Kardinal Schönborn "weihte" Prämonstratenser-Chorherren zum Abt des traditionsreichen Waldviertler Stifts
St. Pölten, 02.02.2026 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat am Montag Norbert Mario Lesovsky zum Abt des Prämonstratenserstifts Geras "geweiht". Der Kardinal leitete am Montagnachmittag die feierliche Abtbenediktion im Waldviertler Stift, die bewusst am Hochfest Darstellung des Herrn, der von der Kirche auch als "Tag des geweihten Lebens" begangen wird, angesetzt war. Schönborn überreichte im Rahmen der Abtbenediktion (umgangssprachlich "Abtweihe") dem neuen Abt die Ordensregel des hl. Augustinus und den Ring. Dann setzte er ihm die Mitra auf und reichte ihm den Stab als Zeichen seines Hirtenamtes.
Zur "Abtweihe" war auch der Generalabt der Prämonstratenser-Chorherren, Jos Wouters, angereist. Zahlreiche Äbte der heimischen Stifte, Generalvikar Christoph Weiss als Vertreter der Diözese St. Pölten, und viele weitere Geistliche und Vertreterinnen und Vertreter der Ökumene und der Politik nahmen ebenfalls teil.
In seiner Predigt hob Kardinal Schönborn u. a. die Grundhaltung des Gebets und die Bedeutung des Gottvertrauens hervor. Und er legte dem neuen Abt und der Gemeinschaft von Geras die Liebe zu den Armen ans Herz. "Ohne den Weg über die Armen finden wir Jesus nicht", so Schönborn wörtlich. Das gelte freilich für jede Christin und jeden Christen.
Zum Amt eines Bischofs oder auch eines Abtes gehöre immer auch ein wenig Leid, so Schönborn weiter. Doch es liege immer an der Gemeinschaft, "ob wir einander das Leid vermehren oder es verringern". Er wünsche der Gemeinschaft von Geras ein gutes Miteinander, "damit ihr glaubwürdig das Evangelium bezeugt".
Abt Lesovsky sagte am Ende des Gottesdienstes in seinen Dankesworten, er verstehe sein neues Amt als Dienst. Er habe kein "Regierungsprogramm", er sei schließlich kein Regent, aber er habe einen Wunsch. "Ich wünsche mir, dass unser Stift ein Ort bleibt, wo die Gegenwart Gottes spürbar ist; wo Stille und Gastfreundschaft einander die Hand reichen; wo die Menschen Frieden finden, weil wir selbst den Frieden suchen, der aus dem Gebet erwächst. In einer Welt, die laut ist, wollen wir leise Zeugen sein; in einer Zeit, die schnell ist, wollen wir standhalten in Geduld, in einer Gesellschaft, die das Ich vor das Wir stellt, wollen wir zeigen, dass Gemeinschaft möglich ist und heilend wirkt."
Für das Land Niederösterreich überbrachte der Landtagsabgeordnete Franz Linsbauer die Grüße von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Er hob die große Bedeutung des Stifts für die Region hervor. Das Stift Geras sei u. a. ein geistliches Zentrum, ein Ort der Bildung, der Seelsorge und der Begegnung.
Waldviertler Stift mit langer Geschichte
Der 1959 in Steyr geborene Lesovsky wurde im Oktober vergangenen Jahres zum 58. Abt des Waldviertler Stifts gewählt und für neun Jahre bestellt. Lesovsky löst damit Prälat Conrad Kurt Müller ab, der das Amt seit 2020 innehatte. Zuletzt war er als Pfarrer in der vom Orden betreuten Pfarre Gatterhölzl in Wien-Meidling tätig.
Die Prämonstratenser leben nach dem Vorbild und der Regel des hl. Augustinus. Der Orden wurde 1120/21 vom hl. Norbert von Xanten (1080-1134) in Prémontré (daher der Name "Prämonstratenser") bei Laon in Nordfrankreich gegründet. Das Stift Geras wurde um 1135 als Tochterkloster von Seelau (Mähren) durch Ekbert und Ulrich von Pernegg gegründet. Es wurde mit Seelauer Chorherren besiedelt und bildete mit dem zehn Kilometer entfernten Frauenkloster Pernegg, das seit 1995 als Fasten- und Seminarzentrum betrieben wird, einst ein Doppelkloster.
Neben der Pfarrseelsorge wirken die Prämonstratenser von Geras u. a. in den Schulen, in der Erwachsenen- und Jugendbildung und in verschiedenen Kommissionen des Ordens und der Diözese St. Pölten. Die "Geraser Hobbykurse" sowie die "Kräuterpfarrer" Benedikt Felsinger und der bereits verstorbene Ordensmann Hermann-Josef Weidinger haben das Stift über die Grenzen hinaus bekannt gemacht. Ebenso wie die Stiftskarpfen, die in den Gewässern um das Stift gezüchtet werden, sowie das von P. Andreas Brandtner initiierte grenzüberschreitende Jugendprojekt SOLA Langau.