Hilfswerk ICO: Besorgniserregende Entwicklungen in Syrien
08.02.202608:50
Syrien/Kirche/Soziales/Religionsfreiheit/ICO
Linzer Hilfswerk in Syrien im Nothilfe- und Winterhilfe-Einsatz, ortet zugleich aber u.a. bedenkliche Entwicklungen im Schulbereich
Linz/Damaskus, 08.02.2026 (KAP) Das Linzer Hilfswerk "Initiative Christlicher Orient" (ICO) hat in den letzten Tagen die Hilfe für die Not leidende Bevölkerung in Syrien nochmals verstärkt. Zugleich zeigt man sich besorgt ob aktueller Entscheidungen der islamistischen Regierung, die wenig Grund für Zuversicht hinsichtlich einer offenen und toleranten Gesellschaft lassen.
In der nordsyrischen Metropole Aleppo versorgt die ICO über kirchliche Partner vor Ort zahlreiche Familien, die bei den Kämpfen zwischen der syrischen Armee und kurdischen Einheiten in Aleppo ihr Zuhause verloren haben. In der Hauptstadt Damaskus wiederum sorgt sich das Hilfswerk u.a.um rund 60 christliche Familien aus dem Süden des Landes. Die Familien stammen aus der Region Al-Sweida und haben im vergangenen Jahr bei Kämpfen zwischen arabisch-sunnitischen Milizen und drusischen Verbänden ihre Häuser und ihr Hab und Gut verloren. Nachdem die Familien zuerst in Notunterkünften in der Kleinstadt Khabab untergebracht waren, würden sie sich inzwischen in Damaskus befinden, so Michlin Alkhalil, ICO-Geschäftsführerin, gegenüber Kathpress.
Nothilfemaßnahmen wie jene in Aleppo und Damaskus würden parallel zur "traditionellen" Winternothilfe des Hilfswerks laufen, hieß es. U.a. wurde in Aleppo Heizöl an 400 bedürftige Familien verteilt. Für fast 400 Kinder aus der griechisch-orthodoxen Pfarre in Al-Mouzineh im "Tal der Christen" in der Provinz Homs konnte heuer zudem warme Winterkleidung finanziert werden. Ähnliche Hilfsaktionen gab und gibt es auch im Nordirak und im Libanon. Im Libanon geht es vor allem darum, kirchliche Schulen mit Heizöl zu versorgen.
Wie Alkhalil gegenüber Kathpress sagte, konnte das Hilfswerk im vergangenen Jahr rund eine Million Euro an Spenden lukrieren. Jedes Jahr werden von dem Linzer Hilfswerk zwischen 70 und 80 Projekte in Syrien, Irak und im Libanon, teils auch im Heiligen Land und in der Türkei umgesetzt.
Besorgt zeigten sich die ICO-Verantwortlichen dieser Tage über einige Nachrichten, die das Hilfswerk aus Syrien erreichten. So gibt es seit einigen Wochen die Vorschrift für weibliche Angestellte in Behörden und anderen staatlichen Einrichtungen, in der Arbeit kein Make-up oder andere modische Accessoires zu tragen. In den Schulen wurde die Zahl der islamischen Religionsstunden deutlich erhöht; und war auf Kosten anderer Fächer wie Mathematik oder Naturwissenschaften.
Akzente in den Schulen seien in der Regel ein guter Indikator, in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickelt, heißt es dazu vonseiten der ICO. Umso dringlicher sei es, in der Hilfe für die Menschen vor Ort, vor allem für die christliche Minderheit, nicht nachzulassen.