Sammlungen der Konvente Innsbruck und Volders mit wertvollen alten Handschriften und Inkunabeln - Uni kümmert sich ums Aufbewahren, Erschließen und Zugänglichmachen
Innsbruck, 09.02.2026 (KAP) Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULB Tirol) hat zwei historische Klosterbibliotheken des Servitenordens dauerhaft übernommen. Die Sammlungen aus den Konventen in Innsbruck und Volders, darunter rund 500 Handschriften aus dem 15. bis 19. Jahrhundert sowie mehr als 200 wertvolle Inkunabeln, also noch mit beweglichen Lettern hergestellte Drucke, werden künftig an der Universität aufbewahrt, sukzessive erschlossen und digital zugänglich gemacht. "Sie sind wichtige Quellen für die Ordens-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte Tirols", teilte die ULB am Montag mit.
Die Innsbrucker Servitenbibliothek geht zurück auf die Gründung des Servitenkonvents 1611 durch Anna Caterina Gonzaga, zweite Gemahlin Erzherzog Ferdinands II.. Bereits 2008 wurde sie als Dauerleihgabe an die ULB Tirol übergeben, die nun mit dem im Dezember 2025 geschlossenen Vertrag in eine Schenkung umgewandelt wurde. Die Sammlung umfasst neben den Inkunabeln zahlreiche Handschriften, die durch Legate Tiroler Persönlichkeiten im 17. und 18. Jahrhundert ergänzt wurden.
Die Bibliothek des Servitenkonvents St. Karl in Volders wurde nach der Auflassung der dortigen Ordensniederlassung 2025 übernommen. Sie enthält Werke vom 16. bis 18. Jahrhundert sowie jüngere Bestände und reflektiert das geistige Profil eines frühneuzeitlichen Konvents, mit Literatur zu Theologie, Rechtswissenschaft, Geschichte, Medizin, Philologie und Belletristik. Buch- und regionalhistorisch besonders wertvoll sind die Vorprovenienzen, darunter das Legat des Servitenpaters Caspar Maria Künigl (1699-1770) sowie Bestände aus Adelsbibliotheken und anderen Klöstern.
Die Schenkungen erfolgten aus dem Wunsch des Ordens nach fachgerechter Betreuung, optimalen konservatorischen Bedingungen und dauerhafter Zugänglichkeit für Forschung und Öffentlichkeit. Dazu trägt das vom Kunst- und Kulturministerium geförderte Projekt "Kulturerbe digital" (2024-2026) bei, in dessen Rahmen die Handschriften in Kooperation mit dem Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien der Universität Innsbruck sowie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften inhaltlich erschlossen und digitalisiert werden.
ULB-Leiterin Eva Ramminger dankte den Vertretern des Servitenordens, Provinzial P. Anthony Raj und Prior Fr. Fero Bachorik, für die großzügige Überlassung der Sammlungen und betonte, dass damit das Profil der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol als eine "zentrale Gedächtnisinstitution des Landes" weiter gestärkt werde. Die Bestände gelten als bedeutende Zeugnisse des historischen Wirkens des Ordens in der Region und als wertvolles schriftliches Kulturgut. Die Sammlungen seien "herausragend" und würden "durch ihren Umfang, ihre thematische Vielfalt und zahlreiche qualitätsvolle Werke bestechen", so Ramminger.