Erzbischof Grünwidl, Bundeskanzler Stocker und Dompfarrer Faber eröffnen Schau mit 77 Kreuzarbeiten des international bekannten österreichischen Malers
Wien, 10.02.2026 (KAP) 77 Kreuzarbeiten des Malers Arnulf Rainer (1929-2025) sind ab dem Beginn der Fastenzeit im Wiener Stephansdom zu sehen. Vier Monate lang zeigen das Domkapitel zu St. Stephan und die Sammlung Werner Trenker sieben Werke in Kreuzform auf Holz sowie 70 Kaltnadelradierungen in Form eines Kreuzes, die der Künstler in den Jahren 1956 bis 2014 geschaffen hat.
Die Ausstellung mit dem Titel "Das Kreuz als Zeichen, das bleibt" wird am 17. Februar, dem Vorabend des Aschermittwochs, im Stephansdom prominent eröffnet: Neben Bundeskanzler Christian Stocker sprechen Erzbischof Josef Grünwidl, Werner Trenker, aus dessen Sammlung die in der Domkirche zu sehenden Werke Rainers stammen, und P. Gustav Schörghofer SJ. Die Schau findet wenige Wochen nach dem Tod des auch international bekannten Künstlers statt: Arnulf Rainer starb am 18. Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren.
Die Ankündigung der Ausstellung hatte im vergangenen Herbst für Aufsehen gesorgt. Rainer ließ über einen Anwalt erklären, er fühle sich durch die Präsentation der Kreuzarbeiten im Stephansdom "vereinnahmt", hätten seine Kreuze doch "nichts mit christlichen Kreuzen zu tun". Dompfarrer Toni Faber erklärte daraufhin in einem ORF-Interview, dass der Plan für die Ausstellung vor längerem mit dem Künstler abgesprochen worden sei.
Man wolle Rainer auch keinesfalls vereinnahmen, sondern respektiere "die größere Perspektive, die er in der menschlichen Form eines Kreuzes - auch ohne christliche Konnotation - sieht", bekräftigte Faber am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Kathpress. Man müsse bei einem Künstler anerkennen, dass dieser zeit seines Lebens und seiner Schaffensperiode verschiedene Zugänge und Artikulationsformen suche. "Arnulf Rainer war von Jugend an immer gegen eine Vereinnahmung - und das akzeptiere ich", so Faber.
Kunsthistorisch und theologisch begleitet wird die Ausstellung im Stephansdom von dem deutschen Jesuiten und "Kunstpater" Friedhelm Mennekes, Gründer der "Kunst-Station Sankt Peter" in Köln. Mennekes, der auch mehrere Bücher im Dialog mit Rainer geschrieben hat, eröffne einen geistig-spirituellen Zugang zu den Werken Rainers, für den das Kreuz nicht nur Symbol der Christenheit sei, "sondern auch als künstlerisches Zeichen menschlicher Existenz, Leidensfähigkeit und Hoffnung", hieß es schon in der Ankündigung der Schau.
Obwohl sich Rainer selbst nicht als Kirchenmaler begriff, stehen unter anderem Kreuzübermalungen im Mittelpunkt seines Werks. Auch die Nähe zum Stephansdom ist nicht neu: Bereits in den 1950er Jahren war Rainer eng mit der von Msgr. Otto Mauer (1907-1973) gegründeten "Galerie nächst St. Stephan" verbunden gewesen - einem Ort, der die Progression und Entfaltung der österreichischen Avantgarde maßgeblich förderte.
Rainer war zudem zweifacher Ehren-Theologie-Professor und Aussteller in der Kölner Kunstpfarre St. Peter und kooperierte im Lauf seiner Karriere mehrfach mit kirchlichen Institutionen, etwa beim Entwurf eines Kirchenfensters in Wien-Pötzleinsdorf, einem Altarkreuz im sächsischen Kemberg oder bei der sogenannten "Arnulf Rainer Bibel". Seit 1994 ist im Grazer Priesterseminar als Altarbild das von Rainer geschaffene "Braunkreuz". Auch das Kreuz in der Landhauskapelle St. Pölten stammt vom Künstler.