Leo XIV. in Brief an großes Treffen spanischer Priester in Madrid: Gott und den Menschen dienen und mit eigenem Leben auf Gott hinweisen
Madrid, 09.02.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat zu einer vertieften Beschäftigung mit dem katholischen Priestertum aufgerufen. Statt die Identität des Priesters selbst neu zu definieren, gelte es, dessen authentischen Kern wiederzuentdecken, forderte das Kirchenoberhaupt in einem am Montag veröffentlichten ausführlichen Brief an ein großes Treffen spanischer Priester in Madrid. Beim Priestersein gehe es darum, Gott und den Menschen ganz konkret zu dienen, als "zweiter Christus", schrieb Leo.
Die Rahmenbedingungen für das Priesterberuf wie auch für den Glauben hätten sich grundlegend geändert, räumte der Papst ein. Die Säkularisierung sei vielerorts weit fortgeschritten, die öffentliche Debatte sei polarisiert und die Bewertung von Menschen geschehe oft "unvollständig". Der Glaube laufe Gefahr, "instrumentalisiert, banalisiert oder in den Bereich des Irrelevanten verbannt zu werden", der transzendente Bezug werde oft übersehen und die christliche Botschaft oft nicht mehr weitergegeben, da sie auf Gleichgültigkeit oder Unverständnis stoße.
Dies alles sehe er aber nicht als Anlass für Rückzug oder Resignation, betonte der Papst: Er sehe heute nämlich zugleich auch eine neue Offenheit vieler Menschen, insbesondere der jüngeren Generationen, für eine "ehrlichere und authentischere Suche", die sie "zur Begegnung mit Christus zurückführt". Hier sollten Priester präsent und verfügbar sein, sollten mit ihrer gesamten Lebensführung "auf Gott hinweisen und den Weg zum Geheimnis begleiten, ohne dessen Platz einzunehmen". Dabei seien Zölibat, Armut und Gehorsam bedeutsam, bei denen nicht der Verzicht im Mittelpunkt stehe, sondern das "Zugehören zu Gott".
Eigene Gottesbeziehung pflegen
Hüten sollen sich Priester nach den Worten Leos davor, sich bloß durch eine Vielzahl von Aufgaben zu definieren oder durch den Druck, Ergebnisse zu liefern. Vielmehr gehe es um eine eigene lebendige Beziehung zu Jesus Christus, "die durch die Eucharistie genährt wird und sich in einer pastoralen Nächstenliebe ausdrückt, die durch aufrichtige Selbsthingabe gekennzeichnet ist". Besonders legte der Papst den Priestern die würdige und angemessene Feier der Sakramente ans Herz, die sie auch selbst empfangen müssten, insbesondere das der Versöhnung.
"Vergesst nicht, dass ihr nicht die Quelle, sondern der Kanal seid und dass auch ihr dieses Wasser trinken müsst. Vernachlässigt daher die Beichte nicht und kehrt immer wieder zu der Barmherzigkeit zurück, die ihr verkündet", so der Papst in seinem Schreiben. Priester sollten "Anbeter" und "Menschen des tiefen Gebets" sein, sich um Heiligkeit bemühen und das Volk lehren, "dasselbe zu tun".
Besonders hob der Papst weiters die Bedeutung der Verbundenheit von Priestern untereinander hervor. Sie sollten sich nicht als Einzelkämpfer verstehen, da Individualismus "das Herz verarmt und die Mission schwächt", mahnte er. Vielmehr gelte es, Brüderlichkeit zu leben, sich verantwortlich füreinander zu fühlen und zur gegenseitigen Unterstützung bereit zu sein. "Niemand soll sich in der Ausübung seines Amtes ausgesetzt oder allein fühlen", so der Papst mit Blick auf "Müdigkeit und Einsamkeit" vieler Priester.
Großer Austausch
Der Brief richtete sich an eine am Montag und Dienstag erstmals durchgeführte Priesterversammlung in Madrid, die den Titel "Convivium" trägt. Der Einladung des Erzbischofs der spanischen Hauptstadt, Kardinal José Cobo, sind mehr als 1.000 Priester gefolgt. Ziel ist der Austausch, das Aufzeigen der Vielfalt und die Stärkung der Gemeinschaft untereinander. Bereits im Vorfeld hatten die Priester in kleineren Runden mit ihren Altersgruppen und Weihejahrgängen über ihre Berufung und Herausforderungen reflektiert, die Ergebnisse flossen in das Treffen ein.