Nigeria: Terroristen verschleppten Priester und Imam
08.02.202618:05
Nigeria/Kirche/Terrorismus
Mindestens 51 Menschen wurden in den letzten drei Tagen bei Angriffen auf vier Dörfer entführt und sechs getötet
Abuja, 08.02.2026 (KAP) Die Welle der Gewalt und Entführungen im Norden des westafrikanischen Landes reißt nicht ab. Die katholische Erzdiözese Kafanchan hat laut "Vaticannews" (Sonntag) die Entführung eines Priesters und die Ermordung von drei Menschen bestätigt. Mindestens 51 Menschen wurden in den letzten drei Tagen bei Angriffen auf vier verschiedene Dörfer im Bundesstaat Kaduna verschleppt und sechs getötet. Die Angriffe fanden laut Angaben der nigerianischen Sicherheitsdienste, die von der Nachrichtenagentur Afp zitiert wurden, im südlichen Teil des mehrheitlich christlichen Bundesstaates Kaduna statt, wo im Jänner mehr als 180 Menschen entführt worden waren, die in den letzten Tagen wieder freigelassen wurden. Unter den jüngst Entführten soll sich auch ein Imam befinden.
Im Verwaltungsbezirk Kajuru haben Bewaffnete demnach nun elf Menschen, darunter einen Priester, entführt und drei weitere getötet. Bei dem Priester handelt es sich um Nathaniel Asuwaye, Pfarrer der Dreifaltigkeitskirche in Karku im Bezirk Kajuru. Der Überfall ereignete sich, wie in einer Mitteilung der Erzdiözese bestätigt wurde, gegen 3 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag in seiner Residenz und forderte auch den Tod von drei Personen bei dem, was Zeugen als "Überfall einer Gruppe von Terroristen" bezeichneten.
Bei einem weiteren Angriff in einem nahe gelegenen Gebiet starben drei Menschen und 38 wurden entführt, darunter ein lokaler Imam und vier Mitglieder seiner Gemeinde. Am Freitag sollen zwei Menschen auf dem Weg nach Maro entführt worden sein, während die Angreifer am Donnerstag Häuser in derselben Ortschaft zerstört haben sollen, doch die Zahl der Opfer ist in diesem Fall noch unklar. Bislang hat keine Gruppe die Verantwortung für die Angriffe übernommen.
Diese Gewalttaten sind nur die jüngsten in einer Reihe von Vorfällen, nachdem es Anfang der Woche in den Bundesstaaten Katsina, Kwara und Benue zu Anschlägen gekommen war: Bei letzterem Übergriff gab es insgesamt 47 Opfer, die meisten davon wurden auf dem Markt von Abande im Stadtteil Mbaikyor getötet, wo Milizen das Feuer auf Händler und Anwohner eröffneten.
Nur wenige Tage zuvor war es in den beiden nahegelegenen Dörfern Woro und Nuku in Kwara zu Attacken gekommen, bei denen über 170 Menschen ums Leben kamen. Das nigerianische Rote Kreuz sprach in diesem Fall vom tödlichsten Angriff, der in diesem Jahr in diesem Bezirk an der Grenze zum Bundesstaat Niger verzeichnet wurde. Dabei handelt es sich um ein Gebiet, das zunehmend von bewaffneten Überfällen, Entführungen und Viehdiebstählen heimgesucht wird. Während des Überfalls setzten die bewaffneten Gruppen auch Häuser und Geschäfte in Brand und verwüsteten die Umgebung.
Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen
Nach dieser verheerenden Reihe von Angriffen entsandte der nigerianische Präsident Bola Tinubu ein Bataillon in den Bundesstaat Kwara, wo die Armee kürzlich Operationen gegen sogenannte "terroristische Elemente" durchgeführt hatte. Keine Gruppe hat sich zu dem vom Präsidenten als "brutal" bezeichneten Angriff bekannt, aber die Landesregierung hat "terroristische Zellen" beschuldigt, während Präsident Tinubu die Verantwortung den Dschihadisten von Boko Haram zugeschrieben hat. Nach Angaben des nigerianischen Staatsoberhauptes hatte sich der Überfall gegen die Dorfbewohner gerichtet, die die Ideologie der Dschihadisten abgelehnt hatten. Den Angaben zufolge hatten sie sich geweigert, die Scharia zu übernehmen.