Für Münchner Erzbischof ist Seligsprechung des von den Nationalsozialisten hingerichteten Jesuiten auch im Interesse Deutschlands
Bonn, 03.02.2026 (KAP/KNA) Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx hat das Zeugnis des von den Nationalsozialisten hingerichteten Alfred Delp als hochaktuell bezeichnet. Gerade "in diesen Zeiten, in denen völkischer Nationalismus, Hass, Krieg, Allmachtsfantasien um sich greifen, da soll er mit uns sein", sagte Marx laut Mitteilung seiner Pressestelle am Montagabend bei der Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens für Delp. Dieses fiel auf den 81. Jahrestag von dessen Hinrichtung.
Der Jesuitenpater und Widerstandskämpfer sei seinen Verfolgern während Folter, Verhör und Schauprozess "ruhig, demütig und besonnen" entgegengetreten, sagte Marx. Etwa dem NS-Juristen Roland Freisler: "Wenn wir uns vorstellen, wie Delp und der geifernde, schreiende Freisler einander gegenübertreten - Freisler, kein Richter, sondern ein Vernichter, der die Jesuiten hasste", dann ergebe sich aus diesem Bild "eine Ikone des 20. Jahrhunderts", die den Ausweg aus einer Kultur von Hass und Gewalt aufzeige.
Delp habe seinen Tod nicht als Hinrichtung betrachtet, sondern in der Nachfolge Christi als Opfer, sagte der Erzbischof. Und weiter: "In dieser Interpretation wird aus seinem Tod ein Akt der Liebe." Den Vertretern der Gewalt werde die Deutungsmacht entzogen und ein neues Wertesystem werde erkennbar, in dem "Demut, Liebe und Versöhnung" die Richtung vorgeben würden, statt "Gewalt, Hass und Vergeltung".
Seligsprechung für Deutschland
Kardinal Marx rief die Gläubigen dazu auf, darum zu bitten, "dass der Seligsprechungsprozess reiche Frucht bringt. Für die Jesuiten, für die Gemeinschaft der Kirche, für die Welt und besonders auch für unser Vaterland."
Alfred Delp wurde 1907 in Mannheim geboren und trat 1926, direkt nach seinem Abitur, dem Jesuitenorden bei. Nachdem ihm die Nationalsozialisten ein Promotionsstudium an der Universität München verweigerten, kam Delp zur NS-kritischen Jesuitenzeitschrift "Stimmen der Zeit". Hier arbeitete er bis zu deren Verbot durch die Nationalsozialisten 1941. Gleichzeitig stellte er in seinen Predigten der nationalsozialistischen Ideologie seine Vision eines solidarischen Christentums und einer humanen Gesellschaft gegenüber. Bei einer Seligsprechung stellt die katholische Kirche nach einem mehrjährigen Untersuchungsverfahren durch das Urteil des Papstes fest, dass ein Mensch beispielhaft aus seinem christlichen Glauben gelebt hat.
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