Unerlaubte Bischofsweihen: Vatikan sucht Dialog mit Piusbruderschaft
04.02.202621:13
Vatikan/Kirche/Papst/Piusbruderschaft
Treffen zwischen dem Leiter der vatikanischen Glaubensbehörde, Kardinal Fernández, und dem Generaloberen der Piusbruderschaft, Davide Pagliarani, geplant
Vatikanstadt, 04.02.2026 (KAP) Nach der Ankündigung von unerlaubten Bischofsweihen durch die Piusbruderschaft will der Vatikan das Gespräch mit den Traditionalisten suchen. In der kommenden Woche ist ein Treffen zwischen dem Leiter der Glaubensbehörde, Kardinal Víctor Manuel Fernández, und dem Generaloberen der Piusbruderschaft, Davide Pagliarani, geplant. Das bestätigte Papstsprecher Matteo Bruni am Mittwochabend gegenüber Kathpress. "Das Treffen ist eine gute Gelegenheit für einen informellen und persönlichen Dialog, der dazu beitragen soll, wirksame Instrumente für den Austausch zu identifizieren, die zu positiven Ergebnissen führen können", so Bruni.
Die erzkonservative Piusbruderschaft hatten Anfang der Woche angekündigt, trotz Vatikanverbots neue Bischöfe weihen zu wollen. Der Generalobere Pagliarani begründete den Schritt mit der Sorge um den Fortbestand der Gemeinschaft, deren kirchenrechtlicher Status weiter unklar ist. Die bisherige Kommunikation mit dem Vatikan führte nach Ansicht von Pagliarani zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis.
Am Dienstag hatte der Vatikan dazu mitgeteilt: "Die Kontakte zwischen der Bruderschaft St. Pius X. und dem Heiligen Stuhl werden fortgesetzt, mit dem Ziel, Brüche oder einseitige Lösungen in Bezug auf die aufgetretenen Probleme zu vermeiden."
Die Piusbruderschaft entstand um den 1988 exkommunizierten und somit aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossenen Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991). Dieser hatte 1976 gegen ein päpstliches Verbot Priester geweiht und damit die Piusbruderschaft innerkirchlich isoliert. Die dadurch ausgelöste Auseinandersetzung erreichte 1988 mit der Weihe von vier eigenen Bischöfen und der Exkommunikation der Beteiligten ihren Höhepunkt. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hob diese Exkommunikation zwar 2009 auf, zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht.
Papst Franziskus (2013-2025) löste die für den Dialog mit der Priesterbruderschaft zuständige "Päpstliche Kommission Ecclesia Dei" im Jahr 2019 auf. Die Zuständigkeit für die Gemeinschaft ging an die Glaubensbehörde über. Laut eigenen Angaben zählt die Piusbruderschaft insgesamt knapp 1.500 Mitglieder, darunter 733 Priester und zwei Bischöfe.
Die Piusbruderschaft lehnt die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Streitpunkte sind vor allem die Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. Da die Piusbruderschaft keinen rechtmäßigen Status in der Kirche hat, ist sie auf eigene Bischöfe angewiesen, um Weihen zu spenden.