Kirche in der Schweiz weitet Eignungschecks für Seelsorger aus
03.02.202616:33
Schweiz/Kirche/Missbrauch/Psychologie
Seit 2025 überprüft die katholische Kirche in der Schweiz Priesteramtskandidaten und Seelsorgende psychologisch - Ausweitung auf ausländische Seelsorger und aktive Seelsorgende mit Auffälligkeiten
Zürich, 03.02.2026 (KAP/KNA) Die katholische Kirche in der Schweiz zieht nach einem Jahr psychologischer Tests für angehendes Kirchenpersonal insgesamt eine positive Bilanz. "Es gab wenig Widerstand, aber in der ersten Phase große Ängste und Sorgen", sagte der Leiter der Dienststelle Missbrauch im kirchlichen Kontext, Stefan Loppacher, am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Nach dem Start im vergangenen Frühjahr hätten sich diese Bedenken jedoch rasch gelegt.
In den vergangenen Monaten seien 72 Personen überprüft und einige von diesen abgelehnt worden, teilten die Verantwortlichen mit. Gründe dafür seien nicht nur mögliche Gefährdungen von Schutzbefohlenen, sondern auch fehlende Sozialkompetenzen und andere Problemlagen, so Loppacher im Gespräch mit KNA.
Aufwendiges, aber gutes System
Die nun vorliegende Auswertung der Pilotphase zeigt laut der Kirchenstelle, dass die psychologischen Assessments von den Kandidatinnen und Kandidaten überwiegend gut angenommen wurden. Sie seien als professionell und zugewandt sowie als wichtig und richtig erlebt worden - zugleich aber auch als intensiv, aufwendig und teils sehr anstrengend.
Nun sollen die Tests auch auf ausländische Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Schweiz ausgeweitet werden. "Zudem wird das Monitoring auf Menschen ausgedehnt, die in ihrem Dienst Auffälligkeiten zeigen", erklärte Loppacher. Dies entspricht dem vor einem Jahr erlassenen Dekret. Darin heißt es, dass nicht nur neu eingestelltes Seelsorgepersonal, sondern auch aktive Seelsorgende mit Auffälligkeiten, "welche auf ernste Defizite betreffend Basiskompetenzen, psychische Verfasstheit, charakterliche Ausgeglichenheit oder affektive Reife hinweisen", den Eignungstest durchlaufen sollen.
Reaktion auf Missbrauchsstudie
Seit dem Frühjahr 2025 führen die Schweizer Bischöfe gemeinsam mit forensischen Psychologen verpflichtende Psychotests für Priesteramtskandidaten sowie angehende Seelsorgerinnen und Seelsorger durch. Anlass war eine im September 2023 vorgestellte Missbrauchsstudie der Universität Zürich zu sexueller Gewalt im kirchlichen Umfeld. Ziel der Tests ist es, Risikofaktoren beim kirchlichen Personal frühzeitig zu erkennen und auszuschließen. Analysiert werden unter anderem Auffälligkeiten in der sexuellen Entwicklung sowie in der Beziehungsfähigkeit.
Die Schweizer Eignungsprüfung umfasst vier Schritte: einen psychologischen Test, ein kompetenzorientiertes Gespräch mit qualifizierten Evaluationsexperten, ein "forensisch-klinisches Gespräch zur Identifikation möglicher Risikofaktoren für den Seelsorgedienst" sowie ein abschließendes Gespräch mit einem kirchlichen Vertreter.