Interreligiöse Erklärung nach Schüssen auf US-Bürger: Demokratie in Gefahr "wenn die Macht des Staates ohne Rücksicht auf Leben, Gerechtigkeit oder das Gemeinwohl ausgeübt wird"
Washington, 30.01.2026 (KAP) Religionsvertreterinnen und -vertreter aus der Region Washington "verurteilen vorbehaltlos den Einsatz wahlloser und tödlicher Gewalt gegen Zivilisten" und üben damit scharfe Kritik an den tödlichen Einsätzen der US-Einwanderungsbehörden in Minneapolis. Anlass sind die Erschießungen von zwei US-Bürgern durch Bundesbeamte. Eine auf der Website der Erzdiözese Washington veröffenlichte interreligiöse "Erklärung zu Maßnahmen zur Durchsetzung der Einwanderungsgesetze" bezeichnet die Vorfälle als "tiefgreifendes moralisches Versagen".
"Die Morde an Renee Good und Alex Pretti - zwei US-Bürger, die sich dem zivilgesellschaftlichen Engagement und der Unterstützung ihrer migrantischen Nachbarn verschrieben hatten - haben die Menschen in Minneapolis und im ganzen Land trauernd, erschüttert und zu Recht empört zurückgelassen", so die Erklärung, die u.a. von Kardinal Robert McElroy, Erzbischof von Washington, der anglikanischen Bischöfin Mariann Edgar Budde sowie jüdischen, muslimischen, zoroastrischen, sikhischen, unitarischen und methodistischen Religionsvertretern unterzeichnet wurde.
Im Laufe der Geschichte seien "gläubige Menschen immer dann dazu aufgerufen, ihre Stimme zu erheben, wenn die Menschenwürde bedroht war. Wir glauben, dass dieser Aufruf nun erneut an uns gerichtet ist", heißt es darin. Die Religionsvertreter bekräftigten zudem den "heiligen Wert jedes menschlichen Lebens", eine Verpflichtung, die auch Einwanderer und Menschen einschließe, die aktuell als besonders gefährdet gelten würden.
Die jüngsten Vorgänge stellten "eine schwerwiegende Abkehr von den tiefsten moralischen Verpflichtungen unserer Nation und von den Werten der Menschenwürde, Zurückhaltung und Verantwortlichkeit dar, die unsere Glaubenstraditionen hochhalten". Die Religionsvertreter erklärten, sie meldeten sich "aus tiefer Liebe zu unserem Land und wachsender Sorge" zu Wort. "Wenn die Macht des Staates ohne Rücksicht auf Leben, Gerechtigkeit oder das Gemeinwohl ausgeübt wird, sind die Grundlagen der Demokratie selbst in Gefahr." Zugleich verwiesen sie auf die Angst in den eigenen Gemeinden.
Regierungsverantwortliche auf allen Ebenen seien nun aufgerufen, sich "erneut zu einer Politik zu bekennen, die Leben, Würde und Rechtsstaatlichkeit achtet". Zudem riefen die Unterzeichnenden "alle Menschen mit Gewissen dazu auf, sich gemeinsam für eine Gesellschaft einzusetzen, in der jeder Mensch ohne Angst auf die Straße gehen kann, in dem Wissen, dass er gesehen, geschätzt und geschützt wird".
"Renee und Alex wurden getötet, während sie für Gerechtigkeit in ihrer Gemeinschaft eintraten", erklärten die Religionsführer. Man ehre ihr Andenken, "indem wir nicht wegsehen und gemeinsam Rechenschaft von jenen einfordern, denen Autorität anvertraut ist". Zugleich warnten sie vor einem Klima von "Angst, Grausamkeit und Unordnung" und erklärten: "Wir stehen an der Seite jener staatlichen und lokalen Verantwortungsträger, die ein Ende von Praktiken fordern, die Menschen in Gefahr bringen."
Zuvor hat auch der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Erzbischof Paul S. Coakley, zu einer landesweiten "Heiligen Stunde für den Frieden" aufgerufen. Zu den Tötungen erklärte er: "Wir trauern um diese Todesfälle und beklagen die Gleichgültigkeit und Ungerechtigkeit, die sie darstellen."
Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bezeichnete die Lage in Minneapolis als "inakzeptabel" und betonte, Gewalt könne "niemals ein Mittel zur Lösung gesellschaftlicher Probleme" sein.
Bischofskonferenz-Vorsitzender Coakley: "Öffentliche Behörden haben insbesondere die Verantwortung, das Wohlergehen der Menschen im Dienste des Gemeinwohls zu schützen"