Präsentation der "Guardini-Studien" in Wien mit Kardinal Schönborn und Guardini-Expertin Gerl-Falkovitz
Wien, 05.02.2026 (KAP) Mit der neuen Publikationsreihe "Guardini-Studien" soll das Werk eines der bedeutendsten Gelehrten des 20. Jahrhunderts, Romano Guardini (1885-1968), neu bekannt und für Gegenwart und Zukunft fruchtbar gemacht werden. Am Mittwochabend wurden in der Buchhandlung Herder in Wien die ersten beiden Bände der neuen Serie vorgestellt. Prominentester Redner war Kardinal Christoph Schönborn, der in seinem Grußwort das Lebenswerk Guardinis würdigte.
Schönborn zitierte einen Schlüsselsatz Guardinis, in dem dieser bekannte, es habe ihn in seinem wissenschaftlichen Schaffen nicht die Frage interessiert, "was jemand über die christliche Wahrheit gesagt hat, sondern was wahr ist". Genau um diese Frage "muss es gehen. Diese Frage muss uns bewegen", zeigte sich der Kardinal überzeugt. Sonst verliere sich die Wissenschaft bzw. Theologie "in Anmerkungen zu Anmerkungen zu Anmerkungen." Schönborn räumte freilich ein, dass Guardini mit seinem Verständnis von Wissenschaft im universitären Betrieb oft einen schweren Stand hatte.
Herausgeber der neuen Guardini-Serie sind Prof. Michael Wladika, Dekan der Katholischen Hochschule ITI in Trumau, und die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz. Wladika bezeichnete Guardini bei der Präsentation als einen der "ganz großen bleibenden Denker". Sein Denken sei auch heute bei der Analyse und Lösung der gegenwärtigen Probleme und Herausforderungen hilfreich. Auch Bernhard Dolna, Rektor der Katholischen Hochschule ITI, hob diese bleibende Bedeutung Guardinis hervor.
Zwei Bände sind bereits erschienen. Der erste Band "Der Mensch - ein Entwurf auf etwas Ungeheures hin" versammelt Beträge verschiedener Guardini-Expertinnen und -Experten zu dessen christlicher Anthropologie. Die Beiträge veranschaulichen laut Dekan Wladika die Auseinandersetzungen Guardinis mit großen Vordenkern wie Platon, Augustinus, Dante, Hölderlin, Dostojewski oder Nietzsche. Der zweite Band "Romano Guardini - Konturen des Lebens und Spuren des Denkens" bietet eine umfassende Biografie des Gelehrten, verfasst von Prof. Gerl-Falkovitz. Dieser bot auch bei den Buchpräsentationen einen Abriss des Lebens und Schaffens Guardinis. Die "Guardini-Studien" erscheinen im Herder-Verlag. Jährlich sind ein bis zwei Bände vorgesehen.
Romano Guardini (1885-1968) gilt als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts. - Mit Bedeutung und Einfluss weit über den katholischen Rahmen hinaus. Der aus Verona stammende Mainzer Diözesanpriester lehrte in Berlin, Tübingen und München Religionsphilosophie. Guardini nahm gestaltend Einfluss auf die katholische Jugend- und Liturgiebewegung und wurde so zu einem geistigen Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). In München zählte er zu den Mitbegründern der Katholischen Akademie in Bayern.
Der gebürtige Norditaliener wurde 1910 in Mainz zum Priester geweiht und nahm ein Jahr später die deutsche Staatsbürgerschaft an. Nach Studien in Freiburg und Tübingen habilitierte er sich 1922 in Bonn mit einer Arbeit über den mittelalterlichen Franziskanertheologen Bonaventura. Kurz darauf wurde er auf den neu errichteten Lehrstuhl für "Religionsphilosophie und Katholische Weltanschauung" an der Universität Berlin berufen. 1939 verfügten die Nationalsozialisten seine Zwangspensionierung.
Gleich nach dem Krieg richtete der Württembergische Kultusminister Carlo Schmid einen Lehrstuhl für Guardini in Tübingen ein. 1948 folgte der Ruf nach München, wo er bis zu seiner Emeritierung 1962 lehrte und Universitätsprediger war. 1952 erhielt der Religionsphilosoph den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, gefolgt von vielen weiteren hohen Auszeichnungen. Zu einer Mitarbeit beim Zweiten Vatikanischen Konzil kam es nicht mehr, da Guardini in seinen letzten Lebensjahren vermehrt unter Depressionen litt. In der Erzdiözese München-Freising ist ein Seligsprechungsprozess für Romano Guardini im Laufen. Das Verfahren wurde 2017 eröffnet.