Neusiedl/See: Ex-ORF-Religionschef Gerhard Klein beigesetzt
07.02.202613:30
Österreich/Kirche/Medien/Gerhard.Klein/Begräbnis
Requiem und Begräbnis - Theologe Zulehner hebt in Predigt die drei Lebensstandbeine Kleins hervor: Familie, Beruf, Gottesbeziehung - Ex-Caritaspräsident und ORF-Stiftungsrat Küberl: Klein hat "Brücken gebaut, Wege eröffnet, verschlossene Türen aufgebrochen"
Eisenstadt, 07.02.2026 (KAP) Der ORF-Religionsjournalist und journalistische Leiter der Katholischen Medienakademie, Gerhard Klein, ist am Samstag in Neusiedl/See unter großer Anteilnahme beigesetzt worden. Die Predigt hielt der Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner, mit dem Klein über Jahrzehnte verbunden war. Zulehner hob in seiner Predigt die drei Standbeine im Leben Kleins hervor: seine Familie, den Beruf und seine Beziehung zu Gott. Klein sei ein Familienmensch gewesen, wohl so etwas wie ein "Bilderbuchehemann" und seinen vier Töchtern ein wunderbarer Vater, so Zulehner.
Kraftvoll sei auch sein zweites Lebensbein gewesen: der Beruf. Klein war 1988 in die ORF-Religionsabteilung gekommen, die er ab 1997 leitete und die unter ihm zur Hauptabteilung wurde. Die religiöse Landschaft in Österreich sei damals längst in einer dramatischen Wandlung begriffen gewesen. "Die katholische Kirche verlor zunehmend ihre monopolartige Stellung." Es habe sich eine Art "Supermarkt der Religionen" gebildet, vielfach konturlos, mehr religoid denn religiös, unpolitisch und nicht selten politisch krude. Klein sei überzeugt gewesen, dass die ORF- Religionsabteilung darauf mit gehaltvollem Religionsjournalismus reagieren müsse. Es sei zu einer Entwicklung gekommen, "die nach wie vor voll in Gang ist und an der Gerhard über Jahre als Pionier mitwirkte", so Zulehner.
Der Theologe erinnerte zudem an ein Interview Kleins, in dem dieser den Glauben als so etwas wie die Grundmelodie seines Lebens bezeichnete. Zulehner wörtlich: "Gerhard hat gelebt, worum es bei der Religion letztlich geht. Es traf auf ihn zu, was der Franziskanermystiker Richard Rohr aus New Mexiko so umrissen hat: 'It is not necessary to be perfect, but to be connected.'" - An die Predigt Zulehners schloss sich die Bach'sche Lieblingskantate von Gerhard Klein an: "Jesus bleibet meine Freude".
"Ausstrahlung gläubiger Lebenstüchtigkeit"
Worte des Gedenkens sprachen beim Requiem der frühere ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, die aktuelle Leiterin der ORF-Hauptabteilung "Religion und Ethik - multimedial", Barbara Krenn, und der frühere Caritaspräsident und ORF-Stiftungsrat Franz Küberl. Gerhard Klein habe niemandem seine Glaubensüberzeugung über den Kopf gestülpt, sagte etwa Küberl. Durch sein Verständnis von Toleranz und Dialog habe Klein aber zugleich ungemein viele "Brücken gebaut, Wege eröffnet, verschlossene Türen aufgebrochen".
Und in Richtung des Verstorbenen, mit dem ihn eine jahrzehntelange Freundschaft verband, sagte Küberl: "So hast Du neue Gemeinsamkeiten, neue Handlungsfelder eröffnet. Und Deine medialen Gestaltungsmöglichkeiten waren immer nutzbringende Gefäße, um die Weltverbesserungsmöglichkeiten nicht in den Keller zu verräumen, sondern am Schirm der Wirklichkeit zu festigen."
Die Grundspannung zwischen Glaube und Vernunft, Religion und Wissenschaft - die es in der Kirche und im ORF gibt - habe Klein durch sein Wesen entkrampft, so Küberl, der u.a. auch Kleins "selbstverständliche Gläubigkeit", sein "ungemein großes theologisches Wissen" und seine "Ausstrahlung gläubiger Lebenstüchtigkeit" würdigte.
Gerhard Klein war am 29. Jänner im 73. Lebensjahr nach schwerer Krankheit verstorben. Der gebürtige Burgenländer war verheiratet, Vater von vier Töchtern und Großvater eines Enkelsohns.
Klein wurde am 17. Juli 1953 in Kittsee geboren. Er studierte Theologie, Philosophie und Anglistik und war seit 1988 für den ORF tätig. Von 1997 bis 2019 war er Chef der Abteilung Religion im ORF-Fernsehen, seit 2010 leitete er zusätzlich die Wissenschaftsabteilung. Zunächst arbeitete er unter dem damaligen Programmintendanten Ernst Wolfram Marboe als Redakteur und Dramaturg der Abteilung Fernsehspiel. Später übernahm Klein die Religions-Sendungen "Orientierung", "FeierAbend" und "kreuz und quer" im ORF-Fernsehen. Die Sendungen wurden unter seiner Leitung mit dem Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis (für "Orientierung"), dem Claus Gatterer-Preis, dem Erasmus Media Award und dem "Romy"-Jurypreis (für "kreuz und quer") ausgezeichnet. Nach seiner Pensionierung übernahm Klein 2019 die Journalistische Leitung der KMA. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod inne.