Ungarn: Kirche um Hilfe für Priester in Lebenskrisen bemüht
06.02.202613:53
Ungarn/Kirche/Priester/Seelsorge/Psychologie
Die psychischen und seelischen Belastungen für Priester nehmen zu - Die ungarischen Diözesen bzw. die Bischofskonferenz reagieren darauf mit verschiedenen Unterstützungsformen - Kathpress-Korrespondentenbericht von Eva Trauttwein
Budapest, 06.02.2026 (KAP) Ende Jänner hat sich in Ungarn ein katholischer Priester das Leben genommen. Das Online-Magazin Szemlelek - ein christlich werteorientiertes, offenes und kritisches Medium - machte im Zusammenhang mit der Tragödie auf die besondere Gefährdung von Menschen in helfenden Berufen, darunter auch Seelsorger, aufmerksam. Vonseiten der katholischen Kirche wurde auf mehrere Initiativen zur Prävention sowie - im Fall akuter Krisen - zu deren Bewältigung hingewiesen. Die ungarischen Diözesen bieten demnach unterschiedliche Unterstützungsformen an.
In der Diözese Vac steht in landesweit einzigartiger Weise ein Mentalhygiene-Fachmann, der griechisch-katholische Priester Andras Toth, den Priestern als Spiritual zur Seite. Toth betonte in verschiedenen Interviews, dass in der Diözese daran gearbeitet werde, gemeinsam mit den Priestern eine offene Spiritualität, geistige Verbundenheit und Beziehungskultur zu stärken. Die Priester seien stark belastet und zugleich einem hohen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt; zudem fehle vielfach jenes familiäre Umfeld, das früher vorhanden gewesen sei. Heute seien alle helfenden Berufe gefährdet, besonders jedoch die Priester.
Die wichtigste Kraftquelle sei die Gottesbeziehung, daneben seien aber auch menschliche Beziehungen von zentraler Bedeutung, so Toth. Die Zugehörigkeit zu Gemeinschaften, die Verbindung untereinander und zur offenen, größeren Kirche stellten wesentliche Ressourcen dar. Laut Toth handelt es sich dabei um einen langsamen Prozess. Man könne nichts erzwingen. Entscheidend sei der Aufbau von Beziehungen und das Schaffen eines sicheren Umfelds in einer Welt, die von Entfremdung, Angst, Stress sowie vielen Verletzungen und Leiden geprägt sei. Der Zusammenhalt als Gemeinschaft werde dabei immer wichtiger.
Spiritual Toth besucht die Priester regelmäßig und leitet Priester- und Diakonatsgruppen. In der Diözese wurde zudem eine Supervisionsgruppe für Priester eingerichtet. Darüber hinaus steht ein sogenannter Rekreationsfonds zur Verfügung, der für Fortbildungen, Urlaub, Sportgeräte oder die Inanspruchnahme professioneller Hilfe genutzt werden kann. Ebenso bestehen spezielle Priester-Dialog-Gruppen.
Angebot der Orden
Landesweit zugänglich ist das von mehreren Ordensgemeinschaften getragene Kairos-Erneuerungsprogramm für Priester und Ordensleute im Exerzitienhaus Manreza der Jesuiten im Pilisgebirge. Ziel des Programms ist es, Priestern und männlichen Ordensleuten Raum und Zeit zum Innehalten und zur Erholung zu geben, um ihre Lebens- und Glaubenswege zu reflektieren und sich in ihrer Berufung zu stärken.
In vielen Diözesen sind zudem Priesterkreise verbreitet, die dem Austausch und der gemeinsamen Reflexion über die Ausübung des priesterlichen Dienstes dienen. Zunehmend absolvieren Priester und Ordensleute auch seelsorgliche oder mentalhygienische Ausbildungen, was nicht nur ihre pastorale Arbeit vertieft, sondern auch ihre eigene Lebensqualität verbessert.
In der Ortschaft Leanyvar in der Diözöse Esztergom-Budapest bietet das 2004 von der Ungarischen Bischofskonferenz gegründete "Haus zur Bewahrung der Berufung" vor allem Priestern mit Suchterkrankungen Unterstützung an.
Untersuchung unter protestantischen Geistlichen
Eine gefährdete seelische Gesundheit bei Seelsorgern ist freilich kein rein katholisches Phänomen. Der reformierte Pfarrer und Mentalhygiene-Experte Marton Jaray, Dozent an der Semmelweis-Universität und Seelsorger, führte 2022 eine Erhebung zur seelischen und körperlichen Gesundheit von Geistlichen in den protestantischen Kirchen durch. Dabei kam er zu dem besorgniserregenden Ergebnis, dass die körperlichen und psychischen Gesundheitsindikatoren der Pfarrer deutlich schlechter ausfallen als jene der durchschnittlichen Akademikerbevölkerung.
(S E R V I C E - Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und gebührenfrei unter der Notrufnummer 142 erreichbar sowie unter www.telefonseelsorge.at. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums unter www.suizid-praevention.gv.at.)