weiteren bewaffneten Gruppen in den Bundesstaaten Jonglei und Ostäquatoria. Er forderte die Führung der Einheitsregierung sowie der bewaffnete Gruppen außerhalb des Friedensabkommens von 2018 auf, die Kämpfe zu beenden und den Dialog wieder aufzunehmen. Die Bevölkerung dürfe nicht als Mittel politischer Machtkämpfe missbraucht werden.
Die Bischöfe äußerten Sorge, dass das "Revitalisierte Friedensabkommen" von 2018 - für welches sich insbesondere Papst Franziskus eingesetzt hatte - und bei einem Treffens im Vatikan südsudanesischen Politikern die Füße küsste - zunehmend ignoriert werde. Zentrale Verpflichtungen wie Wahlen und Reformen des Sicherheitssektors seien weiterhin nicht umgesetzt. Innerstaatliche Konflikte, Angriffe und Gegenangriffe führten zu Vertreibung, Hunger und schweren humanitären Folgen. Derzeit sind nach kirchlichen Angaben rund zehn Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen.
Besonders scharf verurteilten die Bischöfe Hassrede und Gewaltaufrufe. Die Aufforderung eines ranghohen Generals, Zivilisten in Jonglei "zu verschonen", sei das Gegenteil dessen, was geschehen sei; Anweisungen, "kein Leben zu verschonen", seien ein direkter Aufruf zum Völkermord, erklärte Kardinal Mulla. Die Kirche rief alle bewaffneten Akteure auf, solche Befehle nicht zu befolgen.
Die Bischöfe wie auch der interkonfessionelle Südsudanische Kirchenrat warnten vor einer einseitigen Änderung des Friedensabkommens durch die Regierung. Eine selektive Umsetzung oder Alleingänge würden den ohnehin fragilen Friedensprozess untergraben. Das Abkommen von 2018 bleibe der zentrale und tragfähige Rahmen für Frieden und Stabilität im Südsudan, hieß es.