Auslaufen der 2010 vereinbarten Begrenzung der Nuklearsprengköpfe aus Kirchensicht "inakzeptabel"
Washington, 04.02.2026 (KAP) Scharfe Kritik am bevorstehenden Auslaufen des letzten verbliebenen bilateralen Atomwaffenabkommens zwischen den USA und Russland hat die katholische Bischofskonferenz der USA geäußert. Angesichts wachsender globaler Spannungen, darunter insbesondere der verheerende Krieg in der Ukraine, sei das Ende des sogenannten New-START-Vertrags "schlicht inakzeptabel", erklärte ihr Vorsitzender, Erzbischof Paul S. Coakley, am Dienstag.
Der 2010 unterzeichnete Vertrag begrenzt die Zahl der einsatzbereiten strategischen Nuklearwaffen beider Staaten auf jeweils 1.550 Sprengköpfe und sieht gegenseitige Kontrollen sowie den Austausch von Informationen vor. Die ursprünglich auf zehn Jahre angelegte Vereinbarung war zuletzt bis zum 4. Februar 2026 verlängert worden. Eine weitere Verlängerung oder ein Nachfolgeabkommen gelten derzeit als unwahrscheinlich.
Sicherheitsexperten warnen, dass mit dem Auslaufen von New START erstmals seit mehr als 50 Jahren keinerlei vertragliche Beschränkungen mehr für die Atomarsenale der beiden Staaten gelten würden, die zusammen rund 90 Prozent der weltweiten Nuklearwaffen besitzen. Die frühere US-Rüstungsunterhändlerin Lynn Rusten sprach von einem drohenden "ungehemmten nuklearen Wettbewerb" und einem erhöhten Risiko eines Atomkriegs.
Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch die jüngste Entscheidung des "Bulletin of the Atomic Scientists", seine symbolische Weltuntergangsuhr auf 85 Sekunden vor Mitternacht zu stellen. Als Gründe nannten die Wissenschafter unter anderem wachsende nukleare Bedrohungen, neue militärische Technologien wie künstliche Intelligenz, biologische Risiken sowie die fortschreitende Klimakrise.
Rückhalt von Papst Leo XIV.
Erzbischof Coakley verwies in seiner Stellungnahme auch auf jüngste Aussagen von Papst Leo XIV., der mehrfach zur Verlängerung des New-START-Abkommens aufgerufen und vor einer neuen Rüstungsdynamik gewarnt hatte. Der Papst hatte dabei insbesondere die Gefahr betont, dass neue Waffensysteme zunehmend auch auf künstlicher Intelligenz basieren könnten. Zudem erinnerte Coakley an das kirchliche Leitbild einer umfassenden Abrüstung, die nicht auf Abschreckung, sondern auf gegenseitigem Vertrauen beruhe.
Der Vorsitzende der US-Bischöfe forderte politische Entscheidungsträger eindringlich auf, diplomatische Verhandlungen fortzusetzen und zumindest die bisherigen Begrenzungen aufrechtzuerhalten. Internationale Konflikte dürften nicht als Vorwand für diplomatische Blockaden dienen, sondern müssten vielmehr zu verstärktem Dialog führen, erklärte er.
Weiters rief Coakley Gläubige und Menschen guten Willens weltweit zum Gebet für Frieden und Abrüstung auf. Nur durch mutige politische Entscheidungen und internationale Zusammenarbeit könne ein dauerhafter und gerechter Frieden erreicht werden, betonte der Erzbischof.